Gen-Schwein-Kosmetik

Johannes Flöck ist im neuen Lebensabschnitt angekommen und erduldet Kosmetikbehandlungen. Foto: soph

soph Siegen. Wieder einmal hieß es „Bühne frei“ für die Siegener Kabarett-Night. Gastgeber und Moderator Guido „Fliege“ Müller begrüßte dieses Mal Thomas Müller, Kai Spitzl und Johannes Flöck aus Köln und Operndiva-Anwärterin Minna Mezzo aus Iserlohn. Herr Fliege führte mit gewohnt frecher Schnauze durch das Programm und ließ dabei fast kein gutes Haar am Publikum, das ihm wie immer nicht böse war, sondern direkt mittendrin im Programm.

Namensvetter Thomas Müller wurde für den Auftritt zum Model gecoacht, weiß außerdem nicht, ob die Supernanny nicht doch eher Golom ist, berichtet, wie die Kölner Schnee kennenlernen, weiß, dass Schwaben – er selbst ist in Schwäbisch Hall aufgewachsen – grundsätzlich verkrampft sind und liest aus seinem jugendlichen Familien-Reisetagebuch vor. Minna Mezzo in roter Abendrobe sucht eigentlich nur den Opernvertrag und trägt nebenbei „Carmen“ mit Gast aus dem Publikum und „Die Königin der Nacht“ in abgewandelter Version vor, bevor sie ihr neues Konzept „Operobic“ mit Trampolin und Sauerstoffgerät vorstellt.

Bei Kai Spitzl geht es auf der Bühne sehr ruhig, aber nicht weniger unterhaltsam zu. Der große Mann sitzt auf einem Stuhl und lässt seine Erkenntnisse auf seine Zuschauer rieseln. So sollte die Schweinegrippe mehr Angst vor den deutschen Urlaubern haben als umgekehrt, denn die jagen mit Liegestühlen sogar Piraten in die Flucht und markieren Liegen mit Flaggenhandtüchern. Angst sollte man eher vor Seniorenbanden haben, die Apotheken überfallen, oder vor doppelt so lang lebenden leuchtenden Gen-Schweinen aus China, die der Energiesparlampe Konkurrenz machen. Dann doch lieber ein Ausflug in den neuen Erlebnispark Ost: „Fanstasialand“.

Johannes Flöck hatte nach seinem Umzug von Koblenz nach Köln zunächst Verständigungsschwierigkeiten in der Stadt der Jecken, und im neuen Lebensabschnitt 40+ geht es zunächst einmal ab zur Rund-um-Kosmetikbehandlung, die mehr Angst als Entspannung beschert. Bei seiner neuesten Nummer braucht er zwischenzeitlich Hilfe vom Blatt, was seiner offenen und ansteckenden Art nichts nimmt. Ab 40 sind Arztbesuche auch nicht mehr das, was sie früher mal waren. Schnelle Spritzen werden von frustrierender Resignation abgelöst, und sogar die Luft kann Verletzungen durch Schlafen am offenen Fenster hervorrufen.

Die Stimmung im ausverkauften Kleinen Theater war während des gesamten, wie gewohnt ausgedehnten Programms ausgelassen und mitreißend. Das Publikum wurde von jedem Künstler auf seine Art und Weise mit eingebunden, und Guido Müller rundete das Ganze zwischen den Auftritten mit Mitmach-Übungen ab: Beim Kennenlern-Spiel mit dem roten Wollknäuel spielte sogar der Scheinwerfer mit!

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