Genialität für einen guten Zweck

Benefizkonzert des Seniorenbeirats mit Musik für Violine und Klavier

bst Siegen. Was tun, wenn man angesichts leerer öffentlicher Kassen Mittel für die Ausstattungsverbesserung des Seniorenselbsthilfezentrums, z.B. der Anschaffung von Defibrillatoren, auftreiben möchte? Der Seniorenbeirat der Stadt Siegen setzt auf die kulturellen Interessen der Bürger und auf die Bereitschaft namhafter Tonkünstler, an einer Benefiz-Konzertreihe mitzuwirken. Der gebürtige Bulgare Vesselin Paraschkevov (Violine) und der gebürtige Pole Peter Krajniak (Klavier) hatten sich als Erste zu einem Benefiz-Meisterkonzert im Leonhard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle bereit erklärt.

Bei der Begrüßung des Publikums musste Dieter Melitzki, Seniorenbeirats-Beauftragter für kulturelle Angelegenheiten, mitteilen, dass Peter Krajniak seine Mitwirkung zwei Tage zuvor aufgrund eines Unfalls hatte absagen müssen und für ihn dankenswerterweise kurzfristig der freischaffende Pianist Bernd Kuschmann aus Wuppertal eingesprungen sei; er wirkt als Lehrbeauftragter an der Essener Folkwang-Hochschule, an der Vesselin Paraschkevov eine Professur für Violine wahrnimmt.

Im Kontrast zu Eis und Schnee draußen begann im Gläser-Saal das Duo Paraschkevov/Kuschmann mit Ludwig van Beethovens »Frühlingssonate« F-Dur op. 24, mit Widmung an den Wiener Bankdirektor Graf Moritz von Fries veröffentlicht im Jahr 1801, als Beethoven erstmals in Briefen seine zunehmende Schwerhörigkeit bekannte. Mit flottem Allegro begannen beide Musiker und bewiesen vor allem beim »Scherzo: Allegro molto« mit seinen versetzten Synkopen-Folgen ihr sicheres Zusammenspiel. Bereits im abschließenden »Rondo. Allegro ma non troppo« zeigten beide Musiker, dass sie ihr Instrument nicht nur technisch perfekt beherrschen, sondern es mit musikalischem Gespür und großer Ausdruckskraft zu spielen verstehen. Vielleicht war der Flügeldeckel etwas weit aufgeklappt, so dass angesichts der Lautstärke des Flügels die dynamische Variationsbreite der Violine etwas eingeschränkt wirkte und der Flügel im rechten Saalbereich klanglich dominierte.

War die »Chaconne« um 1600 noch eine im mäßigen Dreiviertel-Takt gehaltene Tanzform gewesen, so erschien sie Anfang des 18. Jahrhunderts als Variationskomposition über einem zumeist viertaktigen ostinaten Bassthema. Johann Sebastian Bachs berühmte Partita in d-Moll für Violine solo enthält eine »Ciaccona«, die Vesselin Paraschkevov präsentierte: Virtuos ließ er das durch reiches Doppelgriff- und Akkordspiel gekennzeichnete Werk auf seiner Geige erklingen, die 1710 von Josef Guarneri gebaut worden war. Direkt vor dem Publikum stehend zauberte Paraschkevov mit dem für sein Instrument charakteristisch warmen Ton mittels eines großen dynamischen Spektrums eine Atmosphäre im Gläsersaal, die in totale Stille mündete und dann stehende Ovationen des begeisterten Publikums für den Meister auf der Violine auslöste.

Nach der Pause wechselte das Duo in die Hochromantik mit Robert Schumanns Sonate a-Moll op. 105, ganz nach Schumanns eigenen Satzbezeichnungen vom »leidenschaftlichem Ausdruck« bis zum »lebhaften« Schluss-Satz. Auch hier imponierten der romantisch-weich wirkende Klang der alten Geige und Kuschmanns einfühlsames Spiel am Flügel. Pablo de Sarasates Carmen-Fantasy op. 25, eine Suite mit Variationen über Themen aus George Bizets Oper, bildete den Abschluss dieses Kammerkonzert-Programms: Noch einmal zogen beide Musiker alle »Register« ihres Könnens und erwiesen ihre Musikalität auf der Grundlage perfekter Beherrschung ihrer Instrumente einschließlich der Flageolett-Tonpassagen, die Paraschkevov auf seiner Guarneri-Geige sehr wohlklingend und intonatorisch sauber entfaltete.

Stehend applaudierte das Publikum und entlockte den Musikern als Zugaben zwei Capricen des romantischen polnischen Geigers und Komponisten Henryk Wieniawski. Der Seniorenbeirat hatte nicht zu viel versprochen mit dem Titel »Meisterkonzert«; auch der kurzfristige Wechsel am Flügel bewirkte keine Minderung des Genusses – beide Künstler musizierten so gut auf einander eingestellt, als ob sie tagtäglich nichts anderes täten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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