Gerber-Park ein Problemfall

 Der Gerber-Park in Hilchenbach steht vor einem Umbruch. Foto: Jan Schäfer

js - Der Gerber-Park hat sich  zu einem Problemfall entwickelt. Die Zahl der Leerstände nimmt weiter zu: Im Juni wird Aldi endgültig von dannen ziehen. Und nun bereitet sich auch noch Rewe als größter Ankermieter auf den Auszug vor. Bekanntermaßen beklagt der Vollsortimenter schwindende Umsatzzahlen an seinem jetzigen Standort. Dementsprechend gelegen kam ihm das Angebot der Projektentwickler und Investoren, die auf dem ausgedienten USH-Areal an der Herrenwiese ein neues Einkaufszentrum errichten wollen. Neben einem Drogeriemarkt war lange Zeit Aldi als Partner an den Planungen beteiligt, vor einem guten Jahr aber scherte das Discountunternehmen wegen Unstimmigkeiten mit den Projektierern aus. Die wiederum machten Rewe ein Angebot – und zwar eines, das nunmehr in konkrete Planunterlagen verarbeitet wurde.

Der Stadtentwicklungsausschuss ebnete im Februar mit breiter Mehrheit den Weg für die Fortführungen der USH-Planungen. Die Sorge um die Zukunft des Gerber-Parks, wegen der die Grünen als einzige Fraktion gegen die Aufstellung einer Bebauungplanänderung an der Herrenwiese stimmten, hatte die Großzahl der politischen Entscheidungsträger im Gremium nicht umstimmen können. Schließlich hatte auch Bürgermeister Holger Menzel, der in seinem Wahlprogramm sich noch eine Stärkung des Gerber-Parks auf die Fahnen geschrieben hatte, seine Resignation in dieser Hinsicht verkündet: Seit seinem Amtsantritt sei es ihm nicht gelungen, mit dem Eigentümer des Gerber-Parks zu kommunizieren. Die Stadt solle angesichts mangelnder Gesprächsbereitschaft nicht mehr länger Platzhalter für einen Investor sein, der kein Interesse an der Entwicklung Hilchenbachs habe. Auch die Vertreter von Rewe attestierten im Ausschuss dem Gerber-Park-Besitzer mangelnde Investitionsbereitschaft. Ein kleineres Stammgeschäft in der „Mall“ beklagt völlig fehlendes Interesse und soll sogar schon monatelang die Miete einbehalten haben, bis dies nach anderthalb Jahren aufgefallen sei.

Vermietungsmanager Wolfgang Viereg von der Eigentümergesellschaft Faiervesta hat sich nach eigener Aussage inzwischen mit dem Auszug von Aldi abgefunden. Er äußerte Verständnis für die „überraschende“ Entscheidung des Hauptmieters: Rewe habe ein Angebot bekommen, angesichts dessen nachvollziehbar sei, „dass sie gehen wollen“. Eine mangelndes Interesse bestreitet Wolfgang Viereg. „Wir müssen und wollen investieren!“ Ziel der Fairvesta sei weiterhin ein Erhalt des Gerber-Parks. Daher sei der Eigentümergesellschaft sehr daran gelegen, Rewe als Mieter zu halten. Und da der Gerber-Park nicht mit dem USH-Projekt mithalten könne, sei aus seiner Sicht die Politik gefragt: „Sie hat den Gerber-Park seinerzeit gepusht, jetzt sollte sie versuchen, ihn zu halten.“ Die Kommunalpolitiker müssten wissen, was sie wollten. Als Plan B sieht Fairvesta die Suche nach einem geeigneten Nachmieter für Rewe vor.

Mit dem neuen Bürgermeister hatte Wolfgang Viereg tatsächlich noch keinen Kontakt. Sein inzwischen überholter Sachstand war noch einer aus der Ära Hasenstab: Mit dem Vorgänger von Holger Menzel habe er zuletzt über das „Problem“ USH-Areal gesprochen, als es dort noch um eine Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern gegangen sei – sprich: Bei diesem Planungsstand hatte die Stadt gar keinen Einfluss auf die Entwicklung dieses Geländes, da es noch nicht um großflächigen Einzelhandel ging. Zur Erinnerung: Hilchenbach hatte damals durchaus ein Veto gegen eine Bauvoranfrage eingelegt. Die zuständige Behörde, der Kreis Siegen-Wittgenstein, aber erteilte der Anfrage grünes Licht. Erst im Laufe der vergangenen Jahre wuchs das Projekt und mit ihm die gewünschte Verkaufsfläche: Inzwischen ist für Rewe eine Fläche von 1600 Quadratmetern geplant.

Die Stadt habe Fairvesta ein Gesprächsangebot gemacht, sagte Bürgermeister Holger Menzel. Von dort sei aber nichts zurückgekommen. Dies sei offenbar ein grundsätzliches Problem des Eigentümers – im Gerber-Park sei niemand mehr gut auf ihn zu sprechen. „Wir können jetzt auch nicht aufgrund einer Forderung von Fairvesta unsere Planungen ändern“, betonte Menzel. „Der Zug ist abgefahren.“ Hinzu komme, dass es auf dem USH-Gelände konkrete Planungen gebe. Auch von dem örtlichen Investor, der am Kauf des Gerber-Parks interessiert sei, habe er bis zur Ausschusssitzung nichts Konkretes in der Hand gehabt. Im Übrigen schließe eine Beplanung des USH-Areals einen Verkauf oder eine Weiterentwicklung des Gerber-Parks mit einem neuen Ankermieter ja nicht aus.

Und Rewe? Das Unternehmen sehe in Hilchenbach allein auf dem USH-Areal eine Zukunft, bekräftigte Expansionsleiterin Doreen Schimmank noch einmal auf SZ-Anfrage.  Fairvesta habe in den vergangenen Jahren zwar stets auf Anfragen reagiert – eine Initiative für den Gerber-Park sei jedoch nicht erkennbar gewesen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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