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Denkmalschutz in NRW
Gesetzentwurf fehlt die Substanz

Negativbeispiel: Das marode Haus Hüttenhain an der Zufahrt zum Hilchenbacher Markt ist Eigentümern und Stadt ein Dorn im Auge. Dass es unter Denkmalschutz gestellt wurde, geht auf einen Ministerentscheid aus Düsseldorf zurück.
  • Negativbeispiel: Das marode Haus Hüttenhain an der Zufahrt zum Hilchenbacher Markt ist Eigentümern und Stadt ein Dorn im Auge. Dass es unter Denkmalschutz gestellt wurde, geht auf einen Ministerentscheid aus Düsseldorf zurück.
  • Foto: Jan Schäfer
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js Siegen. Steht eine Kernsanierung des NRW-Denkmalschutzgesetzes bevor? Das zumindest plant Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) in Düsseldorf – ob sie für ihren Gesetzesentwurf jedoch grünes Licht der Politik bekommt, ist fraglich. Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann zweifelt daran, dass die Novelle in der vorgelegten Form beschlossen wird. „Alle laufen Sturm dagegen.“ Sollte dieser Sturm aber nichts bringen, müsste die Verwaltung der Krönchenstadt ihr Personal im Denkmalamt aufstocken – auf vier bis fünf Vollzeitstellen schätzt Schumann den Bedarf.

Derzeit läuten aber vor allem bei den Landschaftsverbänden die Alarmglocken. Sie warnen vor einer „deutlichen Schwächung“ des Denkmalschutzes in Nordrhein-Westfalen, sollte die Bauministerin mit ihrer geplanten Gesetzesreform durchkommen.

js Siegen. Steht eine Kernsanierung des NRW-Denkmalschutzgesetzes bevor? Das zumindest plant Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) in Düsseldorf – ob sie für ihren Gesetzesentwurf jedoch grünes Licht der Politik bekommt, ist fraglich. Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann zweifelt daran, dass die Novelle in der vorgelegten Form beschlossen wird. „Alle laufen Sturm dagegen.“ Sollte dieser Sturm aber nichts bringen, müsste die Verwaltung der Krönchenstadt ihr Personal im Denkmalamt aufstocken – auf vier bis fünf Vollzeitstellen schätzt Schumann den Bedarf.

Derzeit läuten aber vor allem bei den Landschaftsverbänden die Alarmglocken. Sie warnen vor einer „deutlichen Schwächung“ des Denkmalschutzes in Nordrhein-Westfalen, sollte die Bauministerin mit ihrer geplanten Gesetzesreform durchkommen. Der für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe zuständige Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) würde mit seinem Denkmalpflegeamt an Einfluss verlieren – die Kommunen würden selbst über die Unterschutzstellung von Gebäuden entscheiden; bislang mussten sie sich mit den Experten der Oberen Denkmalbehörde einigen.

"Alle laufen Sturm dagegen."
Stadtbaurat Henrik Schumann
zweifelt daran, dass die vorgelegte Gesetzentwurf beschlossen wird

Sollte das Gesetz in dieser Form beschlossen werden, würde in der Stadt Siegen der Bedarf an Fachpersonal in der Unteren Denkmalbehörde steigen, berichtete Henrik Schumann auf Anfrage der Grünen im Bauausschuss. Und das, obwohl die Verwaltung in diesem Bereich bereits mächtig aufgestockt habe in den vergangenen drei Jahren. Nötig würden zudem Weiterbildungen und Schulungen, damit dei Mitarbeiter ihre Aufgaben rechtssicher erledigen könnten. Die Zusatzstellen, die nach grober Schätzung nötig werden könnten, müssten mit Architekten, Kunsthistorikern und Verwaltungsmitarbeitern (möglichst mit juristischer Ausbildung) besetzt werden. Wie viel das alles kosten würde, lässt sich noch nicht beziffern.

Bauliche Veränderung in Abstimmung möglich

Zusätzlichen Druck vonseiten der Immobilieneigentümer befürchtet die Verwaltung nicht. „Die größte Zahl der Eigentümer ist dankbar über die baudenkmalfachliche Beratung und Begleitung“, heißt es aus dem Rathaus. „Sie haben ein Interesse daran, ihre Baudenkmäler zu erhalten, zu pflegen und zu nutzen.“

Bauliche Veränderungen seien auch bei Denkmälern in Abstimmung durchaus möglich. Ob es mehr Klagen von Eigentümern gegen die Stadt geben werde, weil deren Entscheidungskompetenz angezweifelt würde, sei ungewiss. „Die fehlende Unterstützung und Erfahrungen sowie der fachliche Rückhalt der ausgebildeten Experten für Denkmalrechtvom LWL werden Entscheidungen und Stellungnahmen jedenfalls deutlich erschweren.“ Die Stadt Siegen schließe sich der Kritik des LWL an. Auch die Regionalgruppe Südwestfalen in der Arbeitsgemeinschaft historischer Stadt- und Ortskerne, deren Vorsitz Stadtbaurat Schumann innehat, habe eine kritische Stellungnahme abgegeben.

Denkmalschutz für's "Schimmelhochhaus"

Die Entscheidung, einen möglichen Denkmalsschutz komplett der Kommune vor Ort zu überlassen, bietet aber nicht ausschließlich Nachteile. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass die Kenner vor Ort keinesfalls mit dem von oben oktroyierten Denkmalschutz einverstanden sind. Kein Mitspracherecht hatte beispielsweise die Stadt Siegen, als es um die überraschend verliehene Denkmalplakette für das Behördenhochhaus an der Koblenzer Straße ging, das seinerzeit vor allem als „Schimmelhochhaus“ in die Schlagzeilen geraten war.

Die entwidmete Josefkapelle, Baujahr 1984, in der früheren Kolping-Familienferienstätte in Olpe – heute zentrale Unterbringungseinrichtung und Flüchtlingsunterkunft „Regenbogenland“ – wurde trotz der Einwände vor Ort unter Schutz gestellt. In Bad Laasphe sorgte der Denkmalschutz des Domänengebäudes am Friedrichshammer auf Kunst Wittgenstein für Diskussionen, wegen des desolaten Zustands des Immobilie.

Bauruine nur im Weg

Und noch ein Beispiel, das nach wie vor ein großer Dorn im Auge der Ortskundigen ist: Haus Hüttenhain in Hilchenbach. Das marode Fachwerkhaus wurde gegen den Wunsch der Stadt und der damaligen Eigentümer unter Schutz gestellt. Die vom Landeskonservator in Münster empfohlene Entscheidung darüber kam 2010 vom damaligen Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU), nachdem er sich bei einem launigen Rosenmontagsbesuch vor Ort umgesehen hatte. Bis heute steht die Bauruine der Stadtentwicklung an zentraler Stelle – an der Einfahrt zum Markt – im Weg.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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