Gespinstraupe sorgt für Zauberwald

Zahlreiche Bäume völlig abgefressen und eingesponnen / Warmer Winter verantwortlich

Niederschelden. Seit vergangenen Mittwoch vollzieht sich an den Siegauen in Niederschelden ein Naturereignis besonderer Art. Hunderttausende von Raupen haben sich vornehmlich in den Weidenbäumen am dem Weg gegenüber dem ehemaligen Rathaus festgesetzt. Lotto Köhler, die diesen Weg seit Jahren spazieren geht, hat solch eine Invasion von Raupen noch nicht erlebt. Auch die Luft unter den Bäumen ist stickig. Lotti Köhler: »Ich kann den Weg nicht mehr gehen. Dann bekomme ich sofort einen Asthma-Anfall.« In den Bäumen hängen Gespinstraupen in großen Massen. Da ist der Ekel vorprogrammiert. Jeden Tag, so die Anwohnerin, würden weitere Bäume an diesem Weg befallen. Bei Biologen löst die Gespinstraupen-Invasion allerdings keine Panik aus. Die Raupen sind meist schmutziggelb bis grün bei nur geringer Behaarung und einer Länge von etwa 20 mm im ausgewachsenen Zustand. Die Kopfkapsel und der Nackenschild sind unverkennbar dunkel gefärbt und heben sich somit farblich deutlich vom Gesamteindruck der Raupe ab. Typisch für die Tiere ist auch ihr gemeinsamer Fraß in großen Gespinsten. Die Bezeichnung Gespinstmotte rührt von der deutschen Bezeichnung der Schmetterlingsfamilie (Yponomeutidae) her, zu der diese Tiere zählen. Namensgebend sind hier die in Gruppen auftauchenden Raupen, die stark zur Gespinstbildung neigen. Die Raupen können, wenn sie in Gärten auftauchen, Schäden an Apfel, Weißdorn, Süßkirsche, Traubenkirsche oder Schlehe anrichten. Die Gespinste mit ihren Raupen können den ganzen Baum, den Stamm und angrenzende Gräser völlig bedecken. Entsprechend gespenstisch, wie verzaubert wirkt das Ganze.

Wenngleich durch die Gespinstmottenlarven ein Kahlfrass möglich ist, erholen sich viele Gehölze im selben Jahr wieder rasch durch einen Neuaustrieb. Bei Obstgehölzen kann es verständlicherweise zu völligem Ertragsausfall kommen. Eine besonders warme Witterung in den Wintermonaten lieben die Tiere. Dann können sie sich wie hier in Niederschelden so richtig ausbreiten.

Etwa im Juni erfolgt die Verpuppung am Baum innerhalb dieser Gespinste. Innerhalb von wenigen Wochen schlüpfen dann die Falter; die Tiere vollziehen somit nur eine Generation pro Jahr.

Einfach und effektiv zugleich ist das Entfernen der besiedelten Gespinste, wenn möglich im frühen Stadium, um den Schaden soweit wie möglich zu reduzieren. Eine chemische Bekämpfung der Raupen ist ebenfalls nur zu einem frühen Zeitpunkt sinnvoll, d.h. bevor sich die Gespinste ausgebildet haben, da die Raupen dort recht gut vor den Pflanzenschutzmitteln geschützt sind.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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