Gesundes Essen sorgt für Streit

Die Stadt Siegen hat dem Mensa-Verein gekündigt; nach den Sommerferien soll ein externer Caterer für gesundes Mittagessen an der Gesamtschule Eiserfeld sorgen. Foto: sos
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sos - Es ist eine Fehde zwischen zwei Parteien, die vermutlich nicht so einfach zu klären ist: Auf der einen Seite steht der Eiserfelder Verein „Cafeteria Arge GSE“, der seit 1999 für das Angebot der Gesamtschul-Mensa am Standort Talsbachstraße verantwortlich ist. Auf der anderen Seite stehen der Schulleiter Werner Jüngst und die Stadt Siegen als Träger, die der Arge zum Schuljahresende gekündigt haben und stattdessen einen externen Caterer verpflichten wollen. Der Mensa-Verein fühlt sich hintergangen.

Die Schulleitung gibt an, es habe seitens einiger Eltern Beschwerden gegeben, dass täglich nur ein Gericht auf der Speisekarte stehe. Stattdessen könnten die Schüler sich auch zur Mittagszeit mit Snacks versorgen, wie Schnitzel-Brötchen, Currywurst oder Süßigkeiten. Eva Hamm, Vorsitzende des Mensa-Vereins, widerspricht dem. Zum einen könnten die Schüler jedes Gericht auch vegetarisch bestellen. Dafür genüge eine kurze Absprache. Sie und ihre drei Mitarbeiterinnen richteten sich nach den Wünschen der Schüler und kochten mit wenig Fett. Zum anderen seien viele Eltern dankbar für das Snackangebot. In zahlreichen Familien werde abends gemeinsam warm gegessen, sodass den Schülern mittags ein Brötchen „auf die Hand“ reiche. Außerdem hätten die Oberstufenschüler – am Standort Talsbachstraße sind die Klassen 8 bis 13 vertreten – oft gar keine Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen. Ein weiterer Punkt, warum neben dem Mensa-Betrieb auch Snacks verkauft werden, sei ein wirtschaftlicher: „Ich finanziere mich selbst“, erklärt Hamm. Und viele wollten aus den genannten Gründen eben kein Mittagessen, sodass an dieser Stelle Einnahmen fehlten. Ihre drei Mitarbeiter müssten aber irgendwie bezahlt werden.

Die Stadt hat den Verein nach einer Schulkonferenz Mitte vergangenen Jahres dazu aufgefordert, das Angebot an die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung anzupassen. Grundsätzlich sei das eine gute Idee, findet Hamm. Sie sagt aber, die Stadt verlange, dass der Mensa-Verein sich an die festgesetzten Standards für eine Premium-Zertifizierung halten müsse, so die Vereinsvorsitzende. Und diese seien strenger als die „normalen“ Auflagen. „Das können wir als Verein gar nicht stemmen“, sagt sie, und für 3 Euro pro Mahlzeit (so viel kostet das Mittagessen aktuell) bekomme man das erst recht nicht hin. „Uns irritiert: Die Premium-Auflagen gelten nur für unsere Mensa. Normalerweise müsste man das doch auch an den anderen Schulen durchsetzen!“ Ein weiterer Kritikpunkt: „Wenn alles gesünder werden soll: Warum dürfen die Cola-Automaten in der Schule stehen bleiben?“ Diese seien nämlich ausdrücklich von den Änderungen ausgenommen.

Die Stadt erklärt in ihrer Stellungnahme: „Die Gespräche mit den Verantwortlichen des Mensavereins hinsichtlich einer Umstellung des Angebotes bzw. einer Orientierung des Angebotes an den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) waren allerdings bisher erfolglos. Die mangelnde Bereitschaft zur Umstellung des Verpflegungsangebotes zusammen mit der unsicheren Perspektive des Vereins einerseits und den sehr guten Erfahrungen mit dem Caterer am Standort Am Hengsberg andererseits haben dazu geführt, dass Schulleitung und Schulträger eine Beendigung des Vertrages mit dem Mensaverein zum Schuljahresende anstreben.“

Eva Hamm fragt sich aber, ob denn ein Caterer, der den Mensa-Verein ersetzen soll, die Premium-Auflagen erfüllen könne. Oder werde das bei diesem etwa lockerer gesehen? Hinzu komme, dass die Schüler die Mahlzeiten auch mögen müssten. „Die Essen künftig werden sie nicht annehmen, das weiß ich jetzt schon“, so Hamm. Nach 27 Jahren im Geschäft habe sie inzwischen ein Gefühl dafür, was gegessen werde und was nicht. Sie selbst habe ja schon einiges versucht, zum Beispiel ein gesundes Frühstück. Aber die Schüler hätten das Angebot nicht gut angenommen, sodass sie auf den Kosten sitzen geblieben sei.

Die Forderung, dass das Essen künftig den strengen Anforderungen entsprechen müsse, sei auf Schulleiter Jüngst zurückzuführen, glaubt Eva Hamm. Er setze alles daran, den Verein loszuwerden. Eigentlich sei alles immer gut gelaufen, doch jetzt habe sich die Stadt von ihm vor den Karren spannen lassen, mutmaßt sie. So oder so wird die Vereinsvorsitzende nach den Sommerferien wohl ohne ihr dreiköpfiges Team auskommen müssen. Sie als städtische Angestellte, die auch als Hausmeisterin für die Schule und die Turnhalle zuständig ist, bleibt bis zu ihrem Renteneintritt 2018 in der Essensausgabe der Mensa beschäftigt. Aber mehr Personal brauche man dann dort nicht mehr, so Hamm.

Beide Parteien geben an, nur das Beste für die Schüler zu wollen, und werfen der jeweils anderen Partei vor, dabei nicht mit fairen Mitteln zu kämpfen. Eva Hamm fühlt sich von Schulleiter Werner Jüngst gemobbt. Er behaupte beispielsweise, sie schließe in ihrer Funktion als Hausmeisterin absichtlich Räume ab, die gebraucht würden. Er mache dem Verein Auflagen, die dieser nicht erfüllen könne. Sie habe eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn eingereicht. Die Stadt wiederum wehrt sich vehement gegen „die Behauptungen und Anschuldigungen in sozialen Medien und auf Flugblättern gegenüber Schulleitung und Schulträger“. Diese entbehrten jeglicher Grundlage und würden zurückgewiesen. „Die Stadt Siegen prüft rechtliche Schritte gegen die Verfasser dieser Meldungen.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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