Gesundheitsmanagement im Betrieb

Muskelabbau und Rückenprobleme gehen auch an die Substanz der Volkswirtschaft

Siegen. »Von der Wiege bis zur Urne, turne, turne, turne«, diese Empfehlung des lyrischen Humoristen Joachim Ringelnatz könnte heutzutage in der modernen Medizin ohne weiteres zum Leitsatz schlechthin werden. Schließlich lässt sich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen das Gros der modernen Zivilisationserkrankungen ursächlich auf Bewegungsmangel und den damit zunehmenden Körpermuskel-Abbau zurückführen. Allem voran die derzeitige »Volkskrankheit Nr. 1« – Rückenprobleme – und deren Folgeerkrankungen bis hin zu einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko resultieren vorwiegend aus dem modernen Lebensstil, bei dem körperliche Betätigung weitgehend ausgeschlossen ist.

Klar, dass deshalb schon seit geraumer Zeit sowohl Orthopäden als auch Chiropraktiker Hochkonjunktur haben. In den vergangenen Jahren verursachen daher die Behandlungen von Rückenproblemen und deren Folgeerkrankungen (die nicht selten in Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung münden) nicht nur zunehmend Kosten für die Arbeitgeber, sie machen inzwischen auch den größten Kostenanteil bei Krankenkassen und Rentenversicherungen aus. Prävention statt teure medizinische Behandlung ist angesagt, will man lange Krankheitszeiten oder gar Arbeitsunfähigkeit verhindern, so jetzt die Quintessenz der Vorstellung des Projektes »Betriebliches Gesundheitsmanagement« vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Siegerland (AMZ) und dem Siegener »Fitness-Tempel T1« in Siegen im Haus der Siegerländer Wirtschaft.

Gleich zu Beginn lieferte Dr. Manfred Linnert, der Leitende Arzt (Facharzt für Chirurgie und Arbeitsmedizin und Medizinischer Betriebswirt) des inzwischen schon über 25-jährigen AMZ Zahlen, die aufhorchen lassen: Nach »Markt und Wirtschaft« der IHK Köln vom Oktober 1997 müssen deutsche Unternehmen jährlich für Lohn- und Gehaltsfortzahlungen bei Krankheit bis zu 35 Mrd. e aufbringen. Laut der dortigen Untersuchung fallen täglich rund 1,5 Millionen Arbeitnehmer wegen Krankheit aus, das entspricht einer durchschnittlichen Ausfallzeit von drei Wochen pro Mitarbeiter im Jahr.

Diese Fakten hätten das AMZ und seine regionalen Kooperationspartner ermutigt, ein Konzept der betrieblichen Gesundheitsförderung zu entwickeln, erklärte Linnert. Clou des Projekts, das am 1. Januar 2002 startete: Zum ersten Mal wurden ein präventives Ausdauer- und Gesundheitstraining für den Arbeitnehmer mit der Situation, d.h. der Belastung am Arbeitsplatz, verknüpft. Trainingspläne wurden nicht nur individuell erstellt, sondern berücksichtigten ganz konkret die verschiedenen Tätigkeitsmerkmale und Bewegungsabläufe am Arbeitsplatz. D.h., dass AMZ- und T1-Mitarbeiter noch vor der Erstellung eines individuellen Trainingsplans zunächst einmal die Arbeitsplätze der ausgewählten Probanden begutachteten. Denn beispielsweise kann schon allein ein falsch platzierter PC auf Dauer gehörige körperliche Schäden hervorrufen.

Dauerhaft falsches Heben sei vor allem für die Arbeitnehmer in der Produktion einer der größten Risikofaktoren. Erst danach ging es im Rahmen von zwei Dissertationen an das Testen von Lungen- und Herzfunktion, Befragen, Vermessen und Wiegen der einzelnen Testpersonen unter sportwissenschaftlicher sowie arbeitsmedizinischer Begleitung. Weitere wissenschaftliche Begleitung erfährt das Projekt durch Prof. Dr. Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln sowie Prof. Drexler von der Universität Erlangen, Fachbereich Arbeitsmedizin.

Für die einzelnen Testpersonen ergaben sich daraus die unterschiedlichsten Trainingsempfehlungen wie Geräte- und Herz-Kreislauf-Training, Wirbelsäulengymnastik, Muskulaturaufbau etc. Die nach entsprechenden therapeutischen Maßnahmen inzwischen vorliegenden ersten Ergebnisse können sich sehen lassen. Neben der Reduzierung von konkreten Rückenproblemen und der Verbesserung der Kraft der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur wurden vor allem Verbesserungen im Herz-Kreislauf-Bereich wie Senkung des Blutdrucks und verbesserte Pulsentwicklung gemessen. Subjektiv glauben viele der Probanden, dass sich mit Trainingsbeginn nicht nur ihr Allgemeinbefinden verbessert habe. Viele, so versicherte die Gesprächsrunde, registrieren seitdem vor allem eine Steigerung der allgemeinen Leistungsfähigkeit, Reduktion von Schmerzmitteln sowie eine verbesserte Bewältigung von Alltagsbelastungen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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