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Mordprozess gegen 20-Jährigen wirft Fragen auf
Getöteter ein zufälliges Opfer?

Es gibt noch einiges zu beleuchten vor dem Siegener Landgericht: Der Beschuldigte und seine Familie machen von ihrem Recht Gebrauch, zur Sache zu schweigen.
  • Es gibt noch einiges zu beleuchten vor dem Siegener Landgericht: Der Beschuldigte und seine Familie machen von ihrem Recht Gebrauch, zur Sache zu schweigen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

js Siegen/Vormwald. Der Beschuldigte schweigt. Mutter, Vater und Schwester des 20-jährigen Max M. machen ebenfalls von ihrem Recht Gebrauch, keine Aussage zu machen. „Ich hätte eigentlich so viel zu sagen“, beteuert die Mutter. Sie wolle aber nicht den Zeitrahmen sprengen. Nein, anders als zunächst gedacht, möchten die Eltern den Prozess nun doch nicht persönlich verfolgen – jene Hauptverhandlung vor dem Landgericht Siegen, in der die Umstände beleuchtet werden sollen, unter denen der 74-jährige Josef S. im Sommer in seinem Haus an der Vormwalder Straße (B 508) auf äußerst brutale Weise getötet wurde. „Ich kann das nicht, mir geht es so schlecht“, winkt die Mutter ab und blickt zum Abschied in Richtung Anklagebank. „Ich liebe diesen Jungen über alles.

js Siegen/Vormwald. Der Beschuldigte schweigt. Mutter, Vater und Schwester des 20-jährigen Max M. machen ebenfalls von ihrem Recht Gebrauch, keine Aussage zu machen. „Ich hätte eigentlich so viel zu sagen“, beteuert die Mutter. Sie wolle aber nicht den Zeitrahmen sprengen. Nein, anders als zunächst gedacht, möchten die Eltern den Prozess nun doch nicht persönlich verfolgen – jene Hauptverhandlung vor dem Landgericht Siegen, in der die Umstände beleuchtet werden sollen, unter denen der 74-jährige Josef S. im Sommer in seinem Haus an der Vormwalder Straße (B 508) auf äußerst brutale Weise getötet wurde. „Ich kann das nicht, mir geht es so schlecht“, winkt die Mutter ab und blickt zum Abschied in Richtung Anklagebank. „Ich liebe diesen Jungen über alles.“

Das große Puzzlespiel der Beweisaufnahme

Die 2. große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Sabine Metz-Horst, die hier als Jugendkammer tagt, muss also einsteigen in das große Puzzlespiel der Beweisaufnahme, das anfängt mit einer Fotoschau vom Tatort. Zu sehen ist das Haus des Getöteten, verdeckt gelegen und voll mit umherliegenden Gegenständen. Überwachungsvideos aus der Sparkasse in Hilchenbach zeigen M., wie er am Nachmittag nach der Tat einen blutverschmierten Überweisungsträger abgeben will, um über das Konto des Opfers zwei E-Bikes zu bezahlen. Hierbei fällt er der Bankangestellten auf, die die Polizei verständigt.

„Ich hab ’nen Mörder bei mir wohnen“

Fragmentarisch setzt sich das Bild von Täter und Tat durch die ersten Zeugenaussagen zusammen, viele Fragen bleiben dabei noch offen. Da ist die Aussage des 18-Jährigen, mit dem der Beschuldigte im vergangenen Sommer über ein paar Monate gemeinsam in der Hilchenbacher Wohnung des 37-jährigen Dennis H. lebte. Selbst aus einer U-Haft-Zelle in Wuppertal nach Siegen gebracht, berichtet der junge Mann vom gemeinsamen Drogenkonsum in besagter WG. Crack, Ecstasy, Gras, auch „härtere Sachen“ seien im Spiel gewesen. Max M. habe jeden Tag Drogen genommen, so der Zeuge. Als „ruhig“ und „recht nett“ beschreibt er ihn. „Man konnte sich mit ihm unterhalten und auch Spaß haben.“
Überrascht sei er gewesen, als er mitten in der Nacht vom 37-jährigen Arbeitslosen, bei dem die jungen Männer gelebt haben, angerufen worden sei. „Ich hab ’nen Mörder bei mir wohnen“, habe dieser aufgeregt berichtet – und seine Angst geäußert, dass M. auch ihm etwas antun könne. Viel nachgefragt habe er nicht, sagt der Zeuge. „Ich wollte mich aus der Sache raushalten.“ Dennis H. selbst macht keine Angaben. Er steht noch unter dem Verdacht der Mittäterschaft und wird sich in abgetrenntem Verfahren stellen müssen.

Opfer und Täter hatten gemeinsame Bekannte

War der Senior ein zufälliges Opfer der Gewalt? Das ist eine der Fragen, die der Prozess beantworten muss – und die am zweiten Verhandlungstag unausgesprochen im Saal stehen. Zumindest gemeinsame Bekannte hatten Max M. und Josef S. Einer davon ist der Onkel des ehemaligen Mitbewohners. Der 61-jährige Arbeitslose sagt aus, er habe mit dem 74-jährigen Witwer mehrfach Kaffee getrunken in einer Supermarktbäckerei. „Schwer in Ordnung“ und hilfsbereit sei der gewesen, er habe ihn hin und wieder mit seinem auffallenden goldenen Subaru irgendwohin gefahren. Zwei Tage nach der Tat habe sich herumgesprochen, dass M. den Senior „auf bestialische Weise umgelegt“ habe. Auch dieser Zeuge hakte seinerzeit offenbar nicht sonderlich nach. „Ich halte mich aus allem raus, habe selbst genug hinter mir.“ Von der Drogenplantage im Nachbarhaus – eine solche wurde kurz nach der Tat entdeckt (SZ berichtete) – habe er nichts mitbekommen.

Auch Okkultismus dürfte eine Rolle spielen

Auch Zeuge Nummer 3 hält sich offenbar am liebsten raus. Er kennt den Beschuldigten über Dennis H. „Ein bisschen bekloppt“ sei der, wenn er „dicht“ gewesen sei, habe er viel sinnloses Zeug geredet. Am Abend vor der Tat habe er beim gemeinsamen Gassigehen mit Dennis H. und Hund Max M. getroffen. Da sei dieser betrunken gewesen, habe in der Tankstelle Schnaps und Bier gekauft, so der 42-Jährige. Dennis H. habe ihm gegenüber nach der Tat die Sorge geäußert, nun selbst „mit dran zu sein“ – wegen der Plantage.
Offene Fragen gibt es noch sehr viele in diesem Prozess. Auch Okkultismus dürfte eine Rolle spielen, deutet sich an. Weitere Antworten soll es am 4. März geben.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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