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Ökonomie trifft Ökologie
Gewerbegebiet Martinshardt II als klimafreundliches Vorzeigeprojekt

Oberhalb des Gewerbegebiets Martinshardt I sollen 25 bis 30 Betriebe eine neue Heimat finden. Mit der Martinshardt II soll ein ökologisch vorbildlicher Gewerbepark entstehen. Die steile Lage ist dabei eine bauliche Herausforderung.
  • Oberhalb des Gewerbegebiets Martinshardt I sollen 25 bis 30 Betriebe eine neue Heimat finden. Mit der Martinshardt II soll ein ökologisch vorbildlicher Gewerbepark entstehen. Die steile Lage ist dabei eine bauliche Herausforderung.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ihm Siegen. Es geht weiter im Leimbachtal. Oberhalb des vorhandenen Gewerbegebiets Martinshardt I, in Weiterführung der Straße, die derzeit am „Summit“ mit einem Wendehammer endet, soll das Gewerbegebiet Martinshardt II entstehen. Wenn alles gut läuft, können die ersten Bagger in einem Jahr anrollen. Der neue Gewerbepark ist so groß wie Martinshardt I und das links der Leimbachstraße gelegene Gebiet Leimbachtal zusammen: 16,3 Hektar Nettofläche für Betriebe. Das entspricht 23 Fußballfeldern.
Bei Martinshardt II wird das Augenmerk auf die Ökologie gelegt
25 bis 30 Firmen könnten sich demnächst in bester Autobahnnähe im Leimbachtal ein neues Domizil bauen. Nachfragen seien bereits eingegangen, berichtete Siegens Bürgermeister Steffen Mues jetzt.

ihm Siegen. Es geht weiter im Leimbachtal. Oberhalb des vorhandenen Gewerbegebiets Martinshardt I, in Weiterführung der Straße, die derzeit am „Summit“ mit einem Wendehammer endet, soll das Gewerbegebiet Martinshardt II entstehen. Wenn alles gut läuft, können die ersten Bagger in einem Jahr anrollen. Der neue Gewerbepark ist so groß wie Martinshardt I und das links der Leimbachstraße gelegene Gebiet Leimbachtal zusammen: 16,3 Hektar Nettofläche für Betriebe. Das entspricht 23 Fußballfeldern.

Bei Martinshardt II wird das Augenmerk auf die Ökologie gelegt

25 bis 30 Firmen könnten sich demnächst in bester Autobahnnähe im Leimbachtal ein neues Domizil bauen. Nachfragen seien bereits eingegangen, berichtete Siegens Bürgermeister Steffen Mues jetzt. Die Erfahrung im Leimbachtal habe gezeigt, dass Unternehmen mit großem Flächenbedarf (mehrere Hektar) und auch Firmen, die nur 1000 Quadratmeter bräuchten, zu den Interessenten gehörten. Wie die Grundstücke am Ende zugeschnitten werden, wird sich zeigen.
Die ökologische Komponente aber soll bei Martinshardt II viel mehr Gewicht bekommen als bei bisherigen Erschließungen. Die Stadt will folgende Festsetzungen treffen:

  • Dach- und Fassadenbegrünung: Mindestens die Hälfte der Dachflächen mit einer maximalen Neigung von 15 Grad sollen begrünt werden. Mindestens 30 Prozent von mehr als 20 Meter langen Fassaden sind zu begrünen.
  • Solarkollektoren bzw. Photovoltaikanlagen: Mindestens 50 Prozent der Dachflächen größerer Gebäude müssen mit thermischen Solaranlagen oder Photovoltaikanlagen belegt werden.
  • Parkhaus: Die Betriebe dürfen nur noch sehr wenige Parkplätze auf dem eigenen Grundstück anlegen, stattdessen soll ein Parkhaus mit 300 bis 500 Stellplätzen gebaut werden, das die Kommunale Entwicklungsgesellschaft (KEG) betreibt. In diesem Parkhaus müssen die Unternehmen Stellplätze erwerben.
  • Energieversorgung: Im Gespräch ist ein „kaltes Nahwärmenetz“, das die Gebäude zentral mit Wärme – und bei Bedarf auch mit Kälte – versorgt. Geothermie und ein Blockheizkraftwerk sind Varianten, die mit den Siegener Versorgungsbetrieben verhandelt werden sollen. Fossile Energieträger sind nicht zugelassen.
  • Verkehr: Gehwege und Radschutzstreifen sollen das neue Gewerbegebiet durchqueren, Ladestationen für E-Autos und E-Bikes sind geplant. Ein „On-demand-Shuttle-Projekt“ soll die Mobilität sichern, eventuell sogar in Verbindung mit autonomem Fahren. Ein gewerbegebietsbezogenes Mobilitätsportal für Mitfahrgelegenheiten („Ridesharing“) ist angedacht, auf dem Parkhausdach könnte sogar ein Landeport für ein Flugtaxi („Lilium-Projekt 2025“) entstehen.
  • Grünflächen: Hunderte von Bäumen sollen zwischen den künftigen Betrieben wachsen. Schotter- und Steingärten dagegen darf es nicht geben.

120 Euro für den Quadratmeter - ein stolzer Preis

Steffen Mues glaubt nicht, dass sich Unternehmer von den doch recht restriktiven Regelungen abschrecken lassen. Vielmehr liege vielen gerade an einem ökologischen Profil: „Die freuen sich, wenn sie in einer umweltfreundlichen Umgebung sind.“
Dafür müssen sie allerdings auch recht tief in die Tasche greifen. Den Quadratmeterpreis schätzt die Stadt auf 120 Euro. Hohe Kosten entstehen nicht nur durch die ökologische Ausrichtung, sondern auch durch die Topografie. Die Hanglage erfordert eine Terrassierung. Damit nicht zu viel Fläche durch Böschungen verloren geht, setzt man auf das Konzept „bewehrte Erde“. Dadurch gewinnt die Martinshardt fast 4 Hektar Nutzfläche, aber das kostet 5,4 Millionen Euro zusätzlich. Stadtbaurat Henrik Schumann: „Das ist echte Ingenieurskunst, aber die Wucht der Böschungen wird von der Leimbachstraße aus praktisch nicht zu sehen sein.“

Stadt Siegen denkt über Gewerbegebietsmanager nach

Nach welchen Kriterien werden die wertvollen Flächen nun vergeben? Mues: „Wir haben ja schon bei Martinshardt I und Leimbachtal für die Auswahl eine Matrix gehabt. Das hat sich bewährt.“ Kriterien sind die Zahl der Arbeitsplätze, die die jeweilige Firma bietet, die Langfristigkeit der Perspektive, aber auch die Höhe der erwarteten Gewerbesteuer. Mues: „Die Arbeitsplätze sind aber ein ganz maßgebliches Kriterium, wenn es um die Vergabe der Flächen geht.“
Damit alles klappt, denkt die Stadt darüber nach, einen Gewerbegebietsmanager einzustellen. Voraussetzung dafür und für alle anderen Pläne ist allerdings, dass die politischen Gremien der Stadt grünes Licht geben. Die Beratungen werden am Dienstag, 9. März, beginnen.

Lärmschutz für das Krankenhaus Schwerindustrie hat im künftigen Gewerbegebiet Martinshardt II keinen Platz. Das liegt an der Beschränkung durch den Lärmschutz. Ursprünglich hatte die Stadt gehofft, wenigstens Teile des Gebiets für lärmintensivere Nutzungen ausweisen zu können, aber aufgrund der Lärmschutzgutachten hat sich das zerschlagen. Stadtplanerin Marlene Krippendorf verwies vor allem auf das Jung-Stilling-Krankenhaus, das von den Emissionen tangiert werde. Deshalb dürfen die Lärmwerte tagsüber maximal 50 bis 56 dB(A) betragen, nachts nur 39 bis 44 dB(A). Durch die Festsetzung von Richtungssektoren und die Vergabe von Zusatzkontingenten können sich die Lärmwerte noch etwas erhöhen. Eine große Einschränkung erwartet die Stadt durch die Emissionsschutzvorgaben nicht, denn es habe ohnehin seit Jahren keine Ansiedlungsanfragen aus der Schwerindustrie an die Stadt gegeben.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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