Gezielte Förderung bringt Nutzen

Prof. Dr. Achim Trube untersuchte, ob aus AB-Maßnahmen neue Arbeitsplätze entstanden

kk Siegen. In Deutschland fehlen Arbeitsplätze. Und das nicht zu knapp. Auf rund 6,7 Millionen wird die Anzahl der fehlenden Stellen geschätzt. Ein Fakt, der auch die Wissenschaftler beschäftigt. Zu denjenigen, die Auswege aus der Arbeitsmarkt-Bredouille suchen, gehört Prof. Dr. Achim Trube, an der Uni Siegen und speziell am Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE) seit etwa sieben Jahren zuständig für den Bereich Sozialpolitik und Sozialverwaltung. Getreu dem Motto, dass aus einem mager bestückten Topf nicht viel verteilt werden kann, suchte der Hochschullehrer gemeinsam mit dem Dipl.-Sozialpädagogen Carsten Weiß und anderen Mitarbeitern nach »intelligenten Maßnahmen, um das Problem anzugehen«.

Ihr Blick fiel dabei auf die alt bekannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Die sind in der Gunst der Bundesanstalt für Arbeit gesunken. Die Anzahl der Maßnahmen befindet sich auf dem absteigenden Ast. Grund dafür ist die offenbar nicht zufrieden stellende Eingliederung von Teilnehmern in reale Arbeitsverhältnisse. Von der Vermutung getragen, dass beileibe nicht nur die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt als Erfolgsindikator zählen könne, machten sich die Wissenschaftler in den Arbeitsamtsbezirken Siegen, Essen, Bochum und Erfurt auf die teils mühsame Suche. Sie wollten wissen, ob aus AB-Maßnahmen neue Arbeitsplätze hervorgehen können und unter welchen Bedingungen das geschieht. Als Erhebungsjahr wurde 1995 gewählt. Trube: »Entwicklungen brauchen Zeit.«

660 Maßnahmen mit 3504 Plätzen und 112 Trägern wurden zwischen 2001 und 2003 unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse liegen druckfrisch vor. Sie lassen die öffentlich geförderte Beschäftigung nach Ansicht der Experten in einem anderen, differenzierten Licht erscheinen. Trube: »Eine Pauschaldiskussion über ABM zu führen, ist einfach viel zu kurzfristig gedacht.« Eine intensive Betrachtung erfolgreich verlaufender Maßnahmen führte bei Trube und Co. zu der Überzeugung, dass eine gezielte Förderpolitik mit zukunftsorientierten Angeboten, die in kleinen Maßnahmen vermittelt werden, durchaus eine Investition in die Zukunft ist.

Und so kamen die Vertreter der Siegener Hochschule, die bei ihrer Untersuchung mit dem Titel »ABM real« sowohl von der eigenen Universität als auch vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit finanziell unterstützt wurden, zu ihren Resultaten in Sachen »arbeitsplatzgenerierende Effekte durch öffentlich geförderte Beschäftigung«. Zuerst wurde untersucht, ob aus ABM direkt Arbeitsplätze entstanden. Das Ergebnis: Die Erfolgsquote lag bei durchschnittlich 7,6 Prozent, im Kreis Siegen-Wittgenstein gar bei 12,6 Prozent. Insgesamt entstanden durch direkte arbeitsplatzgenerierende Effekte 160 Vollzeitstellen.

Alsdann wurden die Maßnahmen auf das indirekte Entstehen von Arbeitsplätzen durch die Schaffung neuer Beschäftigungsstrukturen hin abgeklopft. So seien beispielsweise die Schuldnerberatungen durch AB-Maßnahmen begründet worden. Auch alternativen Schulangeboten, die eine Vielzahl neuer Stellen nach sich zogen, sei nicht selten durch AB-Stelleninhaber der Weg geebnet worden. Last not least wurde die Tourismuszentrale-Ruhrgebiet durch AB-Stellen ins Leben gerufen. Trube: »AB-Maßnahmen boten vielen Trägern die Möglichkeit Dinge auszuprobieren.« Etliches davon hatte Bestand. So wurden in insgesamt 27 Maßnahmen »indirekte Effekte« festgestellt. 83 Personen nahmen an diesen Maßnahmen teil; 149,5 neue Arbeitsplätze entstanden. Ein anderes Kriterium waren so genannte gegenstandsfeldbezogene Wirkungen von ABM. Die Frage war, ob neue Beschäftigungsbereiche entstanden. Als Beispiel gilt die durch ABM restaurierte Essener Grube Helene, in die alsdann ein Gründerzentrum Einzug hielt. Die Forscher stießen auf 43 Maßnahmen mit solchen Effekten. 38 Leute nahmen teil (manche mehrfach); 79,7 Arbeitsplätze entstanden. Die verhaltene Anzahl derart erfolgreicher Angebote erklären die Wissenschaftler vor allem durch die extrem hohe Anzahl der Maßnahmen mit zumeist vielen Teilnehmern in Erfurt. Carsten Weiß: »Bei über 20 Prozent Arbeitslosigkeit war es immens wichtig, einfach eine Entlastung zu haben.« Übrigens: Besonders profitieren konnten von solchen Maßnahmen und Effekten gut ausgebildete Arbeitslose mit hohem Engagement.

Das Fazit der Siegener: »Wenn man solche Effekte gezielt nutzen will, muss man andere Förderstrategien anwenden.« Und eben zu deren Erarbeitung hat das Team rund um Prof. Trube nach eigener Einschätzung erheblich beigetragen. Vielleicht aber müsse das Kind unter neuem Namen unbelastet nochmals aus der Taufe gehoben werden, so ihre Anregung.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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