Giftgebräu gärte im Gericht

Berufung wegen Trunkenheitsfahrt: Ortstermin anberaumt

Siegen. Die Angeklagte schluchzte, der Staatsanwalt fauchte, und der Zeuge giftete zurück. Im Gerichtssaal brodelte es in mehreren Töpfen. Über den einen beugte sich die 45-jährige Angeklagte. Sie war angeklagt worden, mit 1,16 Promille im Blut gefahren zu sein. Davon hatte eine Amtsrichterin sie freigesprochen. Im zweiten Topf aber rührte die Staatsanwaltschaft. Die nämlich hatte gegen den Freispruch Berufung eingelegt. Im dritten Topf gärte ein giftiges Gebräu aus Verletzungen, Scheidung und Sorgerechtsstreit.

An jenem Tag, so die Angeklagte, sei sie mit ihrem Freund zu dessen „Ex” gefahren, um eine Absprache wegen deren gemeinsamen Kindes zu treffen. Nach einem vergeblichen Klingelversuch sei ihr Wagen nicht angesprungen, eine Freundin habe sie gefahren. Ihr - führerscheinloser - Lebensgefährte habe einen Arbeitskollegen angerufen, um mit diesem Abends nach dem Auto zu sehen. In der Zwischenzeit habe man die gemeinsame Wohnung renoviert und etwas „gepichelt”. Abends seien sie von der Freundin wieder zum defekten Wagen gefahren worden.

Dort sei es zu einer Auseinandersetzung mit der „Ex” gekommen, in deren Verlauf die Polizei auftauchte. Sie sei gefragt worden, ob sie getrunken habe. Sie habe das bejaht, und dann „haben die mich abgeführt wie einen Schwerverbrecher”. Das war die eine Version. Die andere Fassung, von der Angeklagten und deren Freund als „Rache” bezeichnet, steuerten die „Ex” und ihr Mann bei. Sie hätten gesehen, wie die Angeklagte am Steuer ihres Wagens in der Nähe des Hauses geparkt habe und ausgestiegen sei. Während der Auseinandersetzung um das Besuchsrecht seien Beleidigungen und Scherben geflogen, so dass die Polizei eingreifen musste. Deren Lesart: Die Beamten seien erst zu zweit, dann mit Verstärkung an den Einsatzort gekommen, hätten die Stimmung deeskaliert und eigentlich eine Anzeige gegen die 45-Jährige aufnehmen wollen. Als diese im Auto nach Papieren gesucht habe, sei die „Fahne” zu riechen und nach positivem Alcotest eine Blutprobe fällig gewesen.

Das Problem hieß nun: War nun die Angeklagte „beschickert” gefahren oder nicht? Nein, weil das Auto schon nachmittags kaputt war, sagte sie. Sehr wohl, weil der defekte Wagen nicht bewiesen und ihre Aussage „lebensfremd” sei, meinte Oberstaatsanwalt Hubert Obst. Und „Ihre Geschichte stinkt zum Himmel”, schnaubte er den Freund der 45-Jährigen an.

Klarer wurde die „Kloßbrühe” vor Richter Friedhelm Glaremin auch nicht durch die Aussage des Arbeitskollegen. Zunächst wusste der nur wenig, nach einer Pause und Gespräch mit dem Freund der Angeklagten erinnerte er sich genauer, widersprach sich aber in seinen Angaben: Anfangs wollte er abends noch gar nicht gewusst haben, dass der Wagen nicht mehr fahrtüchtig war. Als sein Kollege ihn angerufen habe, sei es darum gegangen, die 45-Jährige von der Wache zu holen. Seine Frau habe ihn gefahren. In der zweiten Aussage dann hatte er schon nachmittags wegen des Wagens Kontakt mit seinem Kollegen.

Schließlich kam das Gericht mehreren Beweisanträgen beider Seiten nach: Zum einen soll die Örtlichkeit in Augenschein genommen werden, um zu entscheiden, ob man den möglicherweise abgestellten Wagen vom Haus der „Ex” aus sehen konnte. Zum anderen soll die Frau des Arbeitskollegen gehört werden. Auch dem Hilfsbeweisantrag des Staatsanwalts, das Kind zu vernehmen, das seinen Vater nachmittags schon gesehen hatte, soll gehört werden. Es köchelt also weiter.

pebe

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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