Giftige Reaktion auf die »Giftliste«

Siegens Kulturausschuss sprach sich gegen die Stimmen der SPD gegen Streichungen aus

aww Siegen. Giftig reagierten sie auf die »Giftliste«, die Damen und Herren des Siegener Kulturausschusses. Und zwar durch die Bank – mit Ausnahme der SPD. Bei den Beratungen des Gremiums zum Haushaltsplan 2003 hatten die Sozialdemokraten in Bezug auf die Streichliste als einzige Fraktion nichts zu monieren. Die Verwaltung verspricht sich von den Streichungen eine Einsparung von knapp 280000 u im Bereich der so genannten freiwilligen Leistungen (die SZ berichtete). Steffen Mues (CDU) mochte dies nicht befürworten, gingen die Streichungen doch, wie er meint, zu sehr zu Lasten der Vereine. Dem stimmte Friedrich Stöcker (FDP), ebenfalls unter Hinweis auf den wichtigen Faktor des ehrenamtlichen Engagements in den Vereinen, zu: »Jeder Euro, den wir einem Verein geben, kommt drei-, vierfach wieder an uns zurück.«

Ingrid Tielsch (UWG) schloss sich an: In Sachen Ehrenamt würde »ganz viel ... zerstört, wenn wir diese Liste durchgehen lassen«. Ihr Antrag: Dafür zu stimmen, die Haushaltsansätze wieder zu erhöhen. Der dem entsprechende Beschlussvorschlag wurde vom Kulturausschuss mit den Gegenstimmen der SPD befürwortet. Traute Fries (SPD) hinsichtlich der seinerzeitigen prompten Ablehnung der Streichliste durch die CDU schon kurz nach deren Bekanntgabe: »Wir finden nicht gut, dass die Liste von vornherein abgelehnt wird.« Immerhin, gab Fries zu bedenken, bestehe bei zu wenig Sparwillen die Gefahr, dass der Haushalt nicht genehmigt werde. Fries: »Wir müssen zusehen, dass wir mit dem, was wir haben, ein attraktives Programm hinkriegen.«

Skeptisch zeigte sich die Sozialdemokratin auch hinsichtlich eines zuvor von Kulturdezernent Dr. Werner Rohr gehaltenen Vortrags, der die Erhöhung der Mittel für Stadtbücherei und Siegerlandmuseum als unumgänglich zur Erhaltung bzw. Steigerung der Angebotsqualität darstellte. Fries: »Ich glaube, es ist eine Illusion, zu denken, wir hätten in den nächsten Jahren so viel Luft, mehr Geld veranschlagen zu können.«

Rohr hatte anhand dreier Beispiel-Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre die Plausibilität seiner Schlussfolgerungen darzustellen versucht. Das »reichste Institut« (Rohr), Theater Siegen, habe seit der Spielzeit 1998/99 rund 200000 DM pro Jahr mehr ausgegeben bzw. zur Verfügung als in den Jahren zuvor. Rohr zeigte die parallelen Entwicklungen auf: Mit dem Geld kamen mehr und bessere Veranstaltungen ––und es kamen mehr Zuschauer. »Geld = Erfolg« könnte das Fazit des Kulturdezernenten auf eine kurze Formel gebracht werden.

Das Gegenteil legte er bezüglich des Siegerlandmuseums dar: Beim Museum habe es in den vergangenen zehn Jahren keine Etatsteigerung gegeben, die Besucherzahl habe sich von ca. 34000 (1993) auf ca. 22000 (2001) reduziert. Hinsichtlich dieses Sparkurses sagte Rohr: »Wir werden das bezahlen. Ich rechne mit 1000 bis 1500 Besuchern weniger in diesem Jahr.«

Rohrs drittes Beispiel: eine ähnliche Entwicklung in der Stadtbücherei. Die hatte 1993 noch 200000 DM zur Verfügung, 2003 sind es nur noch 68000 Euro. Die Zahl der Nutzer reduzierte sich von 65000 (1993) auf 50300 (2002). »Hier droht uns eine Katastrophe«, orakelte Rohr. »Man kann nicht die dauernde Verschlechterung der Ressourcen kompensieren.« Die Theater-Siegen-Eigenproduktion »Busch-Brüder« habe 76000 Euro gekostet – 3000 Zuschauer hätten sie gesehen. »Das ist nicht ökonomisch«, sagte Rohr und stellte die Frage in den Raum, warum es nicht einmal so viel Geld für eine Ausstellung zur Siegerländer Geschichte im Oberen Schloss gebe. Dazu könnten nach Rohrs Einschätzung 10000 Besucher kommen.

»Ich wusste nicht, dass ihre Abneigung gegen Theater Siegen so groß ist«, sagte Ingrid Tielsch an Rohr gerichtet. Man könne nicht alles einfach in Geldbeträgen ausdrücken. Immerhin, so Raimund Klauser von den Grünen, sei anhand der Ausführungen Rohrs deutlich geworden: »Um Leistung zu erbringen, müssen die Institute eine ordentliche materielle Grundlage haben.« CDU-Mann Mues wollte die Ausführungen Rohrs überdacht wissen: »Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Kann ich durch höhere Ausgaben eine Attraktivierung erreichen, damit mehr Besucher kommen und der Zuschussbedarf sinkt?«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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