Giganten mit der Säge zu Rinde gerückt

Außergewöhnlicher Einsatz im Siegener Stadtgebiet – Pilz fordert weitere Opfer

Siegen. „Drei solche Giganten in einer Woche, das haben wir noch nie gehabt”, resümiert Bertram Nöll, der mit seinem Bruder Michael im Kreis Siegen-Wittgenstein Baumbeschneidungen und Fällungen durchführt. Ein außergewöhnlicher Einsatz: Drei Naturdenkmale mussten in Siegen binnen dreier Tage weichen, drei Ulmen, davon eine 130 Jahre alt, allesamt mindestens 30 Meter hoch und am Fuß über einen Meter dick, wurden in diesen Tagen abgesägt. Sie waren wie viele andere Leidensgenossen in den letzten 30 Jahren Opfer der tückischen Ulmenkrankheit geworden. Wer hier ans Waldsterben denkt, liegt falsch. Ursache ist ein Pilz, der über eine Raupe übertragen wird. Von den Knospen aus durchwandert der Pilz die Rinde des gesamten Baumes und lässt ihn verdursten. Wie Bertram Nöll erklärte, wurde die Krankheit aus den USA eingeschleppt, verbreitete sich von Holland aus über ganz Europa und führte in den 60er Jahren zum großen Ulmensterben. Das Holz wird in der Tischlerei eigentlich sehr geschätzt, es gibt davon helle Arten bis ganz Dunkelbraun, wie z.B. die Siegener Bäume. Aber in Siegen und Umgebung fand kein einziger Schreiner Interesse an diesem Holz. Ulme („Rüster”) ist zurzeit nicht „in”. Sollte das Holz komplett vernichtet werden? Dieser Gedanke bereitete einem Hobbyschreiner aus Siegen schlaflose Nächte. Sollte er jemanden finden, der ihm die Stämme in Bretter schneidet, dann sollte es geschehen. Denn Sägewerksbetreiber sind sehr zurückhaltend, wenn es ums Zerlegen freistehender Bäume geht: gerade die älteren Jahrgänge bergen in ihrem Inneren mitunter allerlei „Schätze”, die den Sägewerkzeugen feindlich gegenüber stehen: jede Menge Weidezäune und Nägel, aber auch Schrapnellgeschosse und Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg, wie Manfred Stangier aus Wilden zu berichten weiß. Er unterhält ein mobiles Sägewerk und erklärte sich dann auch bereit, die Ulmenstämme in Bohlen zu zerlegen, aber mit einer Auflage: sooft wie’s während des Sägens kracht, kostet es 20 DM Aufschlag – machen wir!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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