Gleichwertige Partner

ars Siegen. Auch dem Kenner werden zur Trio-Gattung Klarinette, Violoncello und Klavier nur die entsprechenden Werke von Beethoven, Ries und Brahms einfallen, die aber in den Konzerten selten auftauchen, weil es kaum Kammermusikensembles in dieser Zusammenstellung gibt. Das Gaillard Trio aus Karlsruhe, drei junge, sympathische und national wie international erfolgreiche und mit renommierten Preisen versehene Musiker, brachte in den Ratssaal der Stadt Siegen neben den beiden klassischen Werken für diese Zusammensetzung von Beethoven und Brahms auch zwei unbekanntere mit.

Hermann Zilchers „Trio in Form von Variationen“ a-Moll op.90, offerierte auf ein schwärmerisch-düsteres Grundthema bei weitschweifenden Harmonien, die sich oft zum Tonfall einer noblen Elegie verdichteten, musikalischen Jugendstil. Die sehr unterschiedlichen Klangfarben der drei Instrumente kontrastierten und ergänzten einander – ein Grundzug auch der anderen Werke dieses klugen und überzeugenden Programms. Insgesamt dominierte das gleichberechtigte Gespräch dreier gleichwertiger Partner, was nicht nur von den Partituren vorgeben war, sondern auch von den Instrumentalisten eingelöst werden konnte.

Adrian Balboa Valcarce verlieh seinem Klarinettenspiel dynamischen Elan, beließ es nicht bei schönen Kantilenen, sondern setzte auch energisch rhythmische Akzente. Der Cellist Jonas Vischi traf nicht nur den singenden sonoren Paradeton seines Instrumentes, er horchte auf seine Mitspieler, stets um die Balance der Stimmen bemüht. Sarah Hiller wurde ihrem Ruf, eine außergewöhnlich begabte Pianistin ihrer Generation zu sein, vollauf gerecht. Neben technischer Brillanz fielen ihre strukturierenden und ausleuchtenden Fähigkeiten auf, die es ihr ermöglichten, auch einem ganzen Werk und nicht nur seinen Einzelteilen gerecht zu werden.

Beethovens Trio B-Dur op.11 wurde dynamisch und rhythmisch sehr bewegt wiedergegeben. Drei junge Meister ihres Faches erfreuten durch ihr frisches Spiel, das auch dem beseelten Adagio und dem anmutig-liedhaften Allegretto mit seinem pfiffigen Thema und den anschließenden launig-spielerischen Variationen angemessen war.

Die „Moments musicaux III“ von Günter Bialas, fünf musikalische Momentaufnahmen, Charakterstücke, im verhalten avantgardistischen Tonfall, überraschten durch veränderte Klänge der Instrumente: So wurden etwa die Saiten des Flügels wie eine Harfe gezupft, dann wieder veränderten eingesteckte Plektren den gewohnten Klang, was aber durchaus nicht manieristisch und willkürlich, sondern gezielt und angemessen im Ergebnis wirkte. Auch diese schwierigen acht Minuten agierte das Trio souverän und nebenbei als Botschafter für einen behutsam erweiterten Begriff vom „Klassischen“.Bei der Wiedergabe des Trios von Johannes Brahms in a-Moll op. 114, einem ebenso gewichtigen wie klangschönen Spätwerk, stimmte einfach alles, was zu einem besonders gelungenen Konzert gehört: eine aus langem Training resultierende natürlich fließende und lebendig pulsierende Interpretation einer großen und publikumswirksamen Partitur, eine warme, nachdenklich-altersweise große Geste der Humanität, durch ein traumwandlerisch-perfektes kammermusikalisches Zusammenspiel geadelt, von einem dankbaren Publikum beglückt aufgenommen und mit von Herzen kommenden Beifall bedacht.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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