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Katholische Kirche hat Vertrauen verloren
Glocken läuten leiser

Erzbischof Rainer Maria Woelki dürfte sich seit Donnerstag wieder etwas besser fühlen, denn das endlich veröffentlichte Gutachten entlastet den „Oberhirten“ von Köln.
  • Erzbischof Rainer Maria Woelki dürfte sich seit Donnerstag wieder etwas besser fühlen, denn das endlich veröffentlichte Gutachten entlastet den „Oberhirten“ von Köln.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

rege Siegen. Ostern, das höchste Fest der Christen, steht bald bevor. Die Priester werden sich wieder alle Mühe geben, die Auferstehungsfeier zu einem ganz besonderen Gottesdienst zu machen, um der Pandemie die Stirn zu bieten und der Welt zu zeigen, dass nicht nur Jesus lebt, sondern dass auch die katholische Kirche noch lebt. Dieses „Lebenszeichen“ scheint nach den jüngsten Entwicklungen wichtiger denn je. Missbrauchsskandal, Kirchenaustritte, das Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften – die Institution mit Sitz im Vatikan kam in den vergangenen Wochen nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Großen Anteil daran hatte ein Erzbischof namens Woelki.

rege Siegen. Ostern, das höchste Fest der Christen, steht bald bevor. Die Priester werden sich wieder alle Mühe geben, die Auferstehungsfeier zu einem ganz besonderen Gottesdienst zu machen, um der Pandemie die Stirn zu bieten und der Welt zu zeigen, dass nicht nur Jesus lebt, sondern dass auch die katholische Kirche noch lebt. Dieses „Lebenszeichen“ scheint nach den jüngsten Entwicklungen wichtiger denn je. Missbrauchsskandal, Kirchenaustritte, das Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften – die Institution mit Sitz im Vatikan kam in den vergangenen Wochen nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Großen Anteil daran hatte ein Erzbischof namens Woelki. Der dürfte sich seit Donnerstag wieder etwas besser fühlen, denn das endlich veröffentlichte Gutachten entlastet den „Oberhirten“ von Köln.

Bei den heimischen Kirchenvertretern überwiegt die Erleichterung, dass die Katze aus dem Sack ist. „Ich freue mich, dass das Gutachten endlich raus gekommen ist und nun eine gewisse Transparenz entsteht. Fest steht aber auch, dass die Betroffenen viel zu lange auf diesen Schritt warten mussten. Der Umgang mit dem Gutachten hat dazu beigetragen, dass es zu einem großen Vertrauensverlust gekommen ist, und es sind viele Mängel bekannt geworden. Durch den ganzen Prozess ist für die Kirche großer Schaden entstanden und man sieht, welche Schuld sie auf sich geladen hat“, ist der Dechant des Dekanates Südsauerland, Andreas Neuser, froh, dass endlich schwarz auf weiß was auf dem Tisch liegt. Positiv erwähnt der gebürtige Siegerländer, dass Rainer Maria Woelki wie angekündigt direkt personelle Konsequenzen gezogen habe.

Gutachten zu lange zurückgehalten

Auch Ansgar Kaufmann, Mitglied des Pfarrgemeinderats in Welschen Ennest und bis 2018 im Bistum Paderborn neun Jahre lang Vorsitzender des Diözesankomitees, ist froh, dass es jetzt Fakten gibt: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Gutachten so lange zurückgehalten wurde. Es war mehr als unglücklich, dass das so lange gedauert hat. Auch für die Betroffenen, die noch einmal gelitten haben, war das sehr schlecht gemanagt.“

Über den Vertrauensverlust klagt auch der ehemalige Erndtebrücker Bürgermeister Heinz-Josef Linten, der schon einige Funktionen in der katholischen Kirchengemeinde innehatte. „Sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche hat sicherlich viel Vertrauen zerstört, weil man es nicht für möglich gehalten hat“, findet er. „Es wurde wissentlich vertuscht und der Täterschutz vor den Opferschutz gestellt. Das ist schon eine Katastrophe. Es ist gut, dass die Verfehlungen jetzt öffentlich gemacht und Konsequenzen gezogen werden.“

Richtig, dass Opfer zu ihrem Recht kommen

Für Markus Christoph Watrinet, seit 1. März Kooperator des Dekanats Kirchen, wurde es ebenfalls höchste Zeit, dass die Hängepartie endet. „Ich finde es richtig und wichtig, dass die Kirche sich dem Thema stellt und die Opfer zu ihrem Recht kommen. Für die, die zum Opfer geworden sind, gibt es keine Verjährung. Es ist gut, dass das Leid, was denen widerfahren ist, nun an die Öffentlichkeit kommt. Die Betroffenen haben lange genug geschwiegen.“

Karl-Hans Köhle, Dechant des Dekanats Siegen ist „sehr glücklich“ über die Veröffentlichung: „ Ich habe den Eindruck, dass ein gewisser Knoten gelöst ist. Das sehr umfängliche Gutachten zeigt deutlich, dass da ein echter Wille ist, Dinge, die nicht gut gelaufen sind, aufzudecken“, findet Köhle, dass die Schweigespirale nun durchbrochen sei.

Wieder Vertrauen in Institution Kirche

Dennoch sind sich alle Geistlichen und Laien einig, dass es nun eines Kraftsaktes bedarf, um langfristig das Vertrauen der „Herde“ zu ihren „Hirten“ zurückzugewinnen. Für Köhle ist „Glaubwürdigkeit“ ein ganz wichtigs Wort: „Alle Leute, und nicht nur die Opfer, müssen merken, dass es der Kirche wirklich ernst ist, die Dinge aufzuarbeiten und so schlimme Sachen zu verhindern.“ Sein Olper „Kollege“ Andreas Neuser hofft, durch „seelsorgerisches Tun wieder Vertrauen in die Institution Kirche aufbauen zu können, auch wenn die aktuellen Ereignisse erst einmal in den Köpfen und Herzen der Gläubigen sind.“

Ansgar Kaufmann geht davon aus, dass die Kirche das Vertrauen nur in ganz kleinen Schritten und mit Reformen (Stichwort: Synodaler Weg …) zurückgewinnen kann. Vor Ort gebe es aber durchaus noch Vertrauen in die seelsorgerische Arbeit der Priester und Laien. Das sieht auch Markus Christoph Watrinet so, der den Fokus seiner Arbeit wieder auf seine lebendige Gemeinschaft im Glauben sowie die Gottes- und Nächstenliebe richten möchte.

Glaube an Zukunft der katholischen Kirche

Auch Heinz-Josef Linten glaubt an die Zukunft der katholischen Kirche: „Wir brauchen die Kirche, um Gott zu begegnen. Mit der Erfahrung, dass ich meine Sorgen im Leben und im Sterben in der Gebetsgemeinschaft der Kirche ablegen kann, lebt es sich anders, hoffnungsvoller. Deshalb läuten immer wieder (noch) die Glocken von unseren Kirchtürmen für jeden Menschen.“ Auch Ostern werden sie wieder erklingen, um das katholische Kirchenvolk zur Osternacht bzw. Auferstehungsfeier zu rufen…

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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