Gold und Silber bringt Glück

Heidi und Patrik reparieren Hudos Tachowelle.

Heute für die Technokraten unter euch! (Seid ihr das nicht alle ein wenig?) Einige warten bestimmt schon auf die Bilder von „Der Mutter aller Hybridtachos“, die ich versprochen hatte. Ihr müsst euch noch gedulden, denn als Oldtimerfan stehe ich ja doch auch auf Originalität und somit haben wir gestern noch einen letzten (Inschallah!) Versuch unternommen, Hudos Originaltacho, der nach so seltsamen Geräuschen in der Ost-Türkei seinen Dienst eingestellt hatte, wieder zur Mitarbeit zu überreden.

Das eigentliche Problem, das war mir spätestens beim Uhrmacher vorgestern aufgefallen, war die Zusammenarbeit der neuen Tachowelle mit dem Antriebsgetriebe, das nicht mehr richtig passte. Daher hatten wir ja auch versucht, es mit dem Zweittacho zu tauschen, allerdings waren diese so sehr in dem Gehäuse verstummt, dass kein rankommen war, geschweige denn ein Austausch.

Nach nochmaliger Inspektion vorgestern Abend als ich aus einem Fahradtachogeber und dem magnetbestückten Wirbelstrom-Geschwindigkeitsrolltacho einen Hybrid bauen wollte, der dann die Digitalanzeige auf dem alten Tachoglas gehabt hätte, sah ich dann doch noch eine andere Chance! Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, lassen wir doch einfach den Berg (die Tachowelle)kommen…

Diese musste in ihrer Form dem etwas zu großen und nicht mehr ganz eckigen Tachoabtrieb angepasst werden. Feinmechanikermeistersohn wie ich bin, kam mir die Idee mit dem Hartlöten von Metall auf die Tachowelle in den Sinn und der Nachbearbeitung bis zum Kraftschluss.

Und was gibt es in einer Stadt des jahrhundertewährenden Handels wie Buchara? Genau einen Goldbasar mit Gold- und Silberschmiedemeistern, die auch ein feines Händchen für feine Dinge haben. Nach einer kurzen Suche landeten wir im ersten Stock über dem Basar bei Meister Shavkat und seiner Truppe. Nach den üblichen Verständigungshürden, war der Plan klar und feinstes Bucharasilber wurde mit feiner Flamme auf die zu dünne Welle geschmolzen! (Gold fanden wir dann doch zu überkandidelt und mit unedleren Metallen beschäftigen sich die Meister dort nicht ;O) )

Eine Stunde später war die Welle mit zarter, fachkundiger Hand so gefeilt, dass sie perfekt in den Tacho passte und die Getriebedrehungen über die Tachowelle wieder perfekt übertrug. Das nenne ich mal Handwerkskunst! Dabei war wieder mal schön zu beobachten, wie Teamarbeit hier funktioniert: einer werkelt und 3-4 andere geben gute Tipps oder schauen zu…da wird es nie langweilig und jeder hat etwas beigetragen!

Am Ende hat uns der Spaß 20 Dollar gekostet, inklusive des aufgebrachten Silbers! Und sobald Hudo wieder mit eigener Kraft rollt, wird getestet. Ich überlege nur die ganze Zeit, ob ich nochmal versuchen soll, den Tachostand der gefahrenen Strecke anzugleichen….Aber das ist bestimmt illegale Tachomanipulation, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin oder?

Also werden wir einfach einen Aufkleber ans Armaturenbrett machen mit +XXXX Kilometer, die wir dazu zählen!

Gertrud ist gestern Abend überpünktlich in Taschkent gelandet und hat uns auch gleich einen Schrecken eingejagt, als sie anrief und meinte, sie findet unseren Kontaktmann am Flughafen nicht…..Also hektische Dreieckstelefonate, leere Handy-Akkus und einige Herzattacken später waren Timur und Gertrud zusammengebracht und eine weitere Teilirrfahrt verhindert.

Unsere wertvolle Fracht wird jetzt zusammen mit Heidis Pass und ihrem Visa persönlich von Timur im Zug hierher gebracht, da das letzte Taxi Richtung Buchara schon um 22 Uhr abgefahren war.

Er wird vor allem von Heidi hier sehnsüchtig gegen 16 Uhr erwartet und dann mache ich mich ans Werk!

Und dann schauen wir mal!

Patrik out

Nachtrag: Hier noch ein Sonntagsbeitrag für die vornehmlich weiblichen Fans. Gestern nach der Tachowellenreparatur war ich ja nun auf dem Goldbasar von Buchara. Hier wurden vor der Industriellen Revolution Geschmeide und Edelmetallschmuck hergestellt und umgeschlagen und so manch schönes Schmuckstück in Europa hat hier vielleicht seinen Ursprung. Wer meine Geschichte mit Heidis Weltumfahrung schon von Anfang an verfolgt, weiß vielleicht auch um diesen Tagesspiegelartikel vom 1. August, wo ich als Ersatzbeifahrer mit „idealen“ Merkmalen wie „Ein richtiger Mann mit 99Kg Muskelmasse...und ohne soziale Bindungen“ dargestellt wurde“.

So ganz richtig ist das ja nicht und ich habe extra ein Abschiedsfoto mit Freunden auf dem Flughafen Tegel gemacht, um dem Tagesspiegel zu dokumentieren, dass es doch noch Menschen in Berlin gibt, mit denen ich „soziale Kontakte“ pflege! Aber es ist richtig, ich bin unverheiratet und auch momentan ohne Anhang (oder wie auch immer man das nennt). Es gab einige wenige wichtige Frauen in meinem Leben, aber es hat nie zu einer „lebenslangen“ Bindung geführt.

Da kam mir gestern auf dem Basar mit all seinen wunderschönen einzigartigen Schmuckstücken die Idee, dass ich es vielleicht falsch angegangen haben könnte. Vielleicht habe ich ja fälschlicherweise immer erst die Frau und dann den passenden Verlobungsring gesucht….

Sollte ich eventuell lieber erst an einem Ort wie diesem einen Ring kaufen, dessen Schönheit und Einzigartigkeit mich betört und dann – ähnlich wie bei Cinderella mit dem Schuh – das passende Mädchen zu dem Ring finden/mich finden lassen?

Was denkt ihr?

Patrik

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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