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Kuriositäten der Pandemie
Grenzwertiges Spiel

Dass die Lederkugel nach einem Eckball von Rheinland-Pfalz nach Nordrhein-Westfalen fliegt, gehört zu den Kuriositäten des „Rosengarten“-Sportplatzes in Niederschelden. Corona sorgt nun für weitere skurrile Geschichten an der Landesgrenze.
  • Dass die Lederkugel nach einem Eckball von Rheinland-Pfalz nach Nordrhein-Westfalen fliegt, gehört zu den Kuriositäten des „Rosengarten“-Sportplatzes in Niederschelden. Corona sorgt nun für weitere skurrile Geschichten an der Landesgrenze.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

rege Niederschelden. Freitag, 19. März, 21.01 Uhr an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Rheinland-Pfalz: Während Scheldens Fritz auf der einen Seite des Sportplatzes noch Flanken übt, ist Henner einen Steilpass vom Rosengarten entfernt in Schelderhütte eine Minute zuvor mit verschwitzten Sportklamotten zur Haustür herein gehechtet. Gerade noch pünktlich, um den behördlich angeordneten „Hausarrest“ einzuhalten. Ein skurriles Szenario, das sich auf dem längerübergreifenden Fußballterrain derzeit wirklich ereignen kann …

Andere Bundesländer, andere Regeln – das weiß jeder, der gern mal zum Glimmstengel greift und seit Corona auch alle anderen.

rege Niederschelden. Freitag, 19. März, 21.01 Uhr an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Rheinland-Pfalz: Während Scheldens Fritz auf der einen Seite des Sportplatzes noch Flanken übt, ist Henner einen Steilpass vom Rosengarten entfernt in Schelderhütte eine Minute zuvor mit verschwitzten Sportklamotten zur Haustür herein gehechtet. Gerade noch pünktlich, um den behördlich angeordneten „Hausarrest“ einzuhalten. Ein skurriles Szenario, das sich auf dem längerübergreifenden Fußballterrain derzeit wirklich ereignen kann …

Andere Bundesländer, andere Regeln – das weiß jeder, der gern mal zum Glimmstengel greift und seit Corona auch alle anderen. Der Föderalismus lässt grüßen, das Virus auch…

Krise treibt seltsame Blüten

Dass die Krise mitunter seltsame Blüten treibt, ist nichts Neues. Und doch ist man immer wieder überrascht, zu welch kuriosen Situationen es im Drei-Länder-Eck von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen inzwischen kommt bzw. kommen kann. Frag nach bei den Einzelhändlern, frag nach bei der Gastronomie (Stichwort „Partytourismus“) oder frag nach beim SuS Niederschelden-Gosenbach!

„Zu Hause“ ist der Spiel- und Sportverein bekanntlich im Kreis Siegen-Wittgenstein, was aber nur der halben Wahrheit entspricht. Fakt ist: Der Vereinssitz befindet sich in Nordrhein-Westfalen. Das „sportliche Wohnzimmer“ des SuS, der altehrwürdige Rosengarten-Sportplatz, ist hingegen eine grenzüberschreitende Sportanlage. Nicht wenige Pässe und Zuspiele landen auf rheinland-pfälzischem Grund und Boden, auch zum Schlagen eines Eckballs muss schon mal das Bundesland gewechselt werden. Und die Zuschauer können entscheiden, ob sie das Spiel aus Nordrhein-Westfalen oder auch aus Rheinland-Pfalz verfolgen möchten.

In beiden Kreisen Inzidenz über 100er Marke

Die Mitglieder der SuS-Familie stammen überwiegend aus dem Siegener Stadtteil Niederschelden und dem Mudersbacher Ortsteil Niederschelderhütte. Die einen haben „SI“ als Autokennzeichen, die anderen fahren „AK“. In beiden Kreisen ist der Inzidenzwert derzeit deutlich über der 100er Marke – allerdings mit höchst unterschiedlichen Folgen.

Der Kreis Altenkirchen hat eine Allgemeinverfügung verhängt, die unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre, die Aussetzung des Präsenzunterrichts an weiterführenden Schulen und die Schließung der Einzelhandelsgeschäfte (bis auf wenige Ausnahmen) zur Folge hat. Zudem sind Training und Wettkampf im Amateur- und Freizeitsport in Mannschaftsportarten und im Kontaktsport untersagt.

SiWi-Lockdown noch lockerer gesehen

In „SiWi“ wird der Lockdown noch etwas lockerer gesehen: Eine Ausgangssperre gibt es nicht, die weiterführenden Schulen sind geöffnet, Einzelhändler dürfen Terminshopping anbieten und Sportteams dürfen unter bestimmten Voraussetzungen trainieren. Diese sind zwar streng, für sportbegeisterte Menschen aber tausendmal besser als die komplett „Rote Karte“ wegen Corona.

Das weiß man auch beim SuS Niederschelden zu schätzen, der im Gegensatz zur benachbarten SG Mudersbach/Brachbach oder zur SG 06 Betzdorf bereits auf den überwiegend auf Siegener Gebiet liegenden Trainingsplatz zurückkehren darf, und davon auch reichlich Gebrauch macht. Von einem normalen Traingsbetrieb ist der SuS aber genau so weit entfernt wie die Erzquell- von der Heineken-Brauerei, denn Trainer und Sportler müssen sich an gewisse Spielregeln halten, und die werden in diesem Fall nicht vom Deutschen Fußball-Bund, sondern vom Kreis Altenkirchen diktiert.

Wegen Ausgangssperre um 21 Uhr zu Hause

„Natürlich sind wir froh, dass wir trainieren können, aber wir müssen sehr kreativ sein. Man kann nicht wirklich von Training sprechen“, sagt Sven Reimann, Trainer der 2. Mannschaft des SuS mit Blick auf die Tatsache, dass nur Übungen in Zweier-Gruppen erlaubt sind, aber auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen. „Ich selber wohne im AK-Land und muss wegen der Ausgangssperre um 21 Uhr zu Hause sein. Das gilt auch für etwa 70 Prozent meiner Spieler, die ebenfalls im Kreis Altenkirchen wohnen. Kumpels, die 300 Meter weiter wohnen, dürfen nach 21 Uhr noch raus, wir nicht“, schildert Reimann die skurrile Situation für die „Grenzkinder“ im Siegtal.

Für die Aktivitäten mit dem ledernen Sportkameraden bedeutet das konkret: „Das Training ist immer nur bis 20.40 Uhr terminiert, damit man noch 20 Minuten hat, um nach Hause zu kommen. Bei drei Seniorenmannschaften ist das gar nicht so einfach. Wir trainieren teilweise an anderen Tagen, wenn es geht von 19.10 bis 20.40 Uhr, manchmal aber auch nur eine Stunde von 19.40 bis 20.40 Uhr“, beschreibt Reimann den eng gestrickten Zeitplan. Nach dem letzten Schuss bzw. Kopfball muss es dann schnell gehen, denn das Ordnungsamt kennt zu Corona-Zeiten keine Grenzenlosigkeit und fährt im Grenzgebiet auf Mudersbacher Straßen gerne mal Patrouille. Wohl dem, der nach 21 Uhr Siegener Territorium unter seinen Füßen hat. Scheldens Fritz darf sogar noch Freistoßvarianten einstudieren, Henner aus Schelderhütte hingegen nicht…

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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