Großartiges Festkonzert

Nach dem großartigen Jubiläumskonzert wurde die Camerata vom Publikum mit überwältigendem Beifall gefeiert.  Foto: zel
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ars Siegen. Die 1984 von Hildegard Ruf gegründete Camerata instrumentale Siegen spezialisierte sich von Beginn an auf die Mitgestaltung von Konzerten im kirchenmusikalischen Bereich. Zum Jubiläum – die Camerata wird ein Vierteljahrhundert alt – lud sie ihre treuen Anhänger in der Region zu einem gehaltvollen Festkonzert in den Gläsersaal der Siegerlandhalle ein. Um es vorweg zu nehmen: nach einem insgesamt 150 minütigen Konzert gab es von den vollbesetzten Besucherreihen einen langanhaltenden enthusiastischen Applaus für die schönen Leistungen der Camerata, des Kammerchores Betzdorf und der Kantorei Siegen (großartig einstudiert von KMD Ute Debus), dem Blechbläserensemble pro musica sacra Siegen, den Solisten und der klug disponierenden Gesamtleitung von Hellmuth Geldsetzer.

Das Festkonzert begann mit einem dunkel timbrierten, etwas geschmäcklerischen „Adagio für Orchesterquartett“ op. 3 von Guillaume Lekeu, das der Camerata Gelegenheit bot, ihre Stärken bei einer in sich runden, nie gefährdeten Interpretation auszuspielen, die pseudoromantischen Versatzstücke effektvoll zu inszenieren und dem intendierten Wohlklang gerecht zu werden.

Kompositorisch anspruchsvoller ist ein in der Brahms- und Reger-Nachfolge geschriebenes „Konzertstück A-Dur“ op. 7 für Violine und Orchester von Adolf Busch, dessen Solopart von Florian Geldsetzer trotz eingegipsten Fuß übernommen wurde. Seinen Part hätte kein anderer Geiger übernehmen können, denn bei diesem Konzertstück handelte es sich – ein zusätzliches Bonbon dieses Jubiläumskonzertes – um eine Erstaufführung, die der im Siegerland geborene Solist, dem die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werk der Busch-Brüder Fritz und Adolf ein besonderes Anliegen ist, kongenial gestaltete.

Die technisch souveräne Beherrschung und die formal gebändigte Expressivität des nicht eben leichten Geigenparts fügte sich ein in eine an dynamischen Finessen reiche und beglückende Wiedergabe dieser konzertanten Musik durch die Camerata, die Hellmuth Geldsetzer getreu der Satzbezeichnung allegro con spirito ma non troppo spielen ließ. Nach der Pause stand allein Felix Mendelssohns Sinfonie Nr. 2, B-Dur, genannt „Lobgesang“, auf dem Programm, ein Werk, das, nach drei normalen Sinfoniesätzen, einen Riesensatz mit Solisten und Chor in verschiedener Kombination aufweist, der ein entsprechend großes Aufgebot erfordert.

Draußen war es nach dem Regen schwül, drinnen war die Luft verbraucht, die Chöre standen zwischen dem Orchester und der Rückwand und warteten auf ihren Einsatz. Eine Chorsängerin erlitt einen Schwächeanfall, musste behandelt werden, war aber tapfer und wollte auf einem Stuhl sitzend mitsingen.Hatten schon die Orchestersätze begeistert durch markante Bläser- und Streichereinsätze, durch fließend-pulsierende Linien, durch ein Adagio religioso in satten Farben wie ein nazarenisches Legendenbild und ebenso kunstvoll ungekünstelt, so übertraf doch der abschließende oratorienhafte Teil alles Vorangegangene noch einmal an exquisiter Detailarbeit, präzisem Zusammenspiel der Kräfte und der Wucht eines umstandslos zum Gemüt sprechenden Ausdrucks. Der Tenor Stephan Zelck sang die Verse aus Jesaja 21 (Hüter, ist die Nacht bald hin?) nach einem eindrucksvollen Sopranduo (Dorothee Fries und Dagmar Linde) expressiv und dramatisch wie große Oper, auch die Camerata ließ die Partitur wie das missing link zwischen „Freischütz“ und „Lohengrin“ erklingen.Diese impulsiv und überzeugend herausgearbeitete Dramatik war eingebettet in den sprichwörtlich langen Atem, die Vorgabe als Ganzes erklingen zu lassen, die Spannung bis zum abschließenden Schlusschor, der den Anfang der oratorienhaften Sätze aufnahm, aufrecht zu erhalten und triumphal mit Psalm 150 (Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!) zu enden.Der Beifall war überwältigend, aber das größte Geschenk zum Jubiläum hatte sich die Camerata, bei der gerade noch zwei Mitspieler aus den allerersten Tagen dabei sind, selbst gemacht mit einem Auftritt, der in mehrfacher Hinsicht denkwürdig war und lange in bester Erinnerung bleiben wird.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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