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Uwe Werthebach gestaltete Grab Georg Ratzingers
Große Ehre für früheren Domspatz

Das Grab in neuem Glanz: Hier sind die Domkapellmeister Georg Ratzinger († 2020) und Theobald Schrems († 1963) beerdigt.
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  • Das Grab in neuem Glanz: Hier sind die Domkapellmeister Georg Ratzinger († 2020) und Theobald Schrems († 1963) beerdigt.
  • Foto: privat
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ihm Siegen/Regensburg.  „Die Fotos vom fertigen Grab habe ich mit einem kurzen Brief nach Rom geschickt – an den ehemaligen Papst Benedikt, Er wird ja selbst das Grab seines Bruders wohl nicht mehr besuchen. Nun kann er es wenigstens einmal sehen.“
Steinmetz Uwe Werthebach hat in seinem Leben schon viele Grabsteine beschriftet, aber diese Arbeit ist eine seiner emotionalsten (zu den Details s. gesonderten Bericht). „Das war kein normaler Auftrag. Keiner, der sich betriebswirtschaftlich rechnet. Das war Ehrensache für mich. Ich habe es für den Chef getan.“ Der „Chef“, mit einem bayerisch langgezogenen „eee“ gesprochen, war Domkapellmeister Georg Ratzinger.

ihm Siegen/Regensburg.  „Die Fotos vom fertigen Grab habe ich mit einem kurzen Brief nach Rom geschickt – an den ehemaligen Papst Benedikt, Er wird ja selbst das Grab seines Bruders wohl nicht mehr besuchen. Nun kann er es wenigstens einmal sehen.“
Steinmetz Uwe Werthebach hat in seinem Leben schon viele Grabsteine beschriftet, aber diese Arbeit ist eine seiner emotionalsten (zu den Details s. gesonderten Bericht). „Das war kein normaler Auftrag. Keiner, der sich betriebswirtschaftlich rechnet. Das war Ehrensache für mich. Ich habe es für den Chef getan.“ Der „Chef“, mit einem bayerisch langgezogenen „eee“ gesprochen, war Domkapellmeister Georg Ratzinger. Und sein Zögling Uwe Werthebach als ehemaliger Sänger der Regensburger Domspatzen und Schüler des Domspatzen-Gymnasiums fühlt sich dem einstigen Leiter des weltberühmten Chores immer noch tief verbunden.
Wie kommt ein Siegerländer Handwerkersohn zu den Domspatzen ins tiefe Bayern? Uwe Werthebach erinnert sich genau. Die Eltern luden eines Tages in aller Herrgottsfrühe ihn und seine fünf Geschwister ins Familienauto und fuhren nach Regensburg. Die drei Schwestern saßen auf der Rückbank, jede von ihnen einen kleinen Bruder auf dem Schoß. Erst kurz vor Regensburg verriet Mutter Rita den Zweck der Reise: „Wir stellen den Uwe heute bei den Domspatzen vor!“

Aufregung war groß

Die Aufregung war groß, und erst recht die Begeisterung, als der neunjährige Bub beim Vorsingen sein Bestes gab. „Großer Gott, wir loben dich“ und und „Lobe den Herrn“: „Das kannte ich ja alles. Wir waren eine katholische Familie, meine Eltern haben uns so erzogen.“ Und gesungen hatte der Kleine immer schon gern – schlicht zum eigenen Vergnügen. Der Domkapellmeister sah sich Uwes Zeugnisse an und war zufrieden. Als 1980 das nächste Schuljahr begann, stieg der Neunjährige mit einem vollgepackten Koffer am Siegener Bahnhof in den Zug und fuhr mutterseelenallein seiner neuen Heimat entgegen. Dort musste er erst einmal die Grundschule zu Ende bringen. In der „Vorklasse“ in Etterzhausen verbrachte er sein erstes Jahr. Das Regiment dort war streng, es gab auch Prügel. Zwei Erzieher hielten 90 Jungen mit harter Hand im Zaum.
Mit dem Wechsel zum althumanistischen Gymnasium und dem Umzug ins Domspatzen-Internat nach Regensburg begann für Uwe Werthebach eine neue, eine herrliche Zeit. Im Nachhinein vielleicht die schönste seines Lebens. 93 Jungen begannen in seinem Jahrgang die gymnasiale Laufbahn. Davon machten 18 nach neun Jahren Abitur. Uwe Werthebach war einer von ihnen. Und während dieser Jahre war Georg Ratzinger als Domkapellmeister nicht nur Chef, sondern Respektsperson, Vertrauter, väterlicher Freund. „Ich habe mit ihm eine intensivere Zeit verbracht als mit meinem eigenen Vater.“ Das lag nicht nur am Singen – täglich drei Stunden Probe! –, sondern auch an den Konzertreisen, die Uwe mit den Domspatzen unternahm. „Wir waren in Amerika, auf Sizilien, in Paris. Das hätte ich doch ohne die Domspatzen nie erlebt!“ Dazu kamen die Deutschland-Tourneen. Uwe war schnell Mitglied des ersten Chores und gehörte dann oft zu den drei führenden Sängern seiner Stimmlage.

Es zählte das große Ganze

Bei den Domspatzen kam es nicht auf die ganz großen solistischen Leistungen an, sondern hier zählte vor allem das große Ganze, der Klangkörper. Das heißt nicht, dass man sich stimmlich verstecken konnte. Georg Ratzinger arbeitete akribisch mit seinen Jungen, auch im Einzelunterricht. „Er hat immer versucht, mir das Siegerländer ,Rrrr' abzugewöhnen. Und ich wusste gar nicht, was er von mir wollte.“
Während es im Unterricht um Latein und Altgriechisch, um Mathe und Chemie ging, war der Chorgesang spätestens in der 8. Klasse vorbei, denn dann machte der Stimmbruch den glockenhellen Knabenstimmen den Garaus. „Viele meine Mitschüler lernten dann ein zweites Instrument. Ich nicht. Ich war leider zu faul dazu.“ Erst mit 41 wetzte Uwe Werthebach die Scharte aus und begann Posaune zu lernen. Heute spielt er im Musikverein Gerlingen. Auch der Chorgesang hat ihn nicht losgelassen. Als Leiter des Männerchors der KAB St. Sebastian Walpersdorf gibt er weiter, was er von Georg Ratzinger gelernt hat.
Die Verbindung zu dem an jeder Ecke und in jeder Gasse geschichtsträchtigen Regensburg und zu den Domspatzen ist für Uwe Werthebach nie abgerissen. Als Georg Ratzinger am 1. Juli 2020 im Alter von 96 Jahren starb, eilte der Siegener nach Regensburg. Als einer von 200 ehemaligen und aktiven Domspatzen sang er bei der Totenvesper im Dom für den Domkapellmeister.

Das Grab in neuem Glanz: Hier sind die Domkapellmeister Georg Ratzinger († 2020) und Theobald Schrems († 1963) beerdigt.
Bei den Ehemaligentreffen kam auch der „Chef“ gerne. Bescheiden, ohne Allüren – so beschreibt Uwe Werthebach (r.) den Musikprofessor, dem er viel zu verdanken hat.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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