»Großes Problem sind Last-Minute-Reisende«

Vier Ärzte standen zum Thema »Impfen« Rede und Antwort

juwi Siegen. »Impfwoche« – da machte auch die SZ in Kooperation mit dem Kreis-Gesundheitsamt mit. Bei der Telefonaktion standen vier Ärzte in den Räumen der Redaktion Rede und Antwort.

Am meisten gefragt waren Reiseimpfungen, Spezialgebiet von Dr. Gerhard Riehl, der in seiner Praxis eine zugelassene Gelbfieberimpfstelle hat. Für die Urlaubsvorbereitung gelte: Vorher unbedingt eine individuelle Beratung wahrnehmen. Dabei mache es schon einen Unterschied, ob man sich in einer Hotelanlage in Kenia ausruhe oder als Rucksacktourist durch die Gegend ziehe. »Ein großes Problem sind die Last-Minute-Reisenden. Die fahren oft ohne Vorbereitung in Länder mit gesundheitlichen Risikofaktoren.«

Ratschläge zum Thema Kinderimpfungen gab Dr. Friedrich-Wilhelm Kötz. Durch die Vorsorgeuntersuchungen sei der Impfschutz von Kindern insgesamt gut abgedeckt. Aus seiner Praxis weiß der Kinderarzt: Rund 80 bis 90 Prozent der Eltern lassen ihre Kinder impfen. Unter den »Impfmuffeln« könne man zwei Gruppen unterscheiden: Eine größere Gruppe, die das Impfen aus Vergesslichkeit schleifen lasse. »Da muss man einfach drängeln.« Intensivere Diskussionen gebe es mit rund 5 Prozent der Eltern, die die Nebenwirkungen scheuten: Erhöhte Temperatur, Unwohlsein oder Schmerzen an der Impfstelle, Unannehmlichkeiten, die man wohl oder übel hinnehmen müsse. Der positive Effekt des Schutzes sei andererseits riesig. Krankheiten wie Diphtherie und Kinderlähmung hätten dadurch in Deutschland sozusagen ausgerottet werden können. Und so ärgert sich Dr. Christoph Grabe, Leiter des hiesigen Gesundheitsamtes, besonders über »paradoxe« Argumente von Impfgegnern wie dieses: »Warum soll ich mich gegen Kinderlähmung impfen? Das gibt es doch gar nicht mehr!« Hier werde verdrängt, dass die Krankheit gerade durch das konsequente Impfen in Deutschland beseitigt werden konnte. »Die Leute vergessen, dass, wenn wir zehn bis 20 Jahre lang nachlassen würden, wir die Krankheit wieder hier hätten.« Wie sehr das Impfen letztendlich als wirksam eingestuft werde, sehe man an dem Wunsch der Bevölkerung nach Impfschutz gegen SARS oder Aids.

Zusammenfassende Anhaltspunkte für richtigen Impfschutz lieferte der Allgemeinmediziner Dr. Norbert Pruin: Wichtig sei es, Tetanus und Diphtherie auch im Erwachsenenalter aufzufrischen, Menschen über 60 Jahre sollten sich außerdem gegen Pneumokokken (Erreger von Lungenentzündung) und jährlich gegen Grippe impfen lassen. Je nach Wohnort bzw. Reiseziel sei auch ein Schutz gegen die durch Zecken ausgelöste FSME-Erkrankung notwendig. Dazu kämen besondere Reiseimpfungen.

Argumente pro Impfschutz halte die Statistik bereit. So seien in der Zeit vom 1.Januar bis 19. Oktober 2001 dem Paul-Ehrlich-Institut (Bundesamt für Sera und Impfstoffe) zwar 236 Fälle von Impfkomplikationen gemeldet worden. In keinem Fall habe man aber einen Impfstoff als Ursache des Schadens nachweisen können, und das bei 30 Millionen Impfungen pro Jahr.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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