SZ

Brauereien vernichten große Mengen Fassbier
Gully statt Kehle

Das gute, alte Gezapfte. Bis das mal wieder in Kneipen getrunken werden kann, wird es wohl noch einige Zeit dauern.
2Bilder
  • Das gute, alte Gezapfte. Bis das mal wieder in Kneipen getrunken werden kann, wird es wohl noch einige Zeit dauern.
  • Foto: pixabay
  • hochgeladen von Marc Thomas

pm/howe Siegen/Bad Laasphe. „Wer Bier verschenkt wird aufgehängt“ – dieser zugegebenermaßen etwas martialische und ganz sicher mit einem Augenzwinkern zu verstehende Spruch – ist an feucht-fröhlichen Abenden hier und da zu hören, wenn durch abnehmende Koordination ein Glas oder eine Flasche Gerstensaft umgeworfen wird. Jeden Bierliebhaber schmerzt eine derartige Verschwendung, doch im Jahr 2021 ist sie sogar im großen Stil nötig. Denn zurzeit sind nicht nur private Zusammenkünfte mit ausgedehntem Trinkgenuss verboten, auch die Zapfhähne der Gastronomen stehen still und Großveranstaltungen auf der Kippe. Die Folge: Brauereien in ganz Deutschland müssen erhebliche Mengen Fassbier wegschütten, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist.

pm/howe Siegen/Bad Laasphe. „Wer Bier verschenkt wird aufgehängt“ – dieser zugegebenermaßen etwas martialische und ganz sicher mit einem Augenzwinkern zu verstehende Spruch – ist an feucht-fröhlichen Abenden hier und da zu hören, wenn durch abnehmende Koordination ein Glas oder eine Flasche Gerstensaft umgeworfen wird. Jeden Bierliebhaber schmerzt eine derartige Verschwendung, doch im Jahr 2021 ist sie sogar im großen Stil nötig. Denn zurzeit sind nicht nur private Zusammenkünfte mit ausgedehntem Trinkgenuss verboten, auch die Zapfhähne der Gastronomen stehen still und Großveranstaltungen auf der Kippe. Die Folge: Brauereien in ganz Deutschland müssen erhebliche Mengen Fassbier wegschütten, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist.

„Bei uns werden es ein paar Hundert Hektoliter sein, die vernichtet werden müssen“, erklärte Dr. Axel Haas, Geschäftsführender Gesellschafter der Erzquell Brauerei Siegtal, im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Zwar habe man sich ein wenig auf den langen Lockdown einstellen und die Produktion herunterfahren können, es seien aber dennoch viele Fässer vorhanden, die kurz vorher abgefüllt wurden. „Das, was jetzt in den Fässern ist, muss weg. Der Absatz mit Fassbier ist quasi auf Null gesunken, auch Privatleute brauchen zurzeit keins, weil sie keine Gäste einladen dürfen“, so Dr. Haas.

Vorausschauendes Handeln bei Brauerei Bosch

 Besonders vorausschauend gedacht zu haben, scheint man in den vergangenen Monaten derweil beim großen Nachbarn. „Glücklicherweise sind wir aufgrund entsprechender Bedarfsplanung so aufgestellt, dass wir aktuell keine nennenswerten Biermengen zurückerhalten, die entsorgt werden müssen“, antwortete Peter Lemm, Leiter Unternehmenskommunikation der Krombacher Brauerei, auf die entsprechende SZ-Anfrage. Auch im Hause der Bad Laaspher Brauerei Bosch, die nicht nur Wittgensteiner, sondern auch Siegerländer Biertrinker versorgt, hat man den „Corona-Braten“ gerochen.

„Wir haben seit Oktober sehr vorsichtig reagiert“, erläuterte Geschäftsführer Hans-Christian Bosch. „Wir haben vorausschauend geplant und gar nicht mehr groß in Fässer abgefüllt.“ Dafür, wusste der Brauerei-Chef, stünden noch zehn Paletten Limo und Cola aus Gastro-Beständen auf dem Hof. Die müssten bald getrunken werden. Und wenn die Gastronomie endlich öffnet? „Dann freue ich mich auf ein Bierchen und auf die Kommunikation. Das fehlt mir sehr.“

Verluste der Brauereien halten sich in Grenzen

Mit derart positiven Statements können jedoch nur wenige Unternehmen aufwarten. „Bis zum erhofften Ende des Lockdowns im Frühling werden es in Deutschland einige Hunderttausend Hektoliter sein“, meinte Holger Eichele, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, mit Blick auf die zu vernichtende Gesamtmenge. Doch auch wenn jeder verschüttete Liter schmerzt: Die Verluste der Brauereien halten sich im Vergleich zu anderen Branchen noch in Grenzen.

„Wir haben wenigstens noch etwas mehr Flaschenbier verkauft, sodass ein bisschen, aber längst nicht alles ausgeglichen wird“, so Dr. Axel Haas. Der Erzquell-Chef formuliert außerdem große Erwartungen an die Zeit nach dem Lockdown. „Ich hoffe, dass die Gastronomie vor Ostern wieder startet und es eine Art Boom gibt. Außerdem wäre es gut, wenn im Sommer wieder einige Festivitäten stattfinden können, damit auch der Geschäftszweig wieder in die Gänge kommt. Bis dahin werden wir genug Fassbier parat haben.“

Klare Versprechen gibt es auch für die Liebhaber des Konkurrenzprodukts. „Wir werden in jedem Fall alles daran setzen, dass die Gäste, sobald die Gastronomie öffnet, auch dort wieder ein frisches Krombacher genießen können“, so Unternehmenssprecher Peter Lemm. Nach dem Lockdown soll das Fassbier der heimischen Brauereien wieder dort landen, wo es eben eigentlich hingehört: in der Kehle statt im Gully.

Das gute, alte Gezapfte. Bis das mal wieder in Kneipen getrunken werden kann, wird es wohl noch einige Zeit dauern.
Da die Gaststätten und Kneipen weiter im Lockdown-Modus sind, kommt kein einziges Tröpfchen aus den Fässern raus. Die Folge: Das muss nach einiger Zeit weggeschüttet werden.
Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen