Gute Diskussion in der Kirche

Bald soll es „Am Dreesch“ rund gehen: Die ehemalige Kita wird zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut, die Außenanlage soll wieder ansehnlich gestaltet, der Zaun endlich repariert werden. Etliche Hengsbacher begrüßten, dass in die „Bauruine“ endlich wieder Leben einkehre. Foto: privat
  • Bald soll es „Am Dreesch“ rund gehen: Die ehemalige Kita wird zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut, die Außenanlage soll wieder ansehnlich gestaltet, der Zaun endlich repariert werden. Etliche Hengsbacher begrüßten, dass in die „Bauruine“ endlich wieder Leben einkehre. Foto: privat
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ch - Das Interesse am Dienstagabend war groß, das Fünfeck der Christuskirche gut gefüllt. Knapp 200 Besucher – vor allem Hengsbacher, aber auch etliche Kommunalpolitiker und dazu ein paar „Beobachter“ aus der linken und aus der rechten Szene – waren der Einladung zu der Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung gefolgt, um sich über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen bzw. Asylsuchenden in der ehemaligen Kita „Am Dreesch“ unterrichten zu lassen.

Stadträtin Babette Bammann warb gleich zu Beginn des Info-Abends, der ruhig und sachlich mit einem regen Frage-Antwort-Wechsel ablief, für „ein größeres Verständnis für unser Vorgehen und für die Lage der Menschen, die wir in Kürze aufnehmen wollen und müssen“. Hintergrund: Die Stadt möchte in der Kita ein Übergangswohnheim einrichten, schon bald sollen mitten in dem Eiserfelder Ortsteil maximal 25 Menschen – vermutlich zumeist junge Familien, die um Asyl ersuchen – befristet, sprich: in der Regel zwischen sechs und zwölf Monate, untergebracht werden. Solange, bis sie in andere städtische oder private Wohnungen umziehen können (die SZ berichtete mehrfach).

Stadträtin Babette Bammann wollte der auch am Dienstag geäußerten, harschen Kritik an der Informationspolitik der Stadtverwaltung den Wind aus den Segeln nehmen. Sie lautet, dass die Hengsbacher viel zu spät und bislang auch unzureichend über Dinge informiert worden seien, die schon längst von Politik und Verwaltung entschieden worden sind.

Viele Fragen der Hengsbacher drehten sich um den Alltag der künftigen Nachbarn, um kleine und große Ängste im Zusammenhang mit der Begegnung völlig unterschiedlicher Kulturen. „Wir wollen einfach, dass unsere Ängste ernst genommen werden, und bisher haben wir nicht den Eindruck, dass dies geschieht“, sagte Joachim Haub ins Rund der Christuskirche. Stefan Böhmer vom Verein für Soziale Arbeit und Kultur, kurz VAKS, der die Asylanten im Auftrag der Stadt Siegen betreuen wird, so wie er es schon für die anderen Einrichtungen seit 1993 tut, versuchte diese Ängste zu zerstreuen.

„Es kommen keine Monster, sondern Menschen aus Krisengebieten, die selbst in der tiefsten Krise ihres Lebens stecken“, so Böhmer. Die Sorge dieser Menschen drehe sich bloß um den Aufenthalt in Sicherheit, fuhr der VAKS-Mitarbeiter fort. „Die meisten von ihnen wollen sich anpassen, wissen, dass man ohne Deutsch nicht weiterkommt!“ Deshalb biete man von Anfang an, vor allem mit der Hilfe von Ehrenamtlern, entsprechende Sprachkurse an (die Integrationskurse, die für anerkannte Asylbewerber verpflichtend sind, stehen Antragsstellern noch nicht offen), kümmere sich entsprechend um die schulpflichtigen Kinder. Befürchtungen, dass diese anderen Mädchen und Jungen die Plätze auf der Schulbank wegnähmen, hielt Böhmer mit Blick auf die geringe Anzahl für unbegründet.

Nicht nur Fragen wurden gestellt, nicht nur Kritik wurde in der Kirche laut: Etliche Hengsbacher betonten, dass sie die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen wollten, von einer „Willkommenskultur“ war die Rede. „Da muss doch was gehen“, war sich Manfred Daub von der Evangelischen Allianz Eiserfeld sicher. Dann unterbreitete er ein Angebot aus den Reihen der Allianz bzw. der Anwohner: „Wir haben hier mehr als zwei Hände voll Helfer, die die Menschen mit all ihren Ängsten im Alltag begleiten und unterstützen wollen!“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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