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Die Coronakrise überstehen
Gutscheine: Mehr als nur guter Schein

Klaus  und Eva Vetter vom Kreuztaler  Café Basico im alten Lokschuppen hoffen, mit dem Gutscheinverkauf ihr wirtschaftliches Überleben bis zur Wiedereröffnung sichern zu können.
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  • Klaus und Eva Vetter vom Kreuztaler Café Basico im alten Lokschuppen hoffen, mit dem Gutscheinverkauf ihr wirtschaftliches Überleben bis zur Wiedereröffnung sichern zu können.
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nja Kreuztal/Siegen. Die allermeisten Türen von Geschäften, Salons und Cafés sind seit Wochen geschlossen. Bis auf Weiteres. Die betroffenen Dienstleister und Gastronomen kämpfen coronabedingt mit einer unglücklichen Kombination: Die Einnahmen bleiben aus, Fixkosten aber müssen weiter gezahlt werden. Für viele in dieser Zeit ein Hoffnungsanker: der Verkauf von Gutscheinen. Kunden von morgen zahlen also schon heute für eine Dienstleistung oder Ware, die erst in einer unbekannten Zukunft in Anspruch genommen und genossen werden kann. Und gehen dabei natürlich auch ein Risiko ein. Ein Friseurtermin im Herbst? Ein Voucher für den nächsten Autocheck? Ein schönes Familienfoto als Weihnachtsgeschenk für die Oma?

nja Kreuztal/Siegen. Die allermeisten Türen von Geschäften, Salons und Cafés sind seit Wochen geschlossen. Bis auf Weiteres. Die betroffenen Dienstleister und Gastronomen kämpfen coronabedingt mit einer unglücklichen Kombination: Die Einnahmen bleiben aus, Fixkosten aber müssen weiter gezahlt werden. Für viele in dieser Zeit ein Hoffnungsanker: der Verkauf von Gutscheinen. Kunden von morgen zahlen also schon heute für eine Dienstleistung oder Ware, die erst in einer unbekannten Zukunft in Anspruch genommen und genossen werden kann. Und gehen dabei natürlich auch ein Risiko ein. Ein Friseurtermin im Herbst? Ein Voucher für den nächsten Autocheck? Ein schönes Familienfoto als Weihnachtsgeschenk für die Oma? Vieles ist möglich, wie nicht zuletzt ein Blick auf die Online-Plattform der Sparkassen zeigt: Unter helfen.gemeinsamdadurch.de werden Anbieter und potenzielle Kunden zusammengebracht. Doch dazu später mehr.

Café Basico setzt auf Tickets für Bestandssicherung

Klaus Vetter, Inhaber des im Oktober 2014 eröffneten Café Basico im alten Kreuztaler Lokschuppen hinter dem Bahnhof, setzt auf den Verkauf von Gutscheinen, um liquide zu bleiben – und freut sich über erste Erfolge. „Augen zu – und Tango“, so lautet eigentlich ein Motto im „Basico“. „Augen zu und durch“ trifft es derzeit wohl besser. In allen Räumen herrscht Stillstand. „Ich befürchte, das wird auch noch lange so bleiben“, lautet Vetters wahrscheinlich realistisches Credo. Der Cafébetrieb ruht, und im großen Saal nebenan wird weder im Rudel gesungen, noch sorgen Salsa-Seminare oder Tangoabende dafür, dass das Blut in Wallung gerät. Einen „nicht geringen sechsstelligen Betrag“ investierten Klaus und Eva Vetter in die grundlegende Sanierung der Immobilie, nachdem ein Erbbauvertrag mit der Stadt Kreuztal abgeschlossen worden war. „Diese Summe müssen wir noch sehr lange abstottern.“

"Südwestfälische Seenplatte" bleibt

Für dieses Jahr hatten Vetters eine größere programmatische Umstellung im Blick: „Wir hatten u. a. 13 mehrtägige Workshops in Planung“, so Tangoliebhaber Vetter: „Das hätte richtig gut werden können. Wir habe in der Szene gut Fuß gefasst.“ Zu auch mehrtägigen Tanzveranstaltungen, die mit überregionalen Kooperationspartnern durchgeführt werden, kämen zwischen acht und 200 Leute. 
„Wirtschaftlich sind wir gut klargekommen. Wir haben bei den Sanierungskosten eine Punktlandung hingelegt und in den vergangenen zwei, drei Jahren eine Rücklage gebildet. Das war allerdings richtig hart.“ Sie war eigentlich für den Ausbau des Parkplatzes vor dem Lokschuppen gedacht. Pflaster und Rasengittersteine sollten der „südwestfälischen Seenplatte“ ein Ende bereiten. Klaus Vetter: „Daraus wird jetzt nichts. Diese Reserve brauchen wir jetzt auch zum Überleben. Wir wollen unser Team halten und weiterbezahlen.“ Die Mitarbeiter hätten sich bereit erklärt, die jetzt ausbezahlten Stunden später nachzuarbeiten. Das alles plus die 9000 Euro Soforthilfe des Bundes werde aber auf Dauer natürlich das Überleben nicht sichern. Daher rührt Klaus Vetter auf seiner Homepage die Werbetrommel für den Erwerb von „Tickets zur Bestandssicherung“. Es liege auf der Hand, „dass wir auch nach unserer Widereröffnung für viele Monate mit ganz erheblich verminderten Einnahmen auskommen müssen, weil zahlreiche langfristig geplante und vorausgebuchte Veranstaltungen – Seminare, private, schulische und betriebliche Veranstaltungen – bis heute bereits abgesagt wurden und sicherlich auch noch weitere Absagen folgen werden.“ Doch glaubt er fest „an ein Leben nach Corona“.

"Tolle Erfahrungen gemacht"

„Wir haben schon tolle Erfahrungen gemacht“, freut sich der Kreuztaler über eine bereits fünfstellige Summe, die bislang über Gutscheine in der Kasse gelandet sei. Ein Kunde habe sechs Verzehrgutscheine über jeweils 50 Euro gekauft: Vielleicht sind dies Geschenke an Bekannte, die auf diese Weise das Café erst kennenlernen werden? Eine schöne Vorstellung. Einige der Ticketkäufer sind persönlich bekannt – und hier und da ahnen Vetters, dass sich hinter dem Erwerb eine Spende versteckt: wenn notorische Nichttänzer z. B. ein Salsawochenende buchen... Ob er keine Angst hat, dass die angespannte finanzielle Lage sich nicht bessern wird, wenn er all die Gutscheine einmal einlösen muss? „Klar, es ist nicht absehbar, was wann eingelöst wird. Und natürlich ist es auch Sinn und Zweck der Aktion, dass die Tickets eingelöst werden, damit sich das Café wieder mit Menschen füllt, wenn wir den Betrieb hochfahren dürfen. Aber vor allem gilt: Wir brauchen die Einnahmen jetzt, um zu überleben. Ohne dies wird es nicht reichen!“

Sparkasse bietet Online-Plattform

Ortswechsel. Der „Marktplatz“ der Sparkasse(n), auf dem Gutscheine angeboten und erworben werden können, steht unter dem Motto „Jetzt kaufen. Jetzt retten. Später einlösen.“ Die Internetseite läuft bundesweit. „Wir haben die Plattform seit letzter Woche Montag im Einsatz“, so Stefanie Schierling, Pressesprecherin der Sparkasse Siegen, auf SZ-Anfrage. Unternehmen können/müssen sich formal anmelden, die Daten werden an den „Gutscheinpartner Atento“ weitergegeben. Kunden können ihre Suche konkretisieren, indem sie z. B. ihre Postleitzahl, einen erweiterten Umkreis und eine Branche eingeben. Das Angebot ist für alle, die Gutscheine anbieten, kostenfrei. Käufer zahlen eine kleine Gebühr von ca. 2,5 Prozent: Atento arbeite für die Coronahilfe zum Selbstkostenpreis, heißt es. 
Wie sah die Resonanz bis Mittwochmittag aus? „Es sind aktuell 20 Anbieter aus unserem Geschäftsgebiet dabei (Siegen, Freudenberg, Hilchenbach, Kreuztal, Netphen und Wilnsdorf). Bundesweit wurden 1600 Gutscheine verkauft in einem Gesamtvolumen von 69 000 Euro“, so Schierling. Leider gebe es keinen Überblick darüber, wie viele Gutscheine davon hiesige Händler veräußert hätten. „Aus Wittgenstein sind 24 Partner dabei, aus dem Raum Burbach-Neunkirchen bislang einer. Die Abwicklung bekommen wir nicht mit – wir stellen ,nur’ die Plattform. Es kann außerdem sein, dass Kunden über unsere Seite auf die Partner aufmerksam werden, den Gutschein dann aber direkt über deren eigene Homepage ordern oder telefonisch.“

Regionale Anbieter stärken

Kann man also auch z. B. Gutscheine von der Waterkant oder aus den Alpen beziehen? Grundsätzlich ja, so Schierling: „Aber das Besondere ist ja der regionale Bezug. Man kann sich die Läden und Anbieter in seinem direkten Umfeld anzeigen lassen und so dazu beitragen, z. B. das Café um die Ecke oder den Blumenladen mit dem Kauf von Gutscheinen jetzt in der Krise zu unterstützen.“ Die Resonanz „könnte natürlich noch größer sein. Aber viele Geschäfte und Dienstleister haben sich ja auch bereits eigene Lösungen überlegt, die gut ankommen. Da sind viele kreative Ideen entstanden, die wir auch richtig toll finden – z. B. die Aktion ,Bunter Hund Siegen’ auf Facebook und Instagram“. Die Sparkasse Siegen sieht ihre Gutscheinplattform als sinnvolle Ergänzung, auch um die Aufmerksamkeit der Verbraucher darauf zu lenken, die kleinen Läden, Händler und Gastronomen vor Ort zu unterstützen: „Sie sind es doch, die unsere Wohnviertel so liebens- und lebenswert machen.“

Klaus  und Eva Vetter vom Kreuztaler  Café Basico im alten Lokschuppen hoffen, mit dem Gutscheinverkauf ihr wirtschaftliches Überleben bis zur Wiedereröffnung sichern zu können.
Klaus und Eva Vetter, Inhaber Café Basico im Kreuztaler Lokschuppen nutzen die Zwangspause für weitere Sanierungen und Reinigungsarbeiten. Mit Hilfe ihrer Gutscheinaktion hoffen sie, finanziell über die Runden zu kommen, bis wieder karibische Lebensfreude ins Gemäuer einziehen darf.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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