Haie im Finanzbecken

Inge El-Himoud Sperlich stellt ihre gekonnten, ansprechenden Zeichnungen in der Art-Galerie in Siegen aus.  Foto: gmz
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gmz Siegen. Da fliegt alles durcheinander: Haie mit scharfen Zähnen, Häuser, die raketenschnell in die Luft fliegen, Fässer, Leitern und Börsenkurse. Sie alle purzeln, wie es auf dem Blatt auch steht. Die Börse wirbelt alles durcheinander, führt zu „Verwerfungen“ – so heißt die Ausstellung von Inge El-Himoud Sperlich auch, die in der Art-Galerie von Helga Oberkalkofen zu sehen ist.

Die in Lindau lebende Künstlerin, die aus ihrer Siegener Zeit Verbindung nach Siegen gehalten hat und auch an einem „Kunstwechsel“ beteiligt war, zeigt handwerklich gekonnte, starke Zeichnungen (Buntstift und Grafit, auch in Kombination mit Collagen sowie Tuschezeichnungen). Da gibt es die Momentaufnahmen, schnell skizzierte Stillleben, die Teller und Tassen und andere Behältnisse auf dem Frühstückstisch festhalten, ein Spiel mit Farbe und Form, das die Hand geschmeidig hält. Oder auch einfach nur die vielen Schichten des täglichen Lebens festhält, die von Außen betrachtet undurchsichtig scheinen, vor allem dann, wenn sie um das mediale Auge im Zentrum der Aufmerksamkeit kreisen. In sehr feinen, detailreich filigranen Federzeichnungen setzt sich Inge El-Himoud Sperlich mit dem Thema der Marionette auseinander, der Puppe, die nur lebendig wird, wenn ein anderer die Fäden in die Hand nimmt und sie führt. Ihre Marionetten sind allerdings nutzlos, denn sie liegen erbärmlich auf einem Haufen übereinander, die Fäden verwirrt. Zwischen ihnen, den altmodischen Ikonen einer längst vergangenen Unterhaltungskultur, liegen die unbrauchbaren Protagonisten des neuen Entertainments: Handys, Radios, portable Musikträger. Auch sie sind führungslos.

Die Künstlerin beobachtet ihre Umgebung mit wachem Blick. Dort findet sie auch ihre Themen: in den immer wiederkehrenden Börsenkrisen, die in zunehmendem Maße zu Verwerfungen führen, die alle Strukturen durcheinanderwirbeln, wenn nicht zerstören. In der Politik, in der jeder eine weiße Weste hat, wie der nette, gekrönte Frosch, der über all dem „Schlamassel“ thront und sich aufbläht wie jener, der so groß werden wollte wie der Ochse!

Trotz ihrer kritisch bewerteten Themen und des skeptischen Blicks sind Inge El-Himoud Sperlichs Arbeiten nicht pessimistisch. Die fröhlichen Farben, die zupackende Linienführung und klare Art der Darstellung, oft mit witzigen Details versehen (wie in dem skizzierten Kommentar zum Ablauf einer Vernissage), lassen in der Darstellung keinen Pessimismus aufkommen, sondern wirken wie der befreiende Ausruf des kleinen Kindes bei der Parade des Kaisers in seinen „neuen Kleidern“.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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