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26-Jähriger auf der Anklagebank
Handel oder Eigenbedarf?

Seit Dienstag sitzt ein Siegener auf der Anklagebank des Landgerichts – ihm wird Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen. Ein 26-jähriger Siegerländer muss sich seit Dienstag wegen der Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts verantworten. Staatsanwältin Tabea Schneider warf dem Deutschen zunächst das Handeltreiben mit Drogen vor – Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach erklärte jedoch, dass die Kammer die Anklage so nicht zugelassen habe und „nur“ der Straftatbestand der Beihilfe in Frage komme. Konkret geht es um drei Handlungen, die sich in einem Zeitraum von rund zehn Monaten in der Krönchenstadt zugetragen haben sollen.
Aufträge für einen weiteren MannAm 28. Juni 2017 soll der Angeklagte in seiner Wohnung an der Weidenauer Straße in Weidenau rund 1,5 Liter Amphetamin veräußert haben.

cs Siegen. Ein 26-jähriger Siegerländer muss sich seit Dienstag wegen der Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts verantworten. Staatsanwältin Tabea Schneider warf dem Deutschen zunächst das Handeltreiben mit Drogen vor – Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach erklärte jedoch, dass die Kammer die Anklage so nicht zugelassen habe und „nur“ der Straftatbestand der Beihilfe in Frage komme. Konkret geht es um drei Handlungen, die sich in einem Zeitraum von rund zehn Monaten in der Krönchenstadt zugetragen haben sollen.

Aufträge für einen weiteren Mann

Am 28. Juni 2017 soll der Angeklagte in seiner Wohnung an der Weidenauer Straße in Weidenau rund 1,5 Liter Amphetamin veräußert haben. Hinzu kommen rund 100 Gramm Cannabis, die am7. Juni 2017 für rund 400 Euro den Besitzer gewechselt haben sollen. Beide Verkäufe sollen im Auftrag eines zweiten Mannes abgehandelt worden sein, dem in Kürze ebenfalls der Prozess gemacht wird. Er fehlte am Dienstag krankheitsbedingt und konnte nicht vernommen werden. Als die Polizei am 11. April 2018 die Wohnung des Angeklagten durchsuchte, wurden 118 Gramm Cannabis-Harz, 35 LSA-Trips, diverse Fläschchen mit Substanzen, 20 präparierte Stücke Würfelzucker sowie diverses Verpackungsmaterial sichergestellt. Zur Erklärung: Bei LSA bzw. Ergin handelt es sich um einen LSD-ähnlichen Stoff. Außerdem fanden die Beamten zwei Messer mit einhändig feststellbarer Klinge, ein weiteres mit einer Doppelklinge sowie ein Filetiermesser und eine Machete. „Der Angeklagte wollte seinen Lebensunterhalt und seinen Eigenkonsum mit dem Handel finanzieren, die Messer lagen stets griffbereit“, führte Tabea Schneider weiter aus.

Ein Jahr ohne Strom in der Wohnung gelebt

Zum Zeitpunkt der Wohnungsdurchsuchung sei er in einer „miserablen Lage“ gewesen, erklärte der Angeklagte. Bereits seit einem Jahr habe er keinen Strom in der Wohnung gehabt, habe den Winter entsprechend bei eisiger Kälter verbracht. Dennoch sei er stets einer festen Arbeit nachgegangen. „Das Cannabis war nur zum Eigenbedarf da, verkauft habe ich nichts“, erklärte der junge Mann. Wofür er denn dann die ganzen Tütchen gebraucht habe, hakte Elfriede Dreisbach nach. „Gute Frage, die lagen nutzlos bei mir herum“, antwortet der Angeklagte und beteuerte, dass die Stichwaffen niemals für den Einsatz gedacht gewesen seien: „Bekannte haben die Messer über mich bestellt, die lagen da willkürlich rum.“ Die Machete habe nur der Optik gedient, „die hat mir halt gefallen und hat einfach einen Reiz“. Bei den Gemischen in den Glasfläschchen habe es sich um einen Selbstversuch gehandelt, der „komplett gescheitert“ sei. Er habe die Samen der hawaiianischen Holzrose im Internet bestellt, und probiert, daraus eine konsumfähige Substanz herzustellen.

"Was war das denn für ein Dealer?"

Der Angeklagte räumte ein, dass über 100 Gramm Cannabis „schon nicht wenig“ seien, „es war aber zu teuer, sich das alles nach und nach zu kaufen“. Auf einen Schlag habe er deswegen die Drogen für 250 Euro gekauft. „Was war das denn für ein Dealer?“, fragte Elfriede Dreisbach mit großen Augen und rechnete vor, dass nach den Erfahrungen der Kammer ein Gramm Cannabis mit einem Straßenverkehrtswert von rund zehn Euro angesetzt werde: „2,50 Euro sind völlig unglaubhaft.“ Sein Mandant bleibe dabei, erklärte Verteidiger Wolf Heller – es habe sich eben um einen Freundschaftspreis gehandelt.Wenn man alles zusammen nehme, hätten die Beamten rund 1000 Gramm LSA-haltige Substanzen in der Wohnung des Angeklagten gefunden, staunte Tabea Schneider nicht schlecht. „Am Ende bleibt davon wenn aber nur eine Hand voll Wirkstoff übrig – 1000 Gramm, um Gottes Willen“, erwiderte der 26-Jährige. Sein Mandant habe die Samen der Holzrose als gemahlenes Pulver gekauft und mit Benzin aufgegossen. „Das sollte abfiltriert werden, die Glasfläschchen bestanden zu 95 bis 99 Prozent aus Alkohol“, ergänzte Rechtsanwalt Wolf Heller.

Kommissariat für Rauschgift: Eigenbedarf "unwahrscheinlich"

Durchaus belastend für den Angeklagten sagte ein Sachbearbeiter des Kommissariats für Rauschgift aus, der den Einsatz leitete. Im Rahmen einer Kontrolle habe man den gesondert Verfolgten durchsucht und mit Cannabis aufgegriffen, in diesem Zuge außerdem das Handy des Mannes sichergestellt und ausgewertet. Dabei sei ein „Netzwerk von verschiedenen Personen“ ans Tageslicht gekommen, der Angeklagte sei ein Teil davon gewesen. Der Polizist sprach dem Siegerländer die Funktion eines „Bunkerhalters“ zu. Außerdem erscheine es sehr unwahrscheinlich, dass man über 100 Gramm Cannabis allein für den Eigenverbrauch nutze: „Pro Joint verwendet man ungefähr 0,1 bis 0,3 Gramm, bei längerer Lagerung geht der Stoff kaputt“, rechnete der 40-Jährige vor. Die Menge spreche aus kriminalistischer Erfahrung für ein Handeltreiben. Der Angeklagte winkte ab: 0,1 bis 0,3 Gramm seien „unrealistisch“, er habe pro Joint 0,8 bis 1,2 Gramm verbraucht und täglich zwischen zwei und fünf Gramm konsumiert.

Ergin "sehr, sehr, sehr selten"

Eine eigens aus Düsseldorf angereiste Diplom-Chemikerin vom LKA bezeichnete das Vorkommen von Ergin als „sehr, sehr, sehr selten. Der Wirkstoff muss aus den Samen gewonnen werden, dazu benötigt man tiefe chemische Kenntnisse.“
Die Verhandlung wird am Dienstag, 17. September, um 11 Uhr fortgesetzt. Dann soll der Mann verhört werden, in dessen Auftrag der Angeklagte die Geschäfte abgewickelt haben soll.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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