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Sylvia Söhnge nutzt das Kaltrührverfahren
Handgemachte Seife

Die verschiedenen Zutaten für die Seife müssen genau abgewogen werden.  Fotos: Sarah Panthel
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  • Die verschiedenen Zutaten für die Seife müssen genau abgewogen werden. Fotos: Sarah Panthel
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sp Siegen. Es duftet frisch, blumig, und ein bisschen beißt es auch in der Nase, wenn Sylvia Söhnge die unterschiedlichen Zutaten für ihre handgemachte Seife zusammen rührt. Wenn sie an ihrem Tisch in ihrem Laden in der Siegener Oberstadt mit der Kochplatte arbeitet, ist höchste Vorsicht geboten, denn neben harmlosen und gewöhnlichen Pflanzenölen in Lebensmittelqualität ist ein Bestandteil Natronlauge – und die ist stark ätzend.

Aber was ist noch drin in einer Seife und wie wird sie eigentlich hergestellt? Für verschiedenen Seifen gibt es unterschiedliche Wege. Kaltrührverfahren nennt sich die traditionelle Technik, mit der Sylvia Söhnge seit etwa zehn Jahren Seife herstellt. Dafür erhitzt sie zuerst in einem Edelstahlschälchen feste Fette, Kokos- oder Palmöl, bis sie flüssig werden.

sp Siegen. Es duftet frisch, blumig, und ein bisschen beißt es auch in der Nase, wenn Sylvia Söhnge die unterschiedlichen Zutaten für ihre handgemachte Seife zusammen rührt. Wenn sie an ihrem Tisch in ihrem Laden in der Siegener Oberstadt mit der Kochplatte arbeitet, ist höchste Vorsicht geboten, denn neben harmlosen und gewöhnlichen Pflanzenölen in Lebensmittelqualität ist ein Bestandteil Natronlauge – und die ist stark ätzend.

Aber was ist noch drin in einer Seife und wie wird sie eigentlich hergestellt? Für verschiedenen Seifen gibt es unterschiedliche Wege. Kaltrührverfahren nennt sich die traditionelle Technik, mit der Sylvia Söhnge seit etwa zehn Jahren Seife herstellt. Dafür erhitzt sie zuerst in einem Edelstahlschälchen feste Fette, Kokos- oder Palmöl, bis sie flüssig werden. Ein Feuerlöscher steht neben ihr, falls sich das Fett doch in einem Moment der Unachtsamkeit zu stark erhitzt. Für den Fall der Fälle will sie vorbereitet sein und rät das auch allen, die das Seifeherstellen in den eigenen vier Wänden ausprobieren. Sind die festen Fette flüssig, kommen die flüssigen Öle hinzu. Dabei hält sie sich genau an die Maßangaben, 3 Gramm zu wenig oder zu viel könnten nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht

Dann ist höchste Konzentration gefragt. Söhnge zieht ihre Handschuhe an und ihre Schutzbrille auf. Auch im weiteren Verlauf wird mit ihnen gearbeitet, denn im nächsten Schritt kommt die Natronlauge (Natriumhydroxid) zu dem Öl-Gemisch, das eine Temperatur von ca. 50 Grad haben sollte. Ganz langsam, tröpfchenweise rührt die Seifenmacherin die ätzende Flüssigkeit ein. Die Dämpfe sollten dabei nicht eingeatmet werden. Spätestens hier: „Haustiere und Kinder haben währenddessen in der Küche nichts zu suchen“, sagt Söhnge, „auch Getränke und Lebensmittel stehen nicht daneben“. Man merke es nicht, wenn ein Tropfen der Lauge in ein Getränk gelange, aber man merke es spätestens, wenn man es trinke, warnt sie.

Der nächste Schritt erfordert Geduld. Etwa 40 Minuten lang muss die Masse, der sogenannte Seifenleim, gerührt werden, bis er eine Konsistenz hat wie „eine sämige Kartoffelsuppe“. In einer großen Produktion würde der Seifenleim in große Blöcke gegossen und später in kleine „Portionen“ geschnitten werden. Sylvia Söhnge füllt die noch flüssige Seife in kleine Silikonförmchen – „darin werden dann am Wochenende keine Kuchen mehr gebacken“.

Ätherische Öle und Blüten kommen hinzu

Erst am Ende werden gut duftende ätherische Öle wie Teebaum, Thymian oder Citrus hinzugefügt, „die haben zum Teil auch eine desinfizierende Wirkung“. Söhnge entscheidet sich für unterschiedliche Varianten, gibt wenige Tropfen von den Ölen in die Förmchen. Anschließend rührt sie behutsam getrocknete Blütenblätter unter, die eine reinigende, peelende oder wie Lavendel eine beruhigende Wirkung haben können.

24 Stunden muss die Masse in den Förmchen bleiben. In dieser Zeit findet ein chemischer Prozess statt, die Verseifung. Benutzt werden kann die Seife aber auch nach dem Aushärten nicht. Sechs bis acht Wochen muss sie in ein Trocknungslager, das kann ein trockener Kellerraum sein, damit sie Feuchtigkeit verliert. Außerdem verändert sich der pH-Wert. Er fällt von 14 (stark alkalisch) auf mildere 8,5. Dann kann die Seife genutzt werden und ihren vorgesehenen Zweck erfüllen.

Händewaschen schützt vor Infektionen

Gerade in diesen Tagen wird aufgrund des Coronavirus Handhygiene groß geschrieben. „Richtiges Händewaschen schützt vor ansteckenden Infektionen“, wirbt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Weitreichend verteilt hängen in Schulen, Büros und öffentlichen Gebäuden Hinweise, wie die Hände richtig zu reinigen sind. Und weil 20 Sekunden (so lange sollte das Händewaschen mindestens andauern) ganz schön lang sein können, wurde bereits empfohlen, zweimal „Happy Birthday“ zu singen. Handrücken, Daumen und Fingerspitzen sowie -zwischenräume sollten dabei nicht vergessen werden.

Fettlösende Wirkung

Coronaviren sind behüllte Viren, ihr Erbgut ist von einer Fettschicht umhüllt, deshalb reagieren sie empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Alkohole oder Tenside, die unter anderem in Seife vorhanden sind. Das schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Diese Substanzen können die Virusoberfläche beschädigen. Dr. med. Andreas Farnschläder, Hygienebeauftragter Arzt im St.-Marien-Krankenhaus in Siegen, erklärt, dass bei der Verseifung die fettlösenden Bestandteile entstehen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt, dass Flüssigseifen hygienischer sind als Seifenstücke, besonders in öffentlichen Waschräumen. Ein Seifenstück könne aber ohne Bedenken unter normalen Bedingungen in einem Privathaushalt verwendet werden, sagt Farnschläder. „Die Tensidkonzentration auf einem Stück Seife ist so hoch, dass die Population der Keime nicht weiter darauf wächst.“ Der Nachteil bei Flüssigseife sei, dass man die Spender oft nicht mit dem Ellenbogen betätigen könne. Deshalb müsse der Spenderkopf regelmäßig gesäubert werden, bei Nachfüllspendern das gesamte Gefäß, denn das Innere könne verkeimen, so der Mediziner. Für die Hygiene wichtig sei im Übrigen auch, sich die Hände nach dem Waschen ordentlich abzutrocknen und das Handtuch häufig zu wechseln.
Und wenn dann noch handgemachte Seife im Einsatz war, kommt auch die Pflege nicht zu kurz. Die ist laut Sylvia Söhnge nämlich eher gegeben als bei ihren industriell gefertigten Pendants.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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