„Hans der Entsorger” und sein Buch

Vater der Siegener Wertstoff-Container schrieb 300 Seiten:

Es hat viele Jahre gedauert und begann mit dem Bleistift – „Die Beschaffer” sind da

Siegen. „Hans der Entsorger” ist so ein Typ, der einen Blick dafür hat, wie aus Mülltonnen Kunst zu machen ist. Und das so etwas tatsächlich geht, hat er jahrelang bewiesen. Er hat Siegener Wertstoff- Depots (Glas, Papier usw.) etwas Futuristisches gegeben. Die Sammelbehälter im Ufo-Look samt außerirdischen Männchen, die stammen vom „Entsorger-Hans”. Hans Lauer, der gelernte Ingenieur mit starkem Hang zu Palette und Pinsel, stand bis Ende 1998 in Diensten des Stadtreinigungsamtes. Durch seine Initiative – und weit vor „Big Brother” – gewannen die Stadtreiniger europaweite Anerkennung in der Sparte Container-Kunst. So kamen Fachleute aus Frankreich und Finnland nach Siegen, um sich von Lauers mit künstlerischem Humor aufgepeppten „Altglas-Kisten” inspirieren zu lassen.

Vom unbürokratischen Ideenreichtum des Stadtbediensteten waren sie beeindruckt. Er brachte Farbe in die graue Entsorgung. Als er Ende 1998 in den Ruhestand ging, kündigte er verschmitzt an, dass „er noch ein dickes Ding” in petto habe. Dann war Schweigen. Im November 2000 lässt sich dazu Näheres sagen: Das „dicke Ding” ist ein Buch. 300 Seiten stark, Paperback, Kieselsteine mit einem Auge mittendrin – so das Cover. „Die Beschaffer” heißt das Buch, ein Roman. Der malende „Entsorger-Hans” hat seine zweite Hobby-Variante ins Spiel gebracht: Die Schriftstellerei.

1984 begann er seinen Roman mit Bleistift und Kugelschreibern. 1987 war die handgeschriebene Fassung „im Sack”: 640 Seiten - ein strammer Rohling. Mit der Schreibmaschine feilte ihn Lauer auf immer noch satte 400 Seiten zusammen. „Die erste Reinschriftfassung entstand im Zweifingersystem.” Und was passierte mit der Reinschrift? Lauer legte „den Packen Papier erst einmal in die Ecke.” Vision: „Im Ruhestand holst du es wieder heraus. Dann geht's weiter.” Es ging auch weiter. Erneutes Ändern des Werkes mit der Schreibmaschine. Wieder im bewährten System: Zeigefinger im Wechsel rauf und runter. Belächelt dabei von seinen drei Söhnen, die eines Tages einen Computer anschleppten. Mit diesem „High-Tech-Kugelschreiber” ging es natürlich viel flotter. Lauer lernte PC-Komfort schätzen. Von 400 Schreibmaschinenseiten blieben 300 PC-Seiten übrig: Die druckreife Endfassung stand nach rund 16 Jahren. Lauer: „Eine lange Zeit, aber es bedurfte vieler und langwieriger Recherchen.”

Lauers Wiege stand irgendwo im Schatten des Kölner Domes. Und dort spielt der „authentische Roman”. Nachkriegsliteratur: Die Jahre 1946 bis 1948 im Zeitraffer an einem Stück Rhein. Jahre des Hamsterns unter dem Druck der Besatzungsmacht England. 24 Monate Schicksale zwischen Trümmern und dämmernder Hoffnung, die Wiederaufbau heißt. Das allmähliche Abklingen der Verrohtheit. Liebesbeziehungen zwischen „kölschen Frolleins” und Soldiers von der Insel. Und dann sind da die brutalen Beschaffer: Hochgradig Kriminelle, eine auf Straßen und Schienen raubende Meute, zu deren Handwerk Mord und Totschlag gehören. Und das alles hat Lauer in einen Roman verpackt. „Satirisch eingefärbt und mit unsentimentalen Humor geschrieben”.

Hans Lauer will Schriftstellerei und Malen” als Hobby betreiben. Mehr soll es für den 63-Jährigen nicht sein und nicht werden. Hauptberuflich bleibt er „Diplom-Rentner mit Festanstellung bei der BfA in Berlin.” Von intensiver Arbeitsleistung natürlich freigestellt.

dige

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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