„Hat der Baum eine Seele?“

Prof. Dr. Arnd Wiedemann befragte während der Vorlesung auch die jungen Studierenden. Foto: ciu
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kk Siegen. Prof. Dr. Holger Burckhart ist seit Oktober 2009 Rektor der Universität Siegen. So richtig sieht man dem 53-Jährigen den Chef nicht an. Locker und leger nimmt er seine Termine wahr. „Kleidung macht keinen guten Rektor, sondern das, was er denkt und tut“ ist seine Überzeugung. Und was er denkt und tut führt derzeit an der heimischen Hochschule dazu, dass neue Strukturen entstehen. Aus zwölf Fachbereichen werden vier Fakultäten. Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen soll es dadurch leichter fallen, miteinander zu arbeiten und zu forschen und der Uni Siegen auf diese Weise ein ganz eigenes Erscheinungsbild zu geben.

Die Frage, wie das Miteinander von Menschen gestaltet werden kann, beschäftigt Holger Burckhart schon seit sehr langer Zeit. Nicht zuletzt aus diesem Grund wollte er „schon immer“ Lehrer werden. Der Umgang mit behinderten und benachteiligten Kindern lag ihm dabei besonders am Herzen. So peilte er seinerzeit den Beruf des Sonderschullehrers an. „Den Problemen war ich aber nicht gewachsen“, blickt er zurück. „Ich habe mit den Menschen gelitten, und ich konnte ihnen nicht so helfen, wie ich es gewollt hätte.“ Deshalb sattelte er um, studierte in Köln Lehramt für Sekundarstufe I und II in den Fächern Deutsch, Philosophie, Sport und Mathe. Nach dem Referendariat wechselte seine Berufsperspektive nochmals: „Aufgrund meiner Examensleistung wurde ich gefragt, ob ich promovieren wollte.“ Der Fragende war Philosophie-Professor, die Doktorarbeit dementsprechend stark philosophisch angehaucht. In dieser Arbeit beschäftigte sich Burckhart mit der Frage, welche Bedeutung die Sprache für die Menschen und deren Zusammenleben besitzt. Parallel zur Arbeit an der Hochschule unterrichtete er drei Jahre lang freiwillig und vertretungsweise an der Gesamtschule Chorweiler, einer riesigen Brennpunktschule. „Die Arbeit dort hat mich interessiert“, bringt er seine Motivation auf den Punkt. Der Abschluss der Doktorarbeit brachte für Burckhart aber auch das Ende der Schullaufbahn mit sich: „Ich hatte die Eintrittskarte in die Uni gelöst und bin als Lehrer und Forscher an der Universität geblieben.“ Der Beruf sei konstant und abwechslungsreich zugleich: „Ein Philosoph sitz im Wesentlichen am Schreibtisch, aber der Schreibtisch steht an wechselnden Orten.“ In Brasilien war der Vater zweier erwachsener Kinder tätig, in China, in Japan, der Schweiz und Norwegen. „Überall gab es ähnliche philosophische Fragen, aber andere Antworten.“ In Brasilien fehlte ihm die Frage nach der Natur als Ressource, in China erlebte er die Menschen als zu eng geführt, aus Japan aber nahm er die direkte Bindung zur Natur mit, die auch in seinem Kinderuni-Vortrag zum Thema „Hat der Baum eine Seele?“ eine wichtige Rolle spielt.

Sein Interesse für menschliches Miteinander brachte ihn schließlich an die Spitze der Universität Siegen. „Neben der Wissenschaft muss man sich Gedanken darüber machen, wie das Miteinander der Menschen an Universitäten organisiert sein soll.“ Ein Professor, der beispielsweise intensiv über ein Thema forsche, müsse für diese Arbeit optimale Bedingungen haben, aber auch dafür, seinen Studierenden eine gute Lehre zu bieten. Hinzu kämen Gedanken, wie denn die Uni, an der man arbeite, aufgestellt sein solle. Wenn man sich frühzeitig mit solchen Ideen in die Hochschul-Gremien einbringe, habe man die Chance, einmal Rektor zu werden und zu gestalten. Nur: „Als Rektor hat man keine Zeit mehr für die Forschung, und der Kontakt zu den Studierenden fehlt“, bringt er ihm wichtige Nachteile auf den Punkt. Rektor ist ein ziemlich zeitaufwendiger Job. Dennoch muss es ein Leben abseits des Schreibtisches geben. Eine wichtige Rolle spielt für Holger Burckhart dabei das Wasser. Seit seinem 14. Lebensjahr begeistert er sich fürs Segeln. Diese Vorliebe führt er auf seine Familie und deren schwedische Wurzeln zurück. Geboren wurde er bei Avesta. Erst im Alter von drei Jahren kam Burckhart nach Deutschland. Er war er auf einem Bauernhof im Hunsrück daheim, besuchte dort die achtklassige Dorf-Volksschule. Zum dritten Schuljahr wechselte der Sohn eines Verwaltungsbeamten und einer Chemikerin in seine künftige Heimatstadt Köln. Zurück zum Wasser: Ist Burckhart nicht mit seiner Familie – dazu gehört mittlerweile auch Enkel Fynn – auf dem Segelboot unterwegs, genießt er Auszeiten an Meer und Strand.

Zum Ausspannen und Ideensammeln in hektischer Zeit hat sich Burckhart ein weiteres Hobby auserkoren: „Jeden Morgen ab 5 Uhr jogge ich 15 Kilometer.“ Und weiter: „Ich laufe aber nicht gegen, sondern mit der Uhr.“ Beim Laufen kämen die Ideen. Wahrscheinlich auch die für die Kinderuni-Vorlesung.

Dass auch junge Menschen Philosophie angeht, davon ist er überzeugt. Es gehe schließlich für jedermann – ob jung oder alt – um die existenzielle Frage „Wie führe ich mein Leben, und wie führe ich es so, dass es mit dem Leben der Anderen zusammenkommt?“. Diese zentrale Frage der Lebenskunst stammt aus der Philosophie der Antike und hat nichts an Aktualität verloren. Gleiches gilt für die Frage nach der Existenz der Seele. Diese stellte schon Aristoteles. Was unterscheidet Lebendiges und nicht Lebendiges – beispielsweise Mensch, Baum und Stein? Auf die Kinderuni-Kinder warten spannende Antworten und Einblicke.

Prof. Dr. Arnd Wiedemann befragte während der Vorlesung auch die jungen Studierenden. Foto: ciu

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