SZ

Kein Impfzentrum in Wittgenstein
Hausärzte zum Impfen bereit - aber die Politik nicht

Wer erhält ab 5. April in den Praxen den ersehnten Piks? Ärzte und Patienten warten auf Antwort.
  • Wer erhält ab 5. April in den Praxen den ersehnten Piks? Ärzte und Patienten warten auf Antwort.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nja/cv Siegen/Bad Berleburg. Der Kampf gegen das Coronavirus ist kein Sprint, sondern gerät immer mehr zum Marathon. Mit Hindernissen, die den Zieleinlauf immer wieder zeitlich in die Ferne schieben. Das Gros der Menschen wartet sehnlichst auf ein „Impfangebot“. Montagnachmittag rückte dies nicht nur für Patienten des Kreuztaler Hausarztes Dr. Ala Alzeer wieder weiter in die Zukunft. Der Allgemeinmediziner hatte sich wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen um einen frühzeitigen Impfstart beworben. Ab dem 29. März, also „schon“ ab Montag nächster Woche, hätten AstraZeneca und Co. in ersten Praxen gespritzt werden können. Die Absage kam per Mail: Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KV) teilte mit, aufgrund des „vorgezogenen Starts des Impfens in der Praxis ab dem 5.

nja/cv Siegen/Bad Berleburg. Der Kampf gegen das Coronavirus ist kein Sprint, sondern gerät immer mehr zum Marathon. Mit Hindernissen, die den Zieleinlauf immer wieder zeitlich in die Ferne schieben. Das Gros der Menschen wartet sehnlichst auf ein „Impfangebot“. Montagnachmittag rückte dies nicht nur für Patienten des Kreuztaler Hausarztes Dr. Ala Alzeer wieder weiter in die Zukunft. Der Allgemeinmediziner hatte sich wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen um einen frühzeitigen Impfstart beworben. Ab dem 29. März, also „schon“ ab Montag nächster Woche, hätten AstraZeneca und Co. in ersten Praxen gespritzt werden können. Die Absage kam per Mail: Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KV) teilte mit, aufgrund des „vorgezogenen Starts des Impfens in der Praxis ab dem 5. April“ erhalte das Land NRW „leider nicht ausreichend Dosen“. Wie berichtet, sollen nach Ostern alle Arztpraxen pro Woche zunächst rund 20 Patienten impfen können. Dieser Termin scheint zumindest noch zu stehen.

Kreis: Impfung für Menschen mit besonderen Vorerkrankungen

Wer genau darf dann auf den Sicherheit verheißenden Piks hoffen – und wie finden Mediziner und Patienten hierfür zusammen?  Der Kreis Siegen-Wittgenstein berichtete Montagabend: Der NRW-Erlass besage, dass Personen mit Pflegegrad 4 und 5 (und bis zu zwei Kontaktpersonen) zuhause von den Hausärzten geimpft werden sollen. Dies gelte auch für weitere bettlägerige Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben. Zudem sollen die Hausärzte Personen mit besonderen Vorerkrankung impfen. Die Priorisierungsgruppe I werde auch Anfang April noch nicht abgeschlossen sein.

Kein Impfzentrum für Wittgenstein

Für Landrat Andreas Müller ist die Beteiligung der Hausärzte an den Coronaschutzimpfungen der lange geforderte Einstieg in eine dezentrale Strategie. Für den Kreis ergebe sich damit auch nicht mehr die Notwendigkeit, eigene dezentrale Impfangebote aufzubauen. „Zumal dafür auch gar kein Impfstoff mehr zur Verfügung gestellt wird. Zusätzliche Impfstelle und die Zusammenarbeit mit Schwerpunktpraxen waren vom Land ermöglicht worden, um zusätzliche Kapazitäten für einen Zeitraum ab April zu schaffen, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Allerdings haben Bund und Länder zwischenzeitlich vereinbart, dass die Mengen für die Impfzentren auf dem aktuellen Stand eingefroren werden sollen und künftige zusätzliche Liefermengen an die Hausärzte gehen werden. Ein Ausbau der Kapazitäten in den Impfzentren oder die Einrichtungen von zusätzlichen Impfstellen ist deshalb hinfällig.“

Was sagen die Mediziner zum Impfstart in ihren Praxen? „Wir Ärzte wissen auch nicht mehr, als in der Zeitung steht“, fasste es Dr. Dr. Charles Adarkwah von den Family-Docs Kreuztal zusammen. Melden sich die Patienten beim Arzt? Oder informiert der Doktor, wer zum Zuge kommt? Fragen, auf dies es offensichtlich noch keine Antwort gibt. Er gehe davon aus, dass Menschen der sogenannten Priorität II, also über 70-Jährige und Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen, eine der wöchentlich 20 in Aussicht gestellten Impfdosen erhalten dürften, sagt Adarkwah. Bei den Family-Docs seien dies rund 2000 Männer und Frauen. Hinzu kämen natürlich die über 80-Jährigen, die bisher durchs Raster gefallen sind: „Ich würde mir wünschen, dass wir pro Wochen zwischen 500 und 1000 Impfungen durchführen dürfen.“

Viele Patienten fragen nach

Die Anfragen aus der Patientenschaft häuften sich, er spricht von einem „exponentiellen Wachstum“: Die Menschen wollen wissen, wann sie dran kommen. „Einige denken, wir horten die Vakzine schon und könnten sie doch mal eben schnell verabreichen.“ Wenn ausreichend Stoff vorhanden wäre, so Dr. Adarkwah, „bin ich für eine Aufhebung der Prioritätenregel. Dann sollten sich alle melden können, die eine Impfung wollen.“ Dass die KV vergangene Woche mitteilte, die Ärzte sollten noch keine Atteste für chronisch Erkrankte erstellen, da diese noch nicht an der Reihe seien, sorgte in Krombach für Stirnrunzeln. „Wir sollen unsere Patienten um Geduld bitten, bis die öffentliche Einladung des Landes erfolgt.“

Piks im Anschluss an die Sprechstunde?

Auch sein Kreuztaler Kollege Dr. Alzeer legt den Finger in eine weitere Wunde des Systems: Der Wust an Dokumentation, der mit der Impfung einher geht, sei nicht zu unterschätzen. Einfacher handhabbar wäre es für ihn, wenn der Arzt die jeweils infrage kommenden Patienten anspreche: „Wenn alle Interessierten hier anrufen – das wird nicht funktionieren!“ Wann wird geimpft? Mit Blick auf die vorherige Aufklärung, Dokumentation und anschließende Überwachung sei dies während des normalen Praxisalltags „schwierig, aber machbar“. Eine Alternative wäre der Piks im Anschluss an die Sprechstunde. Eine Belieferung via Apotheke kann er sich gut vorstellen. So könnten vielleicht ja auch Wunschtermine abgestimmt werden.

Hausärzte sind auf  das Impfen vorbereitet

Sind die Hausärzte für den Impfstart in ihren Praxen vorbereitet? Ein klares „Ja!“ kommt von dem Erndtebrücker Mediziner Dr. Oliver Haas: „Das Impfen können wir natürlich umsetzen. Nur sind 20 Dosen pro Woche der Tropfen auf den heißen Stein. Das verimpfen wir in einer Stunde. So brauchen wir zwölf Jahre, um alle Patienten zweimal zu impfen. Das kann so wirklich nicht bleiben.“ Der Hausarzt deutet an, dass man die Wittgensteiner Impfstelle dann vielleicht nicht brauchen werde. „Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir einfach viel zu wenig Impfstoff haben. Wenn sich das nicht ändert, dauert es Jahre, bis wir auf dem Stand von England oder Israel sind. Ich sehe das Versagen ganz klar bei der Beschaffung des Impfstoffes seitens der Politik, die uns ja immer sagt, was wir müssen und dürfen, und dabei zu keiner kritischen Selbstreflektion in der Lage zu sein scheint.“  Die Patienten könnten sich, sobald der Impfstoff in den Praxen zur Verfügung steht, telefonisch anmelden. „Allerdings sind die Einzelheiten, wie etwa die Impfreihenfolge, noch nicht vollständig geklärt“, so Dr. Oliver Haas.
Auch die KV hatte am Montag nichts Erhellendes mitzuteilen: Es sei korrekt, „dass wir die Ärzte noch nicht über das weitere Vorgehen informieren konnten, weil wir selbst auf Entscheidungen und Informationen des NRW-Gesundheitsministeriums warten“. Sobald die politischen Entscheider alle Detailfragen geklärt hätten, „werden wir unsere Mitglieder umgehend in Kenntnis setzen.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Spar-Abo der Siegener Zeitung
Schnell abonnieren und bares Geld sparen!

Das Abonnement der Siegener Zeitung ist der bequemste Weg, um jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten aus Siegen, dem Siegerland, Wittgenstein, Altenkirchen und Olpe zu in kompakter Form zu lesen ‒ als gedruckte Zeitung direkt aus dem Briefkasten oder als digitale Version in Form eines E-Papers. Das E-Paper lesen Sie bequem am PC oder ganz mobil mit unserer App für Android und Apple. Schnell Abo buchen und bares Geld sparenSchnell sein lohnt sich jetzt, denn je früher Sie bestellen, desto mehr...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen