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Verbannung in die Fludersbach
Heimatstube sucht neue Heimat

Der Rübezahl ist der Berggeist des Riesengebirges und auch in diversen Formen Exponat in der „Ostdeutschen Heimatstube“ in Neunkirchen.
  • Der Rübezahl ist der Berggeist des Riesengebirges und auch in diversen Formen Exponat in der „Ostdeutschen Heimatstube“ in Neunkirchen.
  • Foto: Sarah Panthel
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

rö/ch Siegen/Neunkirchen. Aktive Erinnerung an Heimat kann anstrengend sein – und manchmal gar weh tun. Diese Erfahrung müssen die Mitglieder des Bundes der Vertriebenen, der Siegener Herder-Bibliothek, der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU und viele andere Interessierte an der (Kultur-) Geschichte des ehemaligen deutschen Ostens zwischen Ostsee und Riesengebirge immer wieder machen. Jüngst etwa beim Treffen in der „Ostdeutschen Heimatstube“ in Neunkirchen, genau 70 Jahre nach der Verkündigung der Charta der Vertriebenen in Stuttgart mit dem darin festgeschriebenen Verlangen auf das Recht auf Heimat und dem Willen zur Mitarbeit zur Entstehung eines geeinten Europas.

rö/ch Siegen/Neunkirchen. Aktive Erinnerung an Heimat kann anstrengend sein – und manchmal gar weh tun. Diese Erfahrung müssen die Mitglieder des Bundes der Vertriebenen, der Siegener Herder-Bibliothek, der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU und viele andere Interessierte an der (Kultur-) Geschichte des ehemaligen deutschen Ostens zwischen Ostsee und Riesengebirge immer wieder machen. Jüngst etwa beim Treffen in der „Ostdeutschen Heimatstube“ in Neunkirchen, genau 70 Jahre nach der Verkündigung der Charta der Vertriebenen in Stuttgart mit dem darin festgeschriebenen Verlangen auf das Recht auf Heimat und dem Willen zur Mitarbeit zur Entstehung eines geeinten Europas.

Verbannung in die Fludersbach

Es wurde den ins Alter gekommenen Akteuren einmal mehr bewusst, dass gerade das letzte Jahrzehnt, was die öffentliche Resonanz auf ihre Anliegen betrifft, „eher ein schmerzliches Jahrzehnt ist“, so Hella Giesler, Leiterin der Siegener BdV-Frauengruppe der Ost- und Westpreußen. „Räumlich hat man uns vonseiten der Stadt Siegen in den Fludersbacher Seilereiweg verbannt. Fernab vom Zentrum, wo eigentlich niemand außer uns Vertriebenen selbst von uns Notiz nimmt. Dazu kommt, dass man große Teile unserer kulturellen Schätze, die die frühere großartige Büchersammlung der Siegener Herder-Bibliothek im Dachgeschoss der ehemaligen Weidenauer Bismarckschule beherbergte, 2009 unter kommunaler Regie teilweise achtlos an verschiedene Orte gebracht hat“, so Giesler weiter. Im Vergleich zum Seilereiweg sei „das hier in Neunkirchen wirklich ein Kleinod in Sachen Erinnerungsstätte an den ehemaligen deutschen Osten“. Schließlich fände der Besucher dort noch soviel mehr „als nur Bücher und andere literarische Quellen“, lobt Giesler.

Zukunft außerhalb Siegens?

Ihre Bestandsaufnahme: Die Heimatstube braucht eine neue Heimat, vielleicht auch außerhalb der Krönchenstadt. Und die Heimarbeit braucht engagierten Nachwuchs: Jahr für Jahr wird die Liste der verstorbenen Zeitzeugen länger. Umso dringlicher wird es werden, die noch vorhandenen Zeitzeugen so schnell wie möglich audio- bzw. videotechnisch über ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen im ehemaligen ostdeutschen Raum zu Wort kommen zu lassen. Zugleich böten sich auch andere Formate an, umso verstärkt die Enkel- und Urenkelgeneration der einstigen Vertriebenen wieder vermehrt auf deren Schicksal neugierig zu machen, so Norbert Gorlts Hoffnung. Denn Fakt sei, „dass nicht zuletzt in vielen Vertriebenenfamilien der Austausch zwischen den einzelnen Generationen über das Thema Vertreibung oftmals auf der Strecke geblieben ist“, erklärt der Leiter der Neunkirchener Heimatstube.
Vor allem viele Frauen hätten viel zu oft geschwiegen. Etwa darüber, wie sie auf der Flucht nach Westen von russischen Soldaten vergewaltigt worden waren.

Schamgefühl bis zum Lebensende

Bekannt ist inzwischen auch, dass viele von ihnen diese Vergewaltigungen nicht überlebt haben und dass andererseits viele der Überlebenden zeitlebens mit gesundheitlichen Folgen zu kämpfen hatten. Und wenn es gesundheitlich auch ohne sichtbare größere Folgen geblieben war, so blieb bei vielen bis zum Lebensende ein großes Schamgefühl. Daneben bedarf es genauso dringend einer Rückbesinnung auf große kulturelle Lichtgestalten aus dem einstigen deutschen Osten, sagt Monika Dörner-Lipinski vom CDU-Kreisverband der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung. Viele von ihnen seien im Zuge anti-konservativer Ansätze mitunter völlig zu Unrecht als Nazi-Steigbügelhalter diffamiert worden. Doch nun, auch unter dem geweiteten Blick für ein gemeinsames zukünftiges Europa werde es Zeit, sich wieder vermehrt mit diesen einstigen „Verbannten“ zu beschäftigen, betont Adolf Jugert.
„Und was speziell das Siegerland betrifft, sollten nicht die einst engen Beziehungen zwischen hier und Ostpreußen im Zuge des Modells Siegerländer Wiesenbau vergessen werden. Es waren hiesige Wiesenbaumeister, die im ehemaligen Ostpreußen lehrten, wie man die dortigen weiten Sumpfflächen nutzbringend für die Landwirtschaft umgestalten konnte“ ergänzt Lutz Giesler (Herder-Bibliothek).

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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