SZ-Plus

Gratis-Masken für Risikopatienten
Heimische Apotheker monieren "Schnellschluss der Politik"

Apotheker Dr. Christof Werner hat derzeit alle Hände voll damit zu tun, genügend FFP2-Masken zu ergattern. Die sollen in wenigen Tagen an Risikopatienten ausgegeben werden – genau das wird eine Herausforderung für ihn und seine Kollegen.
  • Apotheker Dr. Christof Werner hat derzeit alle Hände voll damit zu tun, genügend FFP2-Masken zu ergattern. Die sollen in wenigen Tagen an Risikopatienten ausgegeben werden – genau das wird eine Herausforderung für ihn und seine Kollegen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen. „Haben Sie schon die Schutzmasken?“ Die junge Mutter, die mit ihrem erkälteten Kind sicherheitshalber vor dem Eingang der Hilchenbacher Stadtapotheke bedient wird, hat die 60 noch lange nicht erreicht – zählt aber mutmaßlich zu den Risikopatienten, die sich den gefilterten Gratis-Schutz besorgen möchten, den Gesundheitsminister Jens Spahn versprochen hat. Man sieht es ihr nicht an. Nein, erfährt sie an diesem Freitagvormittag. Frühestens ab dem 15. Dezember können die drei in Aussicht gestellten FFP2-Masken ausgegeben werden, nicht vor dem kommenden Dienstag also. Mit ihrer Frage ist die Kundin keinesfalls allein, und sie ist bei weitem nicht die erste.

js Siegen. „Haben Sie schon die Schutzmasken?“ Die junge Mutter, die mit ihrem erkälteten Kind sicherheitshalber vor dem Eingang der Hilchenbacher Stadtapotheke bedient wird, hat die 60 noch lange nicht erreicht – zählt aber mutmaßlich zu den Risikopatienten, die sich den gefilterten Gratis-Schutz besorgen möchten, den Gesundheitsminister Jens Spahn versprochen hat. Man sieht es ihr nicht an. Nein, erfährt sie an diesem Freitagvormittag. Frühestens ab dem 15. Dezember können die drei in Aussicht gestellten FFP2-Masken ausgegeben werden, nicht vor dem kommenden Dienstag also. Mit ihrer Frage ist die Kundin keinesfalls allein, und sie ist bei weitem nicht die erste.

Kunden standen bereits Mitte der Woche Schlange vor den Apotheken

Schon kurz, nachdem der Referentenentwurf der Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung (SchutzmV) Mitte der Woche bekannt wurde, standen bundesweit die ersten Kunden Schlange, um sich einzudecken.
Die rechtliche Basis für die Ausgabe der Masken steht noch aus. Das Gesundheitsministerium sieht einen Startschuss am 15. Dezember vor. Ab dann haben geschätzt 27 Millionen Bundesbürger Anspruch auf jeweils 15 Schutzmasken. Von Mitte bis Ende Dezember gibt es drei Stück pro Person, ohne Zuzahlung. Für den Zeitraum Januar bis Februar stehen ihnen einmalig sechs weitere Masken zu – dann mit Zuzahlung von 2 Euro und nur mit einem von der Krankenkasse ausgestellten, fälschungssichere Gutschein. Bis Mitte April stehen ihnen weitere sechs Schutzmasken gegen Gutschein und Zuzahlung zu.
Anspruch auf einen Satz Masken haben ab kommender Woche alle in Deutschland lebenden Männer und Frauen ab 60 sowie Menschen mit bestimmten Erkrankungen oder Risikofaktoren (beispielsweise chronische Herz- oder Niereninsuffizienz, Diabetes, Krebserkrankungen, Schlaganfall, Risikoschwangerschaft).

Apotheker Dr. Christof Werner aus Hilchenbach appelliert an die Patienten

„Wir bitten die Patienten, auch nach Inkrafttreten nicht sofort und alle zugleich in die Apotheken zu eilen“, sagt der Hilchenbacher Apotheker Dr. Christof Werner als Vorsitzender der Bezirksgruppe Siegen-Wittgenstein im Apothekerverband Westfalen-Lippe. Er und seine Kollegen könnten nur die Masken verteilen, die sie auf dem Markt beschaffen können. „Das gehe nicht alles an einem Tag.“ Zudem müsse man gerade in der Pandemiesituation einen Ansturm und Gedränge vor den Apotheken vermeiden. Außerdem müssten die Apothekenteams neben der Maskenausgabe noch die tägliche Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln stemmen. „Das wird eine große Herausforderung.“
Christof Werner hat dieser Tage gut damit zu tun, sich für den bevorstehenden Ansturm zu wappnen, das heißt: Tausende von Masken bei seinen Lieferanten zu bestellen und einen Plan für die Verteilung auszuhecken. „Das ist wieder einmal so ein Schnellschuss der Politik“, moniert Werner. Er erwartet jede Menge Zusatzarbeit, fürs Verpacken, Austeilen und Nachhalten. Nicht jeder Anspruchsberechtigte dürfte schon am ersten Tag zum Zug kommen. Bis dahin würden sehr wahrscheinlich noch nicht genügend Masken vorrätig sein. Apropos Anspruch: Woher wissen die Apotheken eigentlich, wer einen solchen hat? „Bei den über 60-Jährigen ist es einfach“, sagt Christof Werner. Erkrankungen und Riskofaktoren ließen sich hingegen nicht einfach so am Personalausweis ablesen. Am besten solle man in seine Stamm-Apotheke gehen. „Dort kennt man die Kunden und weiß, dass sie einen Anspruch haben.“

Hoffen auf den Anstand der Leute

Dass mit der Maskenausgabe auch Missbrauch betrieben werden kann, sei leider nicht auszuschließen. Man müsse damit rechnen, dass Menschen „Apotheken-Hopping“ betreiben, um sich mehr Masken zu besorgen, als ihnen zustehen. Dagegen gibt es offenbar kein Rezept. „Wir müssen einfach auf den Anstand der Leute hoffen, dass sie nicht anderen die Masken wegnehmen.“
Bei der Qualität der Schutzmasken sehen die Apotheker genau hin – so gut es eben geht. Denn: Ausgegeben werden können FFP2-Masken, aber auch (K)N95-Masken, deren Filterfunktion vergleichbar ist. Dr. Christof Werner prüft bei den eingehenden Masken die vierstellige CE-Nummer, vollzieht nach, an welcher europäischen Prüfstelle sie getestet wurden. „Eine technische Prüfung ist uns selbst nicht möglich.“ Völlig auszuschließen sei nicht, dass auch mangelhafte Produkte auf den Markt kommen. Sollten bei der Lieferung Ungereimtheiten auftreten, geht die Ware zurück. „So etwas würde ich nicht an die Kunden ausgeben.“ Vorschriftsmäßig werden die Masken übrigens stets mit einer Herstellerangabe und Gebrauchsanweisung ausgegeben.
Bleibt ein Hinweis zum Schluss: „Die Masken senken zwar das Risiko einer Ansteckung erheblich, sie bieten aber keinen 100-prozentigen Schutz.“ Auch mit Maske sei vor allem eins geboten: Vorsicht.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern.
4 Bilder

SZ-Abo vermitteln und Prämie aussuchen
Tolle Geschenke für den Lockdown-Alltag

Es ist die klassische Win-win-Situation: Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern. Vermitteln Sie uns einen neuen Abonnenten - und wir bedanken uns mit einem dieser tollen Geschenke. Wir möchten Ihnen den Pandemie-Alltag im eigenen Zuhause erträglicher machen und haben uns deshalb besondere Prämien für Homeoffice, Lockdown und Co....

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen