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Läden im Lockdown
Heimischer Einzelhandel sieht schwarz

Da helfen fette Rabatte oder „Click & Collect“-Angebote kaum weiter: Der Einzelhandel muss auf Umsätze warten.
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ap Siegen/Olpe. Der heimische Einzelhandel kann mit den Ergebnissen des Corona-Gipfels kaum etwas anfangen. Eine schnelle Lockerung der Regeln hatten die kleinen und großen Läden natürlich nicht erwartet. Auf Unmut stößt allerdings, dass es noch nur vage Aussagen dazu gibt, unter welchen Bedingungen die Türen der Geschäfte wieder geöffnet werden können. Der nächste Öffnungsschritt solle bei einer „stabilen Sieben-Tage-Inzidenz“ von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern getan werden, heißt es von der Landesregierung in Düsseldorf. Bundeskanzlerin Merkel sprach ergänzend von drei Tagen Zeitspanne – konkreter ist das Öffnungsszenario noch nicht. Nur so viel: Im Einzelhandel würde dann gelten, dass pro 20 Quadratmeter Fläche maximal eine Person im Laden erlaubt ist.

ap Siegen/Olpe. Der heimische Einzelhandel kann mit den Ergebnissen des Corona-Gipfels kaum etwas anfangen. Eine schnelle Lockerung der Regeln hatten die kleinen und großen Läden natürlich nicht erwartet. Auf Unmut stößt allerdings, dass es noch nur vage Aussagen dazu gibt, unter welchen Bedingungen die Türen der Geschäfte wieder geöffnet werden können. Der nächste Öffnungsschritt solle bei einer „stabilen Sieben-Tage-Inzidenz“ von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern getan werden, heißt es von der Landesregierung in Düsseldorf. Bundeskanzlerin Merkel sprach ergänzend von drei Tagen Zeitspanne – konkreter ist das Öffnungsszenario noch nicht. Nur so viel: Im Einzelhandel würde dann gelten, dass pro 20 Quadratmeter Fläche maximal eine Person im Laden erlaubt ist. Das umschreibt den Einstieg in den Ausstieg aus dem Lockdown. Genügt dies?

Meinungen aus der Region

Georg Spielmann von der „Dreimann“-Buchhandlung und der Bücherstube Hachmann, Olpe: „Ich persönlich finde, die Gesundheit hat Vorrang. Wenn es nötig ist, den Lockdown zu verlängern, muss das auch gemacht werden. Wir als Buchhändler sind bis hierhin mit einem blauen Auge davongekommen. Die Leute lesen durch den Lockdown mehr und auch unser Lieferservice, den wir seit Jahren etabliert haben, hat sich jetzt bezahlt gemacht. Alle Kollegen, die heutzutage keinen Onlineshop haben, haben natürlich ein Problem.“

Katastrophaler Zustand

Tina und Mark Laarmann, Das Haus, Olpe: „Unsere Gedanken zur Verlängerung des Lockdowns sind absolut vielschichtig. Auf der einen Seite wünschen wir uns natürlich, alles dafür tun zu können, dass das Infektionsgeschehen abflacht und die Pandemie weiter eingedämmt wird. Aber so geht es nicht weiter. Wir werden von allen Seiten im Stich gelassen und erhalten nichts von versprochenen Förderungen und Unterstützungen. Wir kämpfen seit Monaten jeden Tag gefühlt rund um die Uhr, haben einen neuen und sehr aufwändigen Onlineshop auf die Beine gestellt, verkaufen unsere Ware über Instagram und haben trotzdem so gut wie keine Chance, diese Zeit zu überleben. Lieferanten können nicht bezahlt werden, unsere Angestellten sind in Kurzarbeit und die Winterware, die wir bei der Wiedereröffnung im Sale verkaufen würden, wird Mitte März niemanden mehr interessieren. Der Zustand ist für uns katastrophal und wir können inzwischen nicht mehr sagen, ob wir unsere Türen jemals wieder öffnen werden.“

Frühere Öffnung für kleinere Geschäfte besser gewesen

Daniel Bätzing von Ausdauer, Betzdorf und Absolute Run Ausdauer, Siegen: „Jeder Tag, den wir geschlossen haben, ist ein wirtschaftliches Problem. Ich finde es aber gut, dass wir nun bei niedriger Inzidenz eine verlässliche Aussage der Politik zur Wiedereröffnung haben. Allerdings wäre vielleicht eine frühere Öffnung mit bestimmten Kundenbegrenzungen auf der Fläche oder mit Terminvereinbarung für die kleineren Geschäfte eine bessere Lösung gewesen.“
Stephanie Boller, Storefolk, Siegen: „Die Verlängerung des Lockdowns führt bei uns kleinen Handelsunternehmen zu Unverständnis. Mit dem Wissen, dass der Einzelhandel nicht das Problem darstellt (Aussage von Herrn Spahn Anfang September) und dieser nicht noch einmal geschlossen werden muss, haben wir die neue Ware für die kommenden Saisons wie gewöhnlich geordert. Nun stehen wir mit dem Rücken an der Wand, denn die Ware ist schon da oder auf dem Weg und muss bezahlt werden. Wir haben aber nun insgesamt vier Monate Lockdown – das bedeutet: keine staatlichen Hilfen, kein Umsatz und es geht perspektivlos weiter. Die Gefahr einer Ansteckung in Geschäften wie meinem ist deutlich geringer als bei körpernahen Dienstleistungen. Wir sind bereit, mit innovativen Lösungsvorschlägen zu reagieren. Warum bekommen wir nicht die Möglichkeit, unter Auflage der gängigen Hygienekonzepte unsere Geschäfte nach Termin für unsere Kunden zu öffnen? Uns fehlt die Perspektive.“

Ungerechte Entscheidung

Isabel Kring, Boutique Celine, Wilnsdorf: „Ich finde die Entscheidung nicht gut. Es ist einfach ungerecht, dass Friseure aufmachen dürfen und wir nicht. Der Abstand ist bei uns doch viel mehr gegeben. Unser kleiner Onlineshop rettet uns leider auch nicht. Wir sind kein Breuninger, H & M oder sonst was. Hinzu kommt, dass ich für dieses Jahr mehr bestellt habe als für das Vorjahr, weil ich dachte, man kann endlich wieder mehr unternehmen. Aber so lange nichts auf hat, brauchen die Leute keine neuen Sachen. Wofür braucht man im Homeoffice ein schickes Kleid? Wenn der Lockdown noch länger als einen Monat geht, weiß ich nicht, ob wir das durchhalten. Und es ist ja nicht nur das Finanzielle. Die Situation zieht mich auch psychisch total runter. Das, was ich eigentlich liebe, kann ich nicht machen. Der Kontakt zu meinen Kunden fehlt vollkommen. Das frustet.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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