„Heimkehr schwerer als Abschied“

 In ihrer Zimmererkluft überwand Andrea Zielenbach nach dreieinhalb Jahren das Ortsschild zum zweiten Mal, diesmal in Richtung Hillmicke.   Im „Spinnermarsch“ zogen die Gesellen von Wendenerhütte nach Hillmicke.  Über 100 Hillmicker und ehemalige fahrende Gesellen warteten geduldig auf die Heimkehr von Andrea Zielenbach, die am Samstag von ihrer „Walz“ zurückkehrte.
  • In ihrer Zimmererkluft überwand Andrea Zielenbach nach dreieinhalb Jahren das Ortsschild zum zweiten Mal, diesmal in Richtung Hillmicke. Im „Spinnermarsch“ zogen die Gesellen von Wendenerhütte nach Hillmicke. Über 100 Hillmicker und ehemalige fahrende Gesellen warteten geduldig auf die Heimkehr von Andrea Zielenbach, die am Samstag von ihrer „Walz“ zurückkehrte.
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win - Mindestens drei Jahre und einen Tag, so die alte Sitte, musste sie „fremdgeschrieben“ bleiben, von ihrem Heimatdorf mindestens 50 Kilometer Abstand halten und sich an vielen Arbeitsstellen bis zu drei Monate lang verdingen.

Im ersten Jahr stand ihr Deutschland offen, im zweiten Europa, im dritten die ganze Welt – und Andrea Zielenbach nutzte diese Chance. Ihre Reise führte sie arbeitend und wandernd bis Vietnam und Neuseeland.

Mit 24 zog sie los, 28-jährig kehrte zurück: Andrea Zielenbach hatte ihre „Walz“ ein gutes halbes Jahr verlängert. Und in Hillmicke herrschte eine Art Volksfest. Familie, Freunde, Verwandte und viele ehemalige reisende Handwerksgesellen, die sie auf ihren Wanderjahren kennengelernt hat, die aber inzwischen wieder „einheimisch gemeldet“ sind, hatten sich nach Hillmicke aufgemacht und sich am Ortsschild versammelt – dem Ort, der für die Abreise und die Wiederkehr der fahrenden Gesellen besondere Bedeutung hat. Auch ein Kleinbus aus der Schwäbischen Alb war eingetroffen mit Mitarbeitern einer Firma, in der Andrea Zielenbach auf ihrer „Walz“ gearbeitet hatte.

Mit einer Gruppe von über 40 fahrenden Gesellen kam Andrea Zielenbach schließlich zu Fuß die Poststraße von Wendenerhütte hinauf – im „Spinnermarsch“, in Schlangenlinien, immer wieder von Pausen unterbrochen, in denen die Gesellen tranken und „schallerten“, wie das Absingen alter Gesellenlieder in ihrer Sprechweise heißt.

Am Ortsschild sangen die Handwerker „Heute hier, morgen dort“ und bildeten dann mit ihren „Stenzen“, den urwüchsigen Wanderstäben, eine Treppe, auf der Andrea Zielenbach zum Ortsschild hinaufkletterte, es überwand und sich dann in die Arme von Freunden und Familie fallen ließ. Auf dem Schild sitzend, hatte sie den weit über 100 Versammelten zugerufen: „Wir ihr seht, ist die Heimkehr viel schwerer als der Abschied“. Wieder am Boden, fiel sie ihrer Mutter Ruth, ihrem Vater Heinz, ihren Geschwistern Matthias, Theresa und Tina und vielen Freunden um den Hals. Dann hieß es noch einmal kurz arbeiten. Eine Flasche Schnaps, aus der sie vor dreieinhalb Jahren den ersten Schluck genommen hatte, war drei Schritte vom Ortsschild entfernt auszugraben. Bis in die Nacht fand am Hof Zielenbach in einem eigens errichteten Zelt ein rauschendes Fest zur Heimkehr statt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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