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Weltflüchtlingstag am 20. Juni
Helfen in der Heimat

Fünf Sprachen spricht Gedi Metan: Englisch, Französisch, Arabisch, Deutsch und Somali. Er dolmetscht, unterstützt und betreut Flüchtlinge in der Region. „Mich macht das einfach glücklich“, lächelt der 56-Jährige aus der Krönchenstadt.
  • Fünf Sprachen spricht Gedi Metan: Englisch, Französisch, Arabisch, Deutsch und Somali. Er dolmetscht, unterstützt und betreut Flüchtlinge in der Region. „Mich macht das einfach glücklich“, lächelt der 56-Jährige aus der Krönchenstadt.
  • Foto: Alexandra Pfeifer
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ap Siegen. Gedi Metan wartet allein auf der Holzbank im Schatten der Martinikirche. Eigentlich wollten da auch zwei oder drei seiner „Schützlinge“ sitzen. Doch ihre Bedenken, über die eigenen Erlebnisse zu sprechen und sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, waren einfach zu groß. Metan kann das verstehen, sagt er. Denn auch für ihn, der „schon ewig“ hier in Deutschland ist – und damit meint er mehr als 30 Jahre –, gehören (Alltags-)Rassismus und Anfeindungen irgendwie zum Leben dazu.

Geboren wurde er in Harar, einem Ort im Osten Äthiopiens, der in den Ahmar-Bergen liegt und für äthiopische Muslime die viertheiligste islamische Stadt nach Mekka, Medina und Jerusalem ist.

ap Siegen. Gedi Metan wartet allein auf der Holzbank im Schatten der Martinikirche. Eigentlich wollten da auch zwei oder drei seiner „Schützlinge“ sitzen. Doch ihre Bedenken, über die eigenen Erlebnisse zu sprechen und sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, waren einfach zu groß. Metan kann das verstehen, sagt er. Denn auch für ihn, der „schon ewig“ hier in Deutschland ist – und damit meint er mehr als 30 Jahre –, gehören (Alltags-)Rassismus und Anfeindungen irgendwie zum Leben dazu.

Geboren wurde er in Harar, einem Ort im Osten Äthiopiens, der in den Ahmar-Bergen liegt und für äthiopische Muslime die viertheiligste islamische Stadt nach Mekka, Medina und Jerusalem ist. Heute ist Metan aber ein echter Siegerländer, hat eine Zeit lang in „Goarsemich“ gelebt, wie er schmunzelnd erzählt, und wohnt mittlerweile mit seiner Frau und den beiden Töchtern mitten in der Krönchenstadt.

Hier setzt er sich für geflüchtete Menschen ein, arbeitet mit dem Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen (VAKS), mit Ämtern, Sprachenschulen oder der Siegener Kinderklinik zusammen. Er dolmetscht bei Behördengängen und Arztbesuchen, leistet Fahrdienste, ist Vorsitzender des Somalischen Vereins und betreut unter anderem zwei Fußballmannschaften.

"Die Flüchtlinge wollen keinem was. Sie wollen niemandem den Job weg-
nehmen. Die Menschen suchen hier Schutz. Sie wollen Frieden."

Gedi Metan
ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer

Dafür wurde der 56-Jährige im vergangenen Jahr sogar schon von Bürgermeister Steffen Mues mit dem Preis für Interkulturelles Engagement ausgezeichnet, wie er stolz erzählt. „Ich helfe so gerne“, lächelt Metan. Allein die Dankbarkeit, so sagt er, die ihm die Geflüchteten für seine Arbeit jeden Tag entgegenbringen, stimme ihn mehr als glücklich.

"Wissen gar nicht, was Elend überhaupt ist"

Und gerade jetzt, zu Zeiten von Corona, scheint seine Hilfe bedeutender denn je. Denn nicht nur die vielen Formulare und Auflagen erschweren den Alltag der Flüchtlinge, um die er sich ehrenamtlich kümmert. Die Ängste vor rechter Gewalt hätten sich in der Pandemiezeit bei einigen Menschen (weiter) verstärkt, erklärt der 56-jährige Siegener. Auch er habe manchmal Angst. „Und das, obwohl ich deutscher Bürger bin.“ Zwischen jedem Wort lässt er eine kurze Pause, hebt dabei den rechten Zeigefinger. Sein Blick ist für einen kleinen Augenblick sehr ernst.

„Das Problem ist“, führt Metan fort, „die Menschen hier leben seit 76 Jahren im Wohlstand. Sie haben Freiheit und Frieden. Das vergessen aber viele. Sie wissen gar nicht, was Elend überhaupt ist.“ All die Geflüchteten – die hätten nicht freiwillig ihr Land verlassen, da ist sich der ehrenamtliche Betreuer sehr sicher. „Die haben Sachen durchgemacht, die man sich nicht vorstellen kann. Sie haben den Krieg erlebt und den Tod gesehen.“

Metan stockt kurz, hält für einen Moment inne. „Die Flüchtlinge wollen keinem was. Sie wollen niemandem den Job wegnehmen. Die Menschen suchen hier Schutz. Sie wollen Frieden.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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