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Katharina Blach von Covid-19 erwischt
Herzfehler, Schrittmacher, Corona

Heftiger Covid-19-Verlauf: Katharina Blach berichtet von ihrer Corona-Erfahrung.
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sabe Siegen. Sie habe es sofort gewusst, sagt sie. Noch bevor das Gesundheitsamt angerufen hat. „Mein Bauchgefühl täuscht mich nie.“ Der seltsame Geschmack im Mund, ein ungutes Körpergefühl. Im Rahmen einer anderen Untersuchung wurde bei Katharina Blach ein Corona-Test gemacht. Krankenhausaufenthalte sind für die Siegenerin nichts ungewöhnliches. Seit ihrer Geburt hat die 26-Jährige einen Herzfehler. Heute lebt sie mit Herzschrittmacher. Sie ist glücklich, positiv, lebensfroh, eine Macherin. Nicht ihr krankes Herz soll, sondern sie selbst will ihr Leben bestimmen. Das hat sie sich fest vorgenommen. Sie bewältigt einen Ironman-Triathlon, trotz Herzfehler. Und noch einen. Katharina weiß, wie man aufsteht. Ihr hat das geholfen, glaubt sie.

sabe Siegen. Sie habe es sofort gewusst, sagt sie. Noch bevor das Gesundheitsamt angerufen hat. „Mein Bauchgefühl täuscht mich nie.“ Der seltsame Geschmack im Mund, ein ungutes Körpergefühl. Im Rahmen einer anderen Untersuchung wurde bei Katharina Blach ein Corona-Test gemacht. Krankenhausaufenthalte sind für die Siegenerin nichts ungewöhnliches. Seit ihrer Geburt hat die 26-Jährige einen Herzfehler. Heute lebt sie mit Herzschrittmacher. Sie ist glücklich, positiv, lebensfroh, eine Macherin. Nicht ihr krankes Herz soll, sondern sie selbst will ihr Leben bestimmen. Das hat sie sich fest vorgenommen. Sie bewältigt einen Ironman-Triathlon, trotz Herzfehler. Und noch einen. Katharina weiß, wie man aufsteht. Ihr hat das geholfen, glaubt sie. Dabei die Infektion mit dem Covid-19-Virus zu überstehen. Der Test war positiv. Mittags kommt der Anruf vom Gesundheitsamt. Ihr Bauchgefühl hat Recht behalten. Katharina Blach ist infiziert. „Genau das, was nicht hätte passieren sollen. Und doch hat es mich getroffen. Ich als Risikopatientin, die so akribisch aufgepasst hat, werde völlig umgehauen.“

Schlimmer Krankheitsverlauf

Der Verlauf ist schlimm. Blach muss ins Krankenhaus und mit Sauerstoff versorgt werden. „Ich war so müde. Ich habe den ganzen Tag nur geschlafen. Wenn ich wach war, hatte ich unfassbare Kopfschmerzen. Ich war so schwach, ich konnte nichts mehr alleine. Das muss man sich mal vorstellen. Ein junger, sportlicher Mensch. Nachdem ich mir ein Brot geschmiert habe, war ich zu platt, um es zu essen.“ Nicht essen, nicht fernsehen, nicht lesen. Das Virus, sagt sie, habe ihr eine zeitlang die Lust an allem genommen. Aus Katharina Blach, sonst blonder, bissiger Wirbelwind, hat Corona einen Schatten ihrer selbst gemacht. 46 Kilo wiegt sie noch, als es ganz schlimm ist. Husten, Rippen- und Rückenschmerzen, Fieber. Ihr ist schlecht, kann sie wenig bei sich behalten.

Tagelange Isolation

Ihre Zeit im Krankenhaus erscheint Katharina jetzt wie ein düsteres Zerrbild. Tagelang auf der Isolierstation, keine soziale Nähe. Die Schwestern kommen nur zum Essenbringen herein. „Ich war die einzige Corona-Patientin auf der Isolierstation und ich hatte das Gefühl, schon damit war man überfordert.“

Zwei Wochen bleibt sie dort. Nachdem sie negativ getestet wird, geht es ihr immer noch nicht gut – Spätfolgen. Die Kopfschmerzen sind geblieben, ab und zu fiebert sie noch leicht, das Aufstehen geht noch nicht so gut. Ihre ersten wackeligen Schritte macht Blach am Rollator. „Roland der Rollator. So hab ich ihn genannt“, sie lacht. Ihre Beine gehorchten noch nicht richtig, das Kopfdrehen falle schwer. „Corona ist doch nicht schlimmer als ’ne starke Grippe“, diese Aussage finde sie schon übel, „aber ein Irrglaube bei vielen Menschen, egal wie sie Covid-19 gegenüberstehen, ist: ,Corona ist eine Lungenkrankheit und betrifft hauptsächlich die Atemwege’“. Katharina stellt den traurigen Gegenbeweis dar. Auch als sie nach Hause darf, sie längst mehrmals negativ getestet wird, bleiben neurologische Ausfälle. Starker Schwindel, Taubheitsgefühl, Kribbeln in den Extremitäten, Empfindungsstörungen im ganzen Körper. „Bei mir hat es sich als multiorgane Krankheit geäußert.“

Jetzt, Tage nach ihrer Entlassung, kann sie erste Erfolge feiern. Katharina, die Powerfrau, die sonst 3,86 Kilometer durch die kalte Alster schwimmt, 180,2 Kilometer durch die Hafen-City mit dem Rennrad fährt und einen 42,195 Kilometer langen Marathon anschließt, ist heute „ganz aus dem Häuschen“, wenn sie eine 2 Kilometer Strecke zur heimischen Apotheke ohne Rollator schafft.

"Immer nur nach vorne!"

Der Vergleich geht ihr ab. Sie weigert sich, zurückzublicken. „Immer nur nach vorne. Ich bin Sportlerin, ich habe Ehrgeiz und ich kämpfe mich zurück, auch wenn’s dieses Mal sehr kleine Schritte sind und der Weg sehr lange und hart wird.“ Die vergangenen Tage sagt sie, habe sie „krasse Forschritte“ gemacht. Die Zeit zuhause tut ihr gut. Sie verbringt viel Zeit im Garten, kommt wieder zu Kräften, denkt nach. Bittet sie ihre Mutter um eine Zimtschnecke, bekommt sie eine Tüte mit gleich vier. An einem guten Tag, so wie heute, isst sie alle auf.

Für ihre Persönlichkeitsentwicklung, glaubt sie, sei die Erkrankung positiv gewesen. Auch vorher habe sie gewusst, wie schnell das Leben vorbei sein kann – „ich meine, ich hab’ einen Herzfehler“ – und es alleine schon deshalb in vollen Zügen gelebt. Sich niemals und auch von ihrem Herzen nicht unterkriegen lassen. Manchmal glaubt sie, habe sie dieser Kampfgeist aber zu weit getrieben. „Ich würde jetzt eine Langdistanz nicht mehr zu Ende laufen wenn ich weiß, ich hänge danach brechend über dem Geländer. Ich denke, während dieser Zeit jetzt habe ich nochmal einen neuen Wert für mich und das Leben entdeckt.“

"Passt auf euch auf!"

Genau deshalb auch der Entschluss ihres „Corona-Coming-Outs“, wie sie halb lächelnd, halb ernst sagt. „Ich glaube, dass es zum nachdenken anregt, wenn man ein Gesicht zu einer Krankheit hat. Covid-19 ist zwar in aller Munde, aber wann sieht man mal Patienten in der Akutphase?“ Ihr dringender Appell: „Bitte nehmt die Schutzmaßnahmen ernst. Es ist nicht einfach nur eine Grippe, die Nachwehen sind heftig und die Folgeschäden sieht man jetzt noch. Bleibt aufmerksam und passt auf euch auf.“

Heftiger Covid-19-Verlauf: Katharina Blach berichtet von ihrer Corona-Erfahrung.
Wegen einer Vorerkrankung war Katharina Blach kein leichter Coronafall.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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