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Einspruch blockiert Praxisübernahme
Herzpatienten in der Warteschleife

Kardiologe Dr. med. Eckhard Walter befürchtet für seine Patienten ein Vakuum – für einen unbestimmten Zeitraum.
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  • Kardiologe Dr. med. Eckhard Walter befürchtet für seine Patienten ein Vakuum – für einen unbestimmten Zeitraum.
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sabe Siegen. Dr. med. Eckhard Walter, Kardiologe, 71, kommt mit einem schweren Aktenkoffer: Es liegen Beschlüsse darin, ein ganzer Berg voll. Es geht um seine Praxisübernahme. Nach 29-jähriger Tätigkeit an der Koblenzer Straße 3 will er sich zur Ruhe setzen. Nach einem aufwendigen Bewerbungsverfahren mit Start im Sommer 2020 – insgesamt elf Bewerbungen landeten auf seinem Tisch – hatte er eine Favoritin ausgemacht. Seine Empfehlung leitete er an den Zulassungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen für den Regierungsbezirk Arnsberg II weiter.

Denn nur der entscheidet rechtskräftig über die Praxisnachfolge. Dr. Eckhard Walter durfte vorschlagen. Er sprach sich für Dr.

sabe Siegen. Dr. med. Eckhard Walter, Kardiologe, 71, kommt mit einem schweren Aktenkoffer: Es liegen Beschlüsse darin, ein ganzer Berg voll. Es geht um seine Praxisübernahme. Nach 29-jähriger Tätigkeit an der Koblenzer Straße 3 will er sich zur Ruhe setzen. Nach einem aufwendigen Bewerbungsverfahren mit Start im Sommer 2020 – insgesamt elf Bewerbungen landeten auf seinem Tisch – hatte er eine Favoritin ausgemacht. Seine Empfehlung leitete er an den Zulassungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen für den Regierungsbezirk Arnsberg II weiter.

Denn nur der entscheidet rechtskräftig über die Praxisnachfolge. Dr. Eckhard Walter durfte vorschlagen. Er sprach sich für Dr. Maria Tsiakou, Kardiologin im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Jung-Stilling-Krankenhauses, aus und teilte den Mitinteressenten, darunter das MVZ Marien Ambulant, seine Entscheidung mit. Bei Betrachtung des Gesamtpakets, das sich für Walter aus Eignung, Qualifikation und finanziellem Angebot ergab, sah er das MVZ Jung-Stilling mit Maria Tsiakou für seine Nachfolge als am besten geeignet.

Die Zustimmung

Der Zulassungsausschuss stimmte Walters Empfehlung am 27. Januar zu. Man war sich also einig – erst einmal. Dr. Eckhard Walter organisierte die Übergabe. Er kündigte den Mietvertrag für seine Praxis zum gesetzten Datum Ende März, schaffte das Praxisinventar zur neuen Bleibe, kündigte seine Berufshaftpflichtversicherung und vermeldete seinen Patienten die Praxisübergabe. Am 7. April soll unter neuer Regie gestartet werden. Der Hinweis auf dem Anrufbeantworter ist schon eingerichtet.

Das Dilemma

Dann der Einspruch. Seit dem 19. März ist das MVZ Jung-Stilling erst einmal nicht mehr berechtigt, Maria Tsiakou als angestellte Ärztin in der Wichanstraße 40 zu beschäftigen. In dem Schreiben, das Dr. Eckhard Walter vorliegt, steht Weiteres. „Im gleichen Zuge sind Sie verpflichtet, die vertragsärztliche Tätigkeit auch über den 31. März hinaus in Ihren bisherigen Praxisräumen (…) fortzuführen.“ „Das geht nur leider nicht“, erklärte Dr. Eckhard Walter darauf hin, „meine Praxis existiert nicht mehr.“

Der Widerspruch

Der Grund für den Widerspruch: Das MVZ Marien Ambulant stellte im letzten Moment der laufenden Frist einen Antrag und bewirbt sich mit Dr. med. Till Walter nun seinerseits um die Praxisübernahme. Erst wurde der Antrag noch als „verspätet eingereicht“ abgelehnt. Dagegen ging das MVZ Marien Ambulant vor. Der Widerspruch entfaltet damit eine „aufschiebende Wirkung“ für die Praxisübernahme. Pressesprecher Dr. Christian Stoffers erklärt für das MVZ Marien Ambulant: „Der Zulassungsausschuss hat getagt und unseren Antrag nicht berücksichtigt. Da aus unserer Sicht ein Verfahrensfehler vorliegt, haben wir Widerspruch innerhalb der normalen Frist eingelegt, was einen gewöhnlichen Vorgang darstellt.“ Grundsätzlich sehe man keine Veranlassung, um zu taktieren und sei „insbesondere aus Sorge um die Versorgung der Patienten an einer schnellen Lösung interessiert“.

Der Vorwurf

Dr. Eckhard Walter sieht das anders. „Marien Ambulant schert sich nicht um die Patienten. Hier geht es um einen großen Rachefeldzug. Darum, mir und dem MVZ Jung-Stilling das Leben schwer zu machen. Der Widerspruch in letzter Sekunde ist rein formal. Es geht nicht um ein wirkliches Interesse an meiner Praxis, sonst hätte man sich früher gemeldet.“

Die Patienten, die beim Herzspezialisten in der Häutebach in Behandlung waren, müssen nun erstmal auf einen Nachfolger warten.
  • Die Patienten, die beim Herzspezialisten in der Häutebach in Behandlung waren, müssen nun erstmal auf einen Nachfolger warten.
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Unterstützung gibt es von Pressesprecher Stefan Nitz vom Jung-Stilling-Krankenhaus: „Herr Walter hat frühzeitig allen Interessenten gegenüber stets transparent und fair mit offenen Karten gespielt.“ Er habe es nicht verdient, dass ihm bei einem eigentlich seit Monaten mit allen Beteiligten und Zuständigen final besprochenen und abgeschlossenen Sachverhalt nunmehr aus Gründen, über die man öffentlich nicht spekulieren wolle, mit dem Eintritt in den Ruhestand derartige Steine in den Weg gelegt würden. „Dieses moralisch fragwürdige Gebaren löst bei uns Verwunderung aus und kann vor allem nicht im Interesse der zu versorgenden herzkranken Patientinnen und Patienten sein.“

Ein „Strohmann“?

Den Bewerber schätzt Dr. Eckhard Walter deshalb als „Strohmann“ ein, der, allein durch seine Arbeit als Ärztlicher Direktor im Marien Präventionszentrum dem Anspruch einer kardiologischen Praxis von 40 Wochenstunden nicht gerecht werden könne. Dr. Christian Stoffers auf der anderen Seite: „Im Falle einer Übernahme wäre ein Facharzt in Vollzeit für diese Praxis aktiv tätig geworden.“

Die Forderung

Dr. Eckhard Walter fürchtet eine Hängepartie: Entscheiden könne nur der vollzählige Berufungsausschuss. Frühestens Ende April. Wie soll die Patientenversorgung sichergestellt werden, wenn seine Praxis nicht mehr vorhanden ist und der Nachfolge bis auf weiteres die Hände gebunden sind? 1000 sind es im Quartal, 4000 bis 5000 im Jahr. Was ist, wenn ein Patient stirbt, während er, jetzt ohne Haftpflichtversicherung, im juristischen Niemandsland ausharren muss? „Ich arbeite nicht mit Salben. Es geht um schwerstkranke Herzpatienten, die zeitgerecht behandelt werden müssen.“

Seine Praxis, sagt er, sei als Institution unerlässlich, wenn es um die Versorgung von Herzpatienten gehe. „Auf die Schnelle einen Termin beim Kardiologen zu bekommen, ist unrealistisch.“ Seine Forderung: „Das MVZ Marien Ambulant nimmt seinen Widerspruch beim Berufungsausschuss zurück, um die zuverlässige Versorgung aller Herzpatienten zu sichern.“

Abwarten

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) dagegen sieht die Patientenversorgung sichergestellt: „Außer anderen niedergelassenen Kardiologen stehen im Notfall auch stationäre Aufnahmen durch die Siegener Krankenhäuser zur Verfügung.“ Und: „Über den Antrag von Herrn Dr. Walter wird der Berufungsausschuss in seiner nächsten terminierten Sitzung entscheiden.“

Kardiologe Dr. med. Eckhard Walter befürchtet für seine Patienten ein Vakuum – für einen unbestimmten Zeitraum.
Die Patienten, die beim Herzspezialisten in der Häutebach in Behandlung waren, müssen nun erstmal auf einen Nachfolger warten.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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