Heute Nacht oder nie

Ein Sänger mit Charme und feiner Selbstironie und ein aus den 1930er Jahren in die Gegenwart gebeamtes Orchester begeisterten das Siegener Publikum.  Foto: hel
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hel Siegen. Bei Max Raabe und seinem Palast-Orchester saß alles perfekt, stimmte jeder Ton. Statt einer Parodie auf die Musikwelt der 1920er und 1930er Jahre, die von ironischen Schlagern, Swing und Kabarettchansons bestimmt war, servierten sie eine akustisch und optisch perfekt aufbereitete Show, in der Klassiker wie „Singing In The Rain“, „Ich küsse Ihre Hand, Madame“, „Dream A Little Dream Of Me“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“ nicht nach nostalgischer Dutzendware klangen.

Die rund 800 Zuschauer in der Siegerlandhalle konnten sich wie Logenplatzgäste in einem Revuetheater fühlen, welches von Max Raabe in seiner Funktion als Sänger, Entertainer und Conferencier geleitet wurde.

Dabei wirkte er mit dem spezifischen, unverwechselbaren Timbre seiner Baritonstimme, die in vollkommener Klarheit wahrgenommen wurde, wie aus der Zeit gefallen. Korrekt in Frack und Fliege, streng in Frisur und Blick, aber mit viel Gespür für Selbstironie, führte er durch ein Repertoire, in dem die zwischenmenschlichen Beziehungen („wie lernt man sich kennen und wie wird man sich wieder los?“) eine zentrale Rolle spielten. Videoleinwände und ein bühnentechnisches Zuviel wären bei dem munteren Treiben des Sängers und seines vorzüglichen Orchesters eher kontraproduktiv gewesen.

Für lebendige Farbtupfer sorgte die schönste und einzige Violinistin Cecilia Crisafulli, die sich in der Männerriege gut behaupten konnte. Außerdem unterstrich die exzellente, in Schwarz-Weiß gehaltene Lichtchoreografie die Musikshow, bei der nichts dem Zufall überlassen wurde. „Kein Schwein ruft mich an“ gab’s nicht mehr, aber dafür reichlich anderes bekanntes und auch seltenes Liedmaterial aus dem Fundus von Robert Stolz, Kurt Schwabach, Mischa Spoliansky, Kurt Weill und amerikanischen Komponisten wie Herb Brown und Fabian Andre.

Max Raabe sang saisonabhängige Stücke („Veronika, der Lenz ist da“), säuselte dem Publikum ins Ohr, dass man zu einer Dame nicht beim ersten Mal sagt: „Komm mit!“, und schaukelte sich im Tango-Rhythmus und mit „La-Traviata“-Schmelz an („Hör mein Lied), Violetta“ heran.Und wenn Max Raabe mal nicht sang, über gebrochene Herzen, und über die gänzliche Verschiedenartigkeit von Mann und Frau parlierte, lehnte er mit angewinkeltem linken Knie an Ian Wekwerths Bösendorfer Piano, in sich versunken wirkend und den instrumentalen Höhenflügen seiner zwölf Musiker lauschend.Kurz und bündig waren die Schlager und Chansons, die Evergreens und Raritäten aus der Frühzeit der Popmusik, die dank Max Raabe und seinem Palast- Orchester zeitlos frisch klangen. Knapp zwei Stunden „Heute Nacht oder nie“ waren dafür nur etwas knapp bemessen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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