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Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen als Hotspots
Hier infizieren sich die Menschen mit Corona

Wo infizieren sich die Menschen in Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen mit dem Coronavirus? Die Gesundheitsämter haben eine klare Vermutung.
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  • Wo infizieren sich die Menschen in Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen mit dem Coronavirus? Die Gesundheitsämter haben eine klare Vermutung.
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tile Siegen/Bad Berleburg/Betzdorf. In dieser Rangliste sähen sich die Kreise Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen lieber nicht ganz vorn. Die Corona-Zahlen in der Region schnellen weiter in die Höhe. Mit einer Inzidenz von 170,8 (plus 11,2 zum Vortag) erreichten Siegerland und Wittgenstein am Montag, wie schon am Samstag, den zweithöchsten Wert in Nordrhein-Westfalen nach dem Märkischen Kreis (202,3). Der Nachbarkreis in Rheinland-Pfalz „behauptet“ mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 155,3 sogar den traurigen Spitzenplatz im Land. Der Kreis Olpe hat im Vergleich zum Wochenende ebenfalls deutlich um 13,4 Covid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner zugelegt, steht jedoch erst bei 73,9, dem siebtniedrigsten Wert in NRW.

tile Siegen/Bad Berleburg/Betzdorf. In dieser Rangliste sähen sich die Kreise Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen lieber nicht ganz vorn. Die Corona-Zahlen in der Region schnellen weiter in die Höhe. Mit einer Inzidenz von 170,8 (plus 11,2 zum Vortag) erreichten Siegerland und Wittgenstein am Montag, wie schon am Samstag, den zweithöchsten Wert in Nordrhein-Westfalen nach dem Märkischen Kreis (202,3). Der Nachbarkreis in Rheinland-Pfalz „behauptet“ mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 155,3 sogar den traurigen Spitzenplatz im Land. Der Kreis Olpe hat im Vergleich zum Wochenende ebenfalls deutlich um 13,4 Covid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner zugelegt, steht jedoch erst bei 73,9, dem siebtniedrigsten Wert in NRW.

Corona-Risiko auf dem Dorf offenbar nicht geringer

Warum explodieren gerade hierzulande – in einer ländlich geprägten Region – die Zahlen? Am 1. März, am Tag als die Friseure wieder öffnen durften, lag die Inzidenz bei 72,9. Sieben Tage später, als weitere Öffnungsmaßnahmen in Kraft traten, stand der Wert bei 92,8. Weitere 14 Tage später ist Siegen-Wittgenstein ein Hotspot in NRW. Sollte das Risiko einer Infektion „auf dem Dorf“ nicht geringer sein als in den Großstädten? Aber in Köln (110,9) und Dortmund (108,5) beispielsweise erkranken – bezogen auf 100.000 Einwohner – derzeit weniger Menschen als in Siegen und Umgebung. Ist die Impfquote in den Ballungszentren vielleicht höher als zwischen Lippe und Girkhausen? Aber bezogen auf die Einwohnerzahl ist die Impf-Quote im heimischen Kreis nicht schlechter als etwa in Dortmund oder Münster.

An den Corona-Schnelltests liegt es nicht

„Wir wissen auch nicht, warum wir derzeit vor der Welle her schwimmen“, sagt Dr. Christoph Grabe, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. In der Vergangenheit haben die Corona-Ausschläge die Region im NRW-Vergleich eher später erreicht. Es gebe nicht den einen Hotspot. Infektionen werden aus verschiedenen Bereichen gemeldet: von den Hausärzten, aus den Betrieben, den Schulen und Kindertagesstätten, den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Aktuell sei das Geschehen „diffus“. Die breiten Bürgertests bei Menschen ohne Symptome trieben die Zahlen jedenfalls nicht in die Höhe, hier lägen die positiven Ergebnisse erfreulicherweise meist im einstelligen Bereich.

Alarmstufe Rot zwischen Girkhausen und Willroth: Die Kreise Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen stehen in den Inzidenz-Ranglisten ihrer Bundesländer ganz (weit) oben.
  • Alarmstufe Rot zwischen Girkhausen und Willroth: Die Kreise Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen stehen in den Inzidenz-Ranglisten ihrer Bundesländer ganz (weit) oben.
  • Foto: SZ/Verena Schmidt
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Eine Ursache sei das Oberzentrum Siegen, wo es eine Konzentration der Fallzahlen gebe. Je höher die Einwohnerdichte, umso höher die Inzidenz, lautet die simple Herleitung. Das schlage sich in der Statistik des gesamten Kreises nieder. „Die Region ist nicht ganz so ländlich geprägt, wie man immer annimmt“, sagt Dr. Christoph Grabe. Das gilt allerdings auch für andere Großstädte. Eine weitere mögliche Erklärung liefert die gute Nachverfolgung. Anders als in anderen Kreisen, „schaffen wir es noch, alle engen Kontaktpersonen zu testen, auch die asymptomatischen“. Dadurch würden mehr Covid-19-Fälle ermittelt als anderswo.

Corona-Ansteckungen wohl vor allem im privaten Bereich

Darüber hinaus liegt vieles im Dunklen. Deshalb spreche einiges dafür, dass die Ursachen vor allem im privaten Bereich lägen. „Hielten sich alle an die Hygieneregeln, Maskenpflicht und Abstände, hätten wir diese Zahlen nicht“, betont der Gesundheitsamtsleiter. Nach einem Jahr Pandemie stelle er hier eine gewisse „Müdigkeit“ fest. In den Fabrikhallen, Büros, Altenheimen, Klassenzimmern und Krankenhausstationen seien die Hygienemaßnahmen, dort wo die Hauptarbeit erfolgt, gut. „Da funktioniert das.“

Probleme gebe es an anderen Stellen: in Umkleiden, im Pausenraum, im Auto – also dort, wo Eigenverantwortung gefragt ist. Zuletzt habe es wiederholt Fälle gegeben, wo Infektionen auf Fahrgemeinschaften zurückgeführt worden seien. Auch gemeinsame Pausen, in denen die Masken zum Essen oder Rauchen fallen, seien immer wieder ein Ansteckungsherd. Nicht überall lasse sich das Verhalten der Menschen kontrollieren.

Lockerungen machen sich bemerkbar

Dazu die jüngsten Lockerungen: Die Öffnung der Gemeinschaftseinrichtungen wie Grundschulen mache sich negativ bemerkbar. Zumal in den Kindertagesstätten wegen der Notbetreuungen „das Feuer nie komplett ausgegangen ist“, sagt Dr. Christoph Grabe. Wie sich der am 15. März gestartete Wechselunterricht auswirke, lasse sich noch gar nicht sagen, da es zehn bis 14 Tage nach Infektion dauern könne, bis die Krankheit auftrete.

Bislang lag der Inzidenz-Höchstwert im Kreis bei 190, das war Ende November, als Covid-19 gerade verstärkt in den Senioreneinrichtungen umging. Dort hätten die Impfungen zumindest die schweren Verläufe und Todesfälle deutlich reduziert, zieht Dr. Grabe hier eine positive Bilanz.
Im Kreis Altenkirchen fischt man ebenfalls im Trüben. „Wir haben schon seit drei Wochen mit die schärfsten Maßnahmen in ganz Rheinland-Pfalz“, sagt Kreis-Sprecher Andreas Schulthes. Natürlich hätten die Ausbrüche in den beiden Krankenhäusern Kirchen und Altenkirchen die Inzidenz stark beeinflusst, auch in Kitas habe es kleinere Ausbrüche gegeben, die im Vergleich zu den Kreiszahlen aber kaum ins Gewicht fielen. „Vielfach wird sich im Privaten angesteckt.“ In der aggressiven britischen Mutation des Virus, das mittlerweile zwei Drittel der Corona-Fälle ausmache, vermutet die Kreisverwaltung einen weiteren Inzidenz-Treiber.

Wo infizieren sich die Menschen in Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen mit dem Coronavirus? Die Gesundheitsämter haben eine klare Vermutung.
Alarmstufe Rot zwischen Girkhausen und Willroth: Die Kreise Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen stehen in den Inzidenz-Ranglisten ihrer Bundesländer ganz (weit) oben.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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