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Caritas-Projekt „Hörst du mich?“
Hilfe in absoluten Notsituationen

Katharina Jung erkannte den Bedarf und ist nun Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für Kinder von lebensbedrohlich erkrankten Kindern.
  • Katharina Jung erkannte den Bedarf und ist nun Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für Kinder von lebensbedrohlich erkrankten Kindern.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

nja Siegen. Wenn Mama und Papa plötzlich miteinander tuscheln, wenn sich die Atmosphäre zu Hause ändert und Anspannung das bislang fröhliche Miteinander verdrängt: Schon solche Anzeichen einer Krise gehen an Kindern nicht spurlos vorbei. Wenn Mama dann auch noch viel im Bett liegt, oft zum Arzt muss und es ihr gar nicht gut geht, wachsen Angst, Sorge – und Verunsicherung. Seit 2017 bietet der Caritasverband Siegen-Wittgenstein Kindern lebensbedrohlich erkrankter Eltern Unterstützung an. „Hörst du mich?“ lautet der Name des niederschwelligen, hochflexiblen und vielschichtigen Angebots, den Jungen und Mädchen, aber auch den Familien insgesamt beratend und mit praktischer Hilfe zur Seite zu stehen: in absoluten Notsituationen!

nja Siegen. Wenn Mama und Papa plötzlich miteinander tuscheln, wenn sich die Atmosphäre zu Hause ändert und Anspannung das bislang fröhliche Miteinander verdrängt: Schon solche Anzeichen einer Krise gehen an Kindern nicht spurlos vorbei. Wenn Mama dann auch noch viel im Bett liegt, oft zum Arzt muss und es ihr gar nicht gut geht, wachsen Angst, Sorge – und Verunsicherung. Seit 2017 bietet der Caritasverband Siegen-Wittgenstein Kindern lebensbedrohlich erkrankter Eltern Unterstützung an. „Hörst du mich?“ lautet der Name des niederschwelligen, hochflexiblen und vielschichtigen Angebots, den Jungen und Mädchen, aber auch den Familien insgesamt beratend und mit praktischer Hilfe zur Seite zu stehen: in absoluten Notsituationen! Mit Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin Katharina Jung hat die „Erfinderin“ dieser wie die Erfahrung zeigt dringend notwendigen Wegbegleitung die Leitung inne, mit einer halben Stelle. Die anderen 50 Prozent ihrer Arbeitszeit ist die 31-Jährige in der ambulanten Hospizarbeit bei der Caritas tätig.

"Kinder brauchen ehrliche Antworten"

„Kinder brauchen ehrliche Antworten auf ihre ganz unterschiedlichen Fragen“, weiß sie. Begreifen hilft beim Bewältigen. Die Eltern fühlen sich aber oft überfordert und ohnmächtig – sie müssen selbst erst einmal mit der katastrophalen Diagnose klar kommen und wollen ihre Kinder natürlich schützen. Aber wie geht das überhaupt? So steht die Frage im Raum: „Wie sag ich es meinem Kind?“ Auch hier hilft Katharina Jung – beratend: Das entscheidende Gespräch aber müssen die Eltern selber führen. Das ist, vereinfacht ausgedrückt, wichtig für die Eltern-Kind-Bindung. Ist das nahezu Unaussprechliche ausgesprochen, beginnt der Dialog erst richtig. Oftmals nehmen auch Kinder aber eine Art Schutzhaltung ein. Nach der Devise: „Papa geht es schon schlecht genug. Da muss ich ihn nicht auch noch mit meiner Traurigkeit und Angst belasten.“ Das sei verkehrt: Ein offener Austausch über Sorgen und Ängste hilft dabei, gesund groß zu werden, weiß die Expertin.
„Hörst du mich?“ bietet einen verlässlichen Rahmen, hier können die Kinder all ihre Sorgen und Ängste loswerden und werden ernst genommen, Eltern entlastet und über gesetzliche Ansprüche oder auch über weitere Netzwerkpartner informiert. Verdrängen könne kurzfristig in Extremsituationen, wie z. B. dem Tod der Mutter oder Ehefrau helfen, nicht aber langfristig: „Ich vergleiche das mit dem Versuch, einen Tischtennisball unter Wasser zu halten“, sagt Katharina Jung: Es kostet Kraft und ist auf Dauer nicht durchzuhalten. „Es gibt auch beim Trauern kein Richtig oder Falsch“, sagt Jung. „Eine Jugendliche hat es z. B. nach dem Tod ihrer Mutter zu Hause nicht mehr ausgehalten und ist feiern gegangen.“ Kleine Kinder plagen bisweilen sehr belastende und irrationale Ängste. Ein Beispiel: „Bin ich schuld an der Erkrankung?“

18-köpfiges ehrenamtliches Team

Katharina Jung steht ein 18-köpfiges ehrenamtliches Team der ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen zur Seite, das betroffene Familien im Altkreis Siegen unterstützt: z. B. bei Fahrten zum Verein, Hausaufgabenhilfe oder beim Spielen, Vorlesen oder Zuhören. Auch bei Ausflügen kommt man ins Gespräch über das allgegenwärtige Thema. Es besteht aber auch die Chance, einfach mal auf andere Gedanken zu kommen. Für einen befreienden Moment. In der Beratungsstelle an der Daimlerstraße dürfen aber natürlich auch die Tränen fließen.
Die Gesellschaft lasse die Familien alleine. „Kinder können ihre Rechte nicht einfordern!“ Nur vereinzelt gebe es Angebote und Projekte wie „Hörst Du mich?“ – mit hoher Fachlichkeit, aber auch hohem ehrenamtlichen Engagement. Krankenkassen, Ämter und die Politik schöben sich gern die Zuständigkeiten zu: „Es ist eine Grauzone!“
Weitere Infos: www.hoerst-du-mich.de

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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