Hinter einem Baum gelauert

Bewährungsstrafe für versuchten Raub und Faustschlag

pebe Siegen. Ein später Januarabend. Die 15-Jährige geht nichts ahnend an einem Baum vorbei. Plötzlich springt ein Mann hinter dem Stamm hervor, versetzt dem Mädchen einen Schlag in die Magengegend, die Jugendliche geht in die Knie. Der Angreifer drückt sie zu Boden. In ihrer Angst beginnt die 15-Jährige zu schreien. Eine Hand legt sich über ihren Mund. Lichter in den benachbarten Häusern gehen an, Nachbarn werden neugierig. Der Angreifer lässt von seinem Opfer ab und verschwindet. »Im Dunkeln bekomme ich Angst, das ist fast wie Verfolgungswahn, weil ich denke, an jeder Ecke könnte einer stehen.« Der Schrecken war noch zu spüren, als die 15-ährige vor dem Siegener Schöffengericht den Überfall schilderte. Der Angreifer auf der Anklagebank hörte mit gebeugtem Kopf zu.

Versuchten Raub hatte ihm Staatsanwältin Annelisa Hammerstein vorgeworfen. Die Zeugin aber hatte Schlimmeres vermutet: »Seine Begründung, dass er mein Geld wollte, zieht nicht. Er hat nicht die Tasche gegriffen, sondern mich.« Unausgesprochen blieb, was sie sich vorstellte. Aber ihr Erschrecken war spürbar, und die Entschuldigung des Täters mochte sie nicht annehmen. Der hatte den Überfall samt Schlag schon bei der Polizei zugegeben. Er habe Videos zurückgebracht und die ausstehende Rechnung nicht begleichen können, erklärte er nun dem Richter. Da sei er auf die Idee gekommen, sich das fehlende Geld auf die unfeine Weise zu besorgen. »Ich habe erhebliche Zweifel, ob der Sachverhalt, wie der Angeklagte ihn gestanden hat, sich tatsächlich so zugetragen hat«, meinte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Weil sich der Verdacht einer Sexualstraftat aber nicht beweisen lasse, bleibe es beim versuchten Raub. Für den Angeklagten spreche sein Geständnis, gegen ihn sprächen aber die »erhebliche« und »sinnlose Gewalt« gegen die 15-Jährige. Hammerstein forderte eine 16-monatige Bewährungsstrafe und eine Geldbuße von 4500 e. Das wollte der Verteidiger des Angeklagten nicht hinnehmen. Er meinte, sein Mandant habe »aus einem Affekt heraus« die Idee gehabt, den fehlenden Kleinbetrag zu rauben. Es sei eine »Schnapsidee« aus finanziellen Schwierigkeiten gewesen. Der Anwalt nahm einen minderschweren Fall an und hielt eine achtmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend.

16 Monate auf Bewährung wegen versuchten Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung hieß es letztlich im Urteil. Richter Klaus-Henner Kühr beließ es jedoch bei einer Buße von 3000 e. »Für den Überfall auf ein hilfloses Opfer, weil ein paar Euro fehlen, haben wir kein Verständnis«, sagte der Richter für die Schöffen und sich selbst. »Das wirft ein schlechtes Licht auf Ihren Charakter.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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