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Ginsburg: Bald wird gebuddelt
Hinweise auf Gruben und Turm

A 1 könnte auf die alte Zuwegung hindeuten, A 2 auf  die Außenmauer der  Vorburg, A 3 auf die Außenmauer  der Vorburg samt Turm, A 4 auf eine Steinmauer im Erdwall. An den rot markierten Stellen werden die Marburger Archäologen   im Sommer den Baubestand reinigen (4 bis 6) und kleine Testgrabungen (1 bis 3) durchführen.
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  • A 1 könnte auf die alte Zuwegung hindeuten, A 2 auf die Außenmauer der Vorburg, A 3 auf die Außenmauer der Vorburg samt Turm, A 4 auf eine Steinmauer im Erdwall. An den rot markierten Stellen werden die Marburger Archäologen im Sommer den Baubestand reinigen (4 bis 6) und kleine Testgrabungen (1 bis 3) durchführen.
  • Foto: Uni Marburg
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

sz/nja Grund.  „Anthropogene Störungen“ – das klingt irgendwie unangenehm. Im Falle der archäologischen Untersuchungen im Umfeld der Ruine Ginsburg oberhalb von Grund aber deuten sie darauf hin, dass sich tatsächlich im Erdreich Anzeichen darauf finden lassen, dass die mittelalterliche Wehranlage einst größeren Umfangs war als es die sichtbaren steinernen Zeugen vor Augen führen. Im Bereich der Ginsburg und der Wüstung Wegebach/Antoniuskapelle haben sich konkrete Hinweise auf archäologische Strukturen ergeben: So lautet ein erstes Fazit von Prof. Dr. Felix Teichner von der Philipps-Universität Marburg. Er hatte, wie berichtet, Anfang Juni auf Einladung des Vereins zur Erhaltung der Ginsburg mit einem Team junger Studenten das Areal bildlich gesprochen unter die Lupe genommen.

sz/nja Grund.  „Anthropogene Störungen“ – das klingt irgendwie unangenehm. Im Falle der archäologischen Untersuchungen im Umfeld der Ruine Ginsburg oberhalb von Grund aber deuten sie darauf hin, dass sich tatsächlich im Erdreich Anzeichen darauf finden lassen, dass die mittelalterliche Wehranlage einst größeren Umfangs war als es die sichtbaren steinernen Zeugen vor Augen führen. Im Bereich der Ginsburg und der Wüstung Wegebach/Antoniuskapelle haben sich konkrete Hinweise auf archäologische Strukturen ergeben: So lautet ein erstes Fazit von Prof. Dr. Felix Teichner von der Philipps-Universität Marburg. Er hatte, wie berichtet, Anfang Juni auf Einladung des Vereins zur Erhaltung der Ginsburg mit einem Team junger Studenten das Areal bildlich gesprochen unter die Lupe genommen.

Abgebrannte Gebäude?

Wissenschaftlicher formuliert: Es wurde geomagnetisch sowie geoelektrisch untersucht. Und auch ein Georadar führten die Marburger durch – alles unter Wahrung der Coronaschutzauflagen. Prof. Teichner kündigt nun weitere Testgrabungen an, in deren Verlauf die Entdeckungen weiter überprüft werden sollen: Im Spätsommer wird gebuddelt. Verein und Uni danken der Waldgenossenschaft Hof-Ginsberg Grund für die Genehmigung der Arbeiten bei der Schanze und Wehbachsiedlung.Einiges, das der Professor für vor- und frühgeschichliche Archäologie im Juni bei der SZ-Visite schon für möglich erachtet hatte, scheint sich zu bewahrheiten: Grabenstruktur sowie zwei größere Grubenkomplexe in der Mitte des Untersuchungsraums wurden entdeckt. Es stellt sich nun die Frage, ob es sich um Gruben und Grubenhäuser handelt. „Am deutlichsten zeichnet sich aber am nördlichen Rand ein rund 20 mal 15 Meter großes Areal mit hohen Geomagnetikmesswerten ab.“ So etwas kenne man z. B. von abgebrannten Fachwerkbauten.

Die umfangreichste Untersuchung wurde absprachegemäß im Bereich der Ginsburg selbst durchgeführt. Ziel war es, die durch die geplanten Baumaßnahmen – Stichwort „Barrierefreiheit Höhenburg“ – betroffenen Flächen wie Rundweg, Plateau-Vorburg („Holzterrasse“) und alte Zuwegung mit geplantem Heizstofflager zu analysieren. Ein Ergebnis: Das Magnetikmessbild lässt deutlich die anthropogene, also vom Menschen verursachte, „wohl aber neuzeitliche Überprägung in vielen Bereichen der Burganlage erkennen“. Der Rundweg auf dem Burgwall wurde mit Mörtel und Bruchsteinen versiegelt, im Umfeld der bislang noch nicht abgebauten Holzterrasse in der Vorburg liegen verschiedene Versorgungsleitungen im Bogen.  „Umso überraschender sind die Messergebnisse auf der Freifläche nördlich der Gaststube“: Hier ließ sich in der Verlängerung des in den 60er-Jahren restaurierten Burgwalls eine lineare Anomalie nachweisen – eine Mauer? –, aus der heraus Richtung Norden eine weitere Struktur hervorspringt: vielleicht ein Turm?

Mauer der Vorburg entdeckt?

Ähnliches zeichnet sich südlich der Holzterrasse ab: Es dürfte sich um die Fortsetzung der Mauer der Vorburg handeln. „Schließlich fanden sich drei lineare Strukturen, die die ältere Zuwegung der Burg nach Norden flankieren.“ Der ursprüngliche Weg also führte offensichtlich außen um die Anlage herum. Schwieriger zu deuten sind die Befundbilder im Bereich des schon in den 1960er-Jahren weitgehend freigeräumten Burggrabens: „Deutlich erkennbar sind jedoch Schuttkegel, die gegebenenfalls noch zu der originalen Schuttlage der Burg gehören könnten, gegebenenfalls aber auch erst im Zuge der Freilegung entstanden sind.“

Bald geht es in die Tiefe

Es besteht also weiterer Klärungsbedarf. Auch mit Blick auf die Hoffnung, im Boden weitere archäologische Fundmaterialien zu entdecken. Davon ist in Prof. Teichners Erstanalyse noch keine Rede. „Das ist eine große Unbekannte“, erläutert auch Markus Völkel, 2. Vorsitzender des Ginsburgvereins, im SZ-Gespräch.  Der Verein freut sich zudem über die Förderzusage des Bundes aus dem Soforthilfeprogramm Heimatmuseen: Von 16 000 Euro werden, wie berichtet, 12 000 Euro erstattet. „Nach einem Hinweis vom Deutschen Verband für Archäologie hatten wir uns um entsprechende Fördermittel beworben.“ Das Geld werde für die Restauration und Ausstellung der vorhandenen und vielleicht ja auch noch hinzu kommenden archäologischen Funde verwendet. Und auch die Sonnenuhr müsse repariert werden, so Völkel.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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