Höhner machten laut - und leise

 Henning Krautmacher von den Höhnern begeisterte am Mittwochabend in der Siegerlandhalle das Publikum mit durchaus kritischen Texten des neuen Albums „Mach laut!“ und bekannten Party-Songs. Foto: la
  • Henning Krautmacher von den Höhnern begeisterte am Mittwochabend in der Siegerlandhalle das Publikum mit durchaus kritischen Texten des neuen Albums „Mach laut!“ und bekannten Party-Songs. Foto: la
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la - Die Höhner, seit über 40 Jahren auf der Bühne, auf eine reine Karnevalsband zu reduzieren, die für Party-Stimmung sorgt, wäre ungerecht. Natürlich sorgten sie bei ihrem Auftritt am Mittwochabend in der Siegerlandhalle für Bombenstimmung – vor allem zum Schluss, als sie ihre großen Hits sangen –, aber ihr neues Album „Mach laut!“ zeigt sie von ihrer anderen Seite: Sehr emotional und kritisch in der Thematik, setzen sie sich mit den Wirrungen des täglichen Lebens auseinander, plädieren für mehr Toleranz anderen bürgerlichen Gruppen gegenüber und machen es deutlich mit „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, „Levve or levve losse“ und der Single-Auskopplung „Steh auf, mach laut!“.

Die Band, die vor zwei Jahren ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum mit 15 000 Fans in der Kölner Lanxess-Arena feierte, hatte in der Siegerlandhalle einen eher intimeren Rahmen mit Fans gewählt, die sie schon zum Auftakt ihres zweieinhalbstündigen Konzerts frenetisch feierten. Die sechs Musiker – Leadsänger und Gitarrist Henning Krautmacher, Bassist Hannes Schöner, Schlagzeuger Janus Fröhlich, Ex-Lehrer und Keyboarder Peter Werner, Gitarrist John Parsons und schließlich das musikalische Multi-Talent Jens Streifling, der 2003 dem Lockruf der Höhner nicht widerstehen konnte und zurück zur Band kam –, legten ein klares Bekenntnis ab: „Wir sind, wie wir sind.“ Und das ist hoch musikalisch, voller Lebensfreude und Optimismus auf der Bühne. Und dieser Funke sprang sofort über auf das Publikum, das immer wieder aufstand und klatschte, textsicher mitsang und die Arme zum Bühnenhimmel reckte.

Der erste Teil des Konzerts stand ganz im Zeichen des neuen Albums und der neuen Lieder, bei denen Henning Krautmacher ganz klar bekannte: „So ganz textsicher bin ich nicht, gelegentlich muss ich immer wieder auf den Monitor schauen.“ Der Mann mit dem außergewöhnlichen Schnauzbart und dem Fantasie-Dress zu den Fans: „Sie sind heute Abend unsere Versuchskaninchen.“ Und der Kölner war sich sicher: „Wenn wir in Siegen siegen, siegen wir überall.“ Schließlich ist die Band samt gigantischer Lichtinstallation gerade auf Deutschland-Tournee und damit in der Diaspora der kölschen Töne. Und die gab es reichlich.

Im Siegener Konzert hatten die Höhner ein „Krätzchen“ im Programm, jenes mundartliche Lied, für das das Rheinland bekannt ist. Und dem immer eine wahre Begebenheit zugrunde liegt, wie in diesem Fall die Geschichte von dem Mann, der es dem Brüsseler Wahrzeichen (Manneken Pis) vom Fensterbrett seiner Wohnung gleichtat. Die Höhner: „Wir wussten gar nicht, ob wir das im Konzert außerhalb des Rheinlands singen können, weil es einen etwas frivolen Text hat!“. Und schon wird im Konzert wieder gewechselt, zum „Opportunist“, der jedem aus der Hand frisst, und Henning Krautmacher singt eines der schönsten Liebeslieder des Abends: „Lass alle Fahnen für dich wehen“. „Musik es mieh Levve“ singen die Höhner, und das spürt man. Sie singen mit „Viva Colonia“ ein Loblied für ihre Heimatstadt, und sie machen auch keinen Hehl daraus, für wen sie sich engagieren: den 1. FC Köln.

Im zweiten Teil bekommt das Publikum, was es natürlich auch möchte: singen und tanzen und dazu die Höhner mit „Lust auf Leben“. Da bleibt kaum noch einer auf dem Stuhl sitzen. Und fast zum Ende und nach zahlreichen Zugaben fordert der Frontmann gemeinsam mit dem männlichen Publikum „Schenk mir dein Herz“, und Krautmacher sagt klipp und klar: „Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin“. Engel wollte am Mittwochabend auch keiner hören und sehen, sondern die Höhner.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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