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Große Sorgen und Nöte unter Senioren
Hoffen auf zweites Impfzentrum

Das Impfzentrum an der Durchgangsstraße zwischen Eiserfeld und Siegen ist zwar gut mit Bus und Pkw zu erreichen, aus entlegenen Orten des Siegerlandes und vor allem aus Wittgenstein müssen die Impfwilligen aber weite Strecken zurücklegen.
  • Das Impfzentrum an der Durchgangsstraße zwischen Eiserfeld und Siegen ist zwar gut mit Bus und Pkw zu erreichen, aus entlegenen Orten des Siegerlandes und vor allem aus Wittgenstein müssen die Impfwilligen aber weite Strecken zurücklegen.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

mir Siegen. Das Impfzentrum ist für die Öffentlichkeit noch nicht in Betrieb genommen worden, da tauchen Fragen auf: Wer kommt wie zum Zentrum? Ist der Weg von Helberhausen oder Irmgarteichen jedem zuzumuten? Und was ist mit den Wittgensteinern? Von Diedenshausen nach Eiserfeld mit dem Pkw dauert die Anreise bei normalem Verkehr rund 70 Minuten für exakt 61 Kilometer. Seit Wochen laufen die Bemühungen, für Wittgenstein ein zweites Impfzentrum vom Land NRW bewilligt zu bekommen. Oder wenigstens eine Impfstation.

„Die frühere Salzmannschule ist gut geeignet, und sie könnte auch sehr leicht zur Verfügung stehen“, führt Bürgermeister Bernd Fuhrmann an. Alle Bemühungen laufen über den Landrat und den Landkreistag.

mir Siegen. Das Impfzentrum ist für die Öffentlichkeit noch nicht in Betrieb genommen worden, da tauchen Fragen auf: Wer kommt wie zum Zentrum? Ist der Weg von Helberhausen oder Irmgarteichen jedem zuzumuten? Und was ist mit den Wittgensteinern? Von Diedenshausen nach Eiserfeld mit dem Pkw dauert die Anreise bei normalem Verkehr rund 70 Minuten für exakt 61 Kilometer. Seit Wochen laufen die Bemühungen, für Wittgenstein ein zweites Impfzentrum vom Land NRW bewilligt zu bekommen. Oder wenigstens eine Impfstation.

„Die frühere Salzmannschule ist gut geeignet, und sie könnte auch sehr leicht zur Verfügung stehen“, führt Bürgermeister Bernd Fuhrmann an. Alle Bemühungen laufen über den Landrat und den Landkreistag. Dort sind die Forderungen von inzwischen 21 Kreisen aus NRW gebündelt worden, die gemeinsam vom Land NRW jeweils ein zweites Impfzentrum genehmigt haben wollen. Der Grund: zu große Entfernungen.

Hoffnung auf zusätzliche Impfstoffe

Fuhrmann hegt indes die Hoffnung, „dass wir nächste Woche eine Rückmeldung bekommen, wie es weitergehen kann“. Unterdessen setzt er jede weitere Hoffnung auf zusätzliche Impfstoffe, die keine eisgekühlten Rahmenbedingungen zum Verimpfen brauchen: „Wenn ich mir eines wünschen dürfte, dann die Aussicht, dass wir alle impfbereiten Menschen bis zum Jahresende über unsere Hausärzte geimpft bekommen.“

Im Siegener Kreishaus ist derweil der Optimismus groß, über den Landkreistag schon vorher zum Zuge zu kommen. Landrat Andreas Müller ist als „Vize“ beim Landkreistag ein Akteur in der vorderen Linie, die Front von 21 Kreisen könnte die Landesregierung zum Handeln bewegen. „Wir haben eine hohe Impfbereitschaft, deshalb ist ein zweites Zentrum sehr wohl nötig“, fasst Pressesprecher Torsten Manges die Strategie zusammen.

Wittgenstein ist das eine Problem, das andere ist die mangelnde Mobilität vieler Senioren über 80 Jahren, die zu Hause schon auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Die größte Sorge: „Wie soll ich nach Eiserfeld kommen?“ Bisher vertraut der SI-Kreis darauf, dass Kinder, Enkel oder Freunde den Transport und vorher schon die Online-Anmeldung übernehmen. Überall gibt es Senioren, die durchaus impfwillig sind, aber niemanden mit einem Pkw um sich haben. Hans Amely aus Geisweid ist sauer angesichts der Gleichgültigkeit der Behörden: „Wie kommen die vielen alten Menschen aus der Wenscht nach Eiserfeld zur Impfung? Die wenigsten von ihnen haben Tochter oder Sohn am Ort, um das Problem zu lösen. Und Taxifahren wird teuer, zwei Impfungen bedeuten vier Fahrten zwischen Eiserfeld und Geisweid.“

Problemstellungen bekannt

Nächster Fall: Hilchenbach. In einer der Wohnstraßen nahe der Jugendherberge lebt ein auf Hilfe im Alltag angewiesenes Ehepaar – eine Polin übernimmt das. Angehörige gibt es nicht, der Sohn ist verstorben, und mit dem Auto kommen die Eheleute garantiert nicht bis Eiserfeld. Zwei Häuser weiter wohnt Ralph Müller. Mit seiner Frau Petra hat er die massiven gesundheitlichen Einschränkungen der Nachbarn kommen sehen, die Polin über eine Agentur engagiert: „Ich würde sie auch jetzt nach Eiserfeld fahren, wir sind schließlich 30 Jahre befreundet“, sagt Müller. Beim DRK sind solche Problemstellungen längst bekannt geworden. Sorgen und Nöte, wie das Impfen allen ermöglicht werden kann, machen die Runde. In Einzelfällen gibt es wohl schon Ansätze, wie DRK-Geschäftsführer Dr. Martin Horchler auf Nachfrage berichtet: So wird der Ortsverein Eiserfeld den MS-Kreis in der Frage unterstützen. Horchler: „Wir müssen reden, was zu tun ist. Angesichts der Pandemie ist das eine historische Frage. Ja, es wird eine Lösung geben, davon bin ich überzeugt.“

Noch in dieser Woche soll eine informelle Gesprächsrunde Eckpunkte fixieren, wie nichtmobilen Menschen in der Frage geholfen werden kann. Beim Kreis Siegen-Wittgenstein bleibt unterdessen alles bei der bekannten und vielfach veröffentlichten Aussage: Personen, die keine auskömmliche Möglichkeit haben, zum Impfzentrum nach Eiserfeld zu kommen, sollten bitte bei der Kreisverwaltung ihr Problem schildern. Nach Möglichkeit sollen individuelle Lösungen gesucht werden. Wie kann eine Alternative ausgestaltet werden?

Mobile Impfteams wären theoretisch der richtige Ansatz, zumal der Biontech-Impfstoff nicht so sensibel ist, wie das bisher angenommen wurde: Am Wochenende wurde bekannt, dass mit Biontech-Impfstoff aufgezogene Spritzen bis zu sechs Stunden verabreicht werden können. Aber: Personell wäre ein enormer Aufwand zu leisten. Bisher ist diese Variante von der Landesregierung ausgeschlossen worden.
Schade, denn: allein in Ralph Müllers Wohnstraße leben noch mindestens zehn weitere Senioren mit Einschränkungen jenseits des 80. Lebensjahres, die sich lieber daheim impfen lassen würden.

Mögliche Hilfen Weit ab vom westfälischen Siegerland und Wittgenstein haben Städte und Gemeinden mit ländlichen Strukturen im Umfeld erkannt, dass die Impfbereitschaft der Bevölkerung allein mit einem singulären Impfzentrum pro Kreis nicht auf dem erforderlichen Niveau erreicht werden kann. Zum Beispiel im Kreis Kleve müssten Impfwillige aus dem Ort Kerken rund 40 km ins Impfzentrum Kalkar fahren. Den Menschen vom Niederrhein ist das zu weit, auch dort gibt es jede Menge Senioren mit gesundheitlichen Einschränkungen aller Art. Die Lösung dort: Man hat eine Mitfahrbörse ins Leben gerufen. Heißt: Freiwillige fahren gebrechliche, alte Menschen zum Impfen und wieder zurück. Zweites positives Beispiel ist die Stadt Dormagen: Die Stadtverwaltung organisiert eine Hilfsaktion für alle Menschen, die das 80. Lebensjahr hinter sich haben. Wer Unterstützung benötigt, meldet sich im Rathaus, von dort wird der Transport zum Impfzentrum zentral organisiert. Obendrauf gibt es für alle vor dem Besteigen des Transporters eine FFP2-Maske kostenlos. Ein Beispiel, das allerorten abgekupfert werden könnte. “
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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