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Schuldner wollen Beratung
Hohe Nachfrage bei Caritas und Diakonie

Im Zuge der Corona-Krise werden die Beratungsstellen von Caritas und Diakonie mehr in Anspruch genommen.
  • Im Zuge der Corona-Krise werden die Beratungsstellen von Caritas und Diakonie mehr in Anspruch genommen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Siegen. Seit Beginn der Corona-Krise werden die Schuldnerberatungen der Diakonie in Südwestfalen sowie der Caritasverband Siegen-Wittgenstein deutlich mehr in Anspruch genommen. Das teilten beide Stellen auf Nachfrage mit. „Wir haben nicht mehr Insolvenzen, aber die Sorgen der Menschen haben zugenommen, wenn es um Finanzen geht“, sagt Matthias Vitt vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein: „Und wir sind ja nicht nur da, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“
Dass vermehrt auch die „Mittelschicht“ von der Krise betroffen ist, könne man noch nicht sagen, aber die Signale seien da. „Wenn die Kurzarbeit jetzt verlängert wird, dann wird die Luft bei einigen Menschen dünn.

sp Siegen. Seit Beginn der Corona-Krise werden die Schuldnerberatungen der Diakonie in Südwestfalen sowie der Caritasverband Siegen-Wittgenstein deutlich mehr in Anspruch genommen. Das teilten beide Stellen auf Nachfrage mit. „Wir haben nicht mehr Insolvenzen, aber die Sorgen der Menschen haben zugenommen, wenn es um Finanzen geht“, sagt Matthias Vitt vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein: „Und wir sind ja nicht nur da, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“
Dass vermehrt auch die „Mittelschicht“ von der Krise betroffen ist, könne man noch nicht sagen, aber die Signale seien da. „Wenn die Kurzarbeit jetzt verlängert wird, dann wird die Luft bei einigen Menschen dünn.“ Ob aufgrund der geplanten Gesetzesänderung bei der das Restschuldbefreiungsverfahren auf drei Jahre verkürzt werden könnte (siehe hier), dafür sorgt, dass weniger Privatinsolvenzen angemeldet werden? Vitt vermutet, dass das der Fall ist, denn seit einem Vierteljahr begleite die Caritas weniger Menschen bei Insolvenzen. Aber nicht immer hätten betroffene Personen das selbst in der Hand. „Wir rechnen im Herbst mit einem Anstieg von Insolvenzen“, sagt Vitt. Er hat auch eine weitere Erklärung für die gestiegenen Anfragen bei den Beratungsstellen. Er glaubt, dass viele Menschen dachten, dass die Beratungsstellen aufgrund des Coronavirus nicht geöffnet waren.

Arbeitslosigkeit und fehlende Finanzierung

Die Diakonie in Südwestfalen sieht unterschiedliche Gründe für die stärkere Inanspruchnahme der Schuldnerberatung: die vermehrte Arbeitslosigkeit und die fehlende Finanzierung. „Zudem hatten die Jobcenter, die Beratungsscheine für die Schuldnerberatung ausstellen, einige Zeit geschlossen“, so Achim Krugmann, Geschäftsbereichsleiter Soziale Dienste der Diakonie. „Dadurch hat sich Beratungsbedarf angestaut, der nun nach und nach bewältigt werden muss.“ Das Team der Schuldnerberatung geht davon aus, dass der derzeit erhöhte Beratungsbedarf vorerst nicht zurückgeht. Krugmann: „Die Entwicklung in den nächsten Monaten ist schwer einzuschätzen, da sie unter anderem von Kurzarbeits- und Arbeitslosigkeitszahlen abhängt.“
Zur möglichen Gesetzesänderung sagt Krugmann: „Zurzeit müssen die Menschen sechs Jahre warten, bis die Restschuldbefreiung in Kraft tritt. Wenn das neue Gesetz angewendet wird, entstehen ggf. zeitliche Ungerechtigkeiten, da diese dann bereits nach drei Jahren entschuldet werden könnten. Hier müssen die Übergänge bzw. Stichtage geregelt werden.“ Das Gesetz sehe inhaltlich auch Verschärfungen vor in dem Sinne, dass dann auch von Amts wegen eine Aussetzung der Restschuldbefreiung angeregt werden kann. Das konnten bisher nur Gläubiger bewirken. „Die Konsequenzen sind noch nicht abschließend einschätzbar“, so Krugmann.
Darüber hinaus könne eine Neuverschuldung während der Wohlverhaltensphase – einer festgelegten „Bewährungsfrist“ mit bestimmten Auflagen – die Restschuldbefreiung gefährden. „Das ist ein deutliches Signal an die Insolvenz-Klienten. Hier werden wir sehen, wie sich diese Konsequenz auswirken wird. Ansonsten sind wir bezüglich der Veränderungen noch in der Abwarte-Phase bis klar ist, was wirklich im Gesetz stehen wird.“

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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