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Vernichtendes Zeugnis für Distanzunterricht
Homeschooling wie Sommerferien

Stillstand statt Aufbruch – beim Distanzunterricht hakte und hakt es an etlichen Stellen. Kritik gibt es auch an den Lehrkräften.
  • Stillstand statt Aufbruch – beim Distanzunterricht hakte und hakt es an etlichen Stellen. Kritik gibt es auch an den Lehrkräften.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

juka Siegen/Bad Berleburg. Es ist ein vernichtendes Zeugnis, das eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität dem Distanzunterricht in der Anfangsphase der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ausstellt. „Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen und liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien“, erklärt Prof. Dr. Andreas Frey, einer der Verfasser der Studie. Wären acht Wochen Urlaub also genauso effektiv gewesen wie acht Wochen lernen vor dem PC?

„Die erste Homeschooling-Phase 2020 war durch die familiäre Situation zu Hause und das Fehlen digitaler Strukturen geprägt“, zeigt Dr. Michael Schuhen auf.

juka Siegen/Bad Berleburg. Es ist ein vernichtendes Zeugnis, das eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität dem Distanzunterricht in der Anfangsphase der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ausstellt. „Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen und liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien“, erklärt Prof. Dr. Andreas Frey, einer der Verfasser der Studie. Wären acht Wochen Urlaub also genauso effektiv gewesen wie acht Wochen lernen vor dem PC?

„Die erste Homeschooling-Phase 2020 war durch die familiäre Situation zu Hause und das Fehlen digitaler Strukturen geprägt“, zeigt Dr. Michael Schuhen auf. Nur in wenigen Bundesländern seien funktionierende landesweite Videokonferenzplattformen angeboten worden, auch die Kontaktmöglichkeiten zu den Schülern seien zum Teil aufgrund von fehlenden Mobilfunknummern oder E-Mail-Adressen nicht gegeben gewesen, führt der Wissenschaftler für Digitale Wirtschaftsbildung an der Universität Siegen auf. Besonders betroffen von dieser Problematik: Kinder aus bildungsfernen Familien.

Arbeitsmotivation zunehmend gesunken

„Die sind während dieser Zeit häufig durchs Raster gefallen“, moniert Schuhen. Materialien seien oft papierbasiert oder als Download zur Verfügung gestellt worden, wodurch ohne Drucker schon die ersten Probleme entstanden seien. Durch fehlende Videokonferenzen fehlte zudem zu Hause der Anstoß zum Lernen, während bildungsnahe Familien einspringen und Erklärungen vornehmen konnten. Mit der Zeit sei auch die Arbeitsmotivation geschwunden, das eigenständige Bearbeiten habe immer mehr Probleme bereitet.

Zu viele Lehrkräfte haben sich der Aufgabe
'digitale Bildung' nicht angenommen.

Dr. Michael Schuhen
Wissenschaftler an der Uni Siegen

„Es gab viele Lehrerinnen und Lehrer, die die Situation angenommen und in kürzester Zeit digitale Angebote geschaffen haben“, erklärt Schuhen, betont aber auch: „Es gab aber auch zu viele Lehrkräfte, die sich der Aufgabe ,digitale Bildung´ nicht angenommen haben.“ Dort hätten stärkere Kontrollen des Ministeriums stattfinden müssen, hebt der Wissenschaftler hervor.

Im weiteren Verlauf der Distanzunterricht-Phasen habe sich aber die Infrastruktur verbessert, Lernplattformen und Videokonferenzssysteme seien etabliert, das Sofortausstattungsprogramm des Bundes habe mit Geräten zum Ausleihen die Teilhabe gestärkt. „Gespannt bin ich, ob die Effektivität zugenommen hat“, so Schuhen.

Digitale Bildung der Lehrer entscheidend

Entscheidend sind für den Privatdozenten bei möglicherweise noch folgenden Homeschooling-Phasen die Lehrer und deren digitale Bildung. „Lehrerinnen und Lehrer mit geringen digitalen Kompetenzen und einer vielleicht auch geringeren Motivation, digitale Inhalte zu erstellen, haben dann möglicherweise die digitalen Bildungsmöglichkeiten der Kinder im Homeschooling bestimmt und beschränkt“, glaubt Schuhen, der verpflichtende Fortbildungsangebote für Lehrkräfte bereits zu Beginn der Pandemie als sinnvoll erachtet hätte, um die Lern-Effektivität zu steigern.

So aber bedeutete insbesondere das Frühjahr 2020 für viele Schulkinder statt Aufbruch und Weiterentwicklung nur Stillstand. Dass das Milliarden-Nachhilfeprogramm des Bundes diesen ausgleichen kann, bezweifelt Schuhen mit Blick auf die Erfahrungen der vorangegangenen Sommerschule. Das vernichtende Zeugnis aus Frankfurt erscheint da nur folgerichtig.

Autor:

Julian Kaiser aus Siegen

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