Homogenes Bild statt Flickenteppich

Die kommunalen Verwaltungen geben den Bürgern durchaus Gelegenheit, Anregungen für Veränderungen zu geben

bs Siegen. Im Paragrafenwerk der Ge-staltungssatzung erfährt es der Bauherr am Hainbuchenweg ganz genau: »Bei geneigten Dächern sind außer bei Solar-, Glas- und Gründächer als Dacheinde-ckung nur Dachpfannen zulässig. Für die Dachpfannen sind nur Grautöne nach RAL 7005,…, 7037 zulässig.«

Diese Vorgaben, die als Teil der Gestaltungssatzung Rechtskraft erlangt haben, sind das Ergebnis eines langen Planungsprozesses. In einem ersten Schritt begutachten die Stadtplaner der Stadtverwaltung die Siedlungsstruktur und die vorhandenen Dachlandschaften der Ortschaft, in der ein Neubaugebiet ausgewiesen werden soll. An dieser Grundlage orientieren sich die Planer bei der nachfolgenden Erstellung der ersten Ausfertigung der Satzung. Hauptziel der Planer ist laut Ulrike Rohr, Leiterin der Abteilung Stadtplanung der Stadt Siegen, Neues harmonisch in die gewachsene Struktur des Ortes einzugliedern. Trotz neuer Wohnformen solle der Charakter der Ortschaft erhalten bleiben, die Satzung sei dabei »das Gestal-tungsinstrument zur Einpassung«.

Wichtig ist Rohr, dass die Verwaltung den Bürger mit der ersten Ausfertigung nur einen Vorschlag macht. Die Bürger hätten danach an zwei vorher bekannt gegebenen Terminen die Gelegenheit, Anregungen für Veränderungen zu geben. Nach Durchlaufen von Bezirks-, Bau-, Umwelt- und Haupt-ausschuss erfolge die abschließende Beschlussfassung im Rat. Grundsätzlich stellt ein Urteilsspruch des Oberverwaltungsgerichtes Münster vom 9. Februar 2000 fest, dass Gemeinden die zu verwendenden RAL-Farben eigenständig festlegen dürfen.

Die Bürgermeinung ist laut Rohr zwiespältig. Die Wünsche gingen von einer noch engeren Eingrenzung der Gestaltungsfreiheiten bis zur völligen Freigabe jeglicher Regelung. Rohr erläuterte weiter, in Neubaugebieten der Stadt Siegen würden seit Jahren generell in einem sehr frühen Stadium vor den Bauplatzverkäufen Gestaltungssatzungen erstellt. Um Vorhandenes vor Neubauten zu schützen, würden auch eng bebauten Stadtkernen mit Historie – z.B. der Siegener Altstadt – solche Vorgaben nachträglich »übergestülpt«. Grundsätzlich aber seien die Gebiete, für die eine Gestaltungssatzung verabschiedet ist, in der Minderheit. In den vorgabefreien Zonen seien Bauherren wenige gestalterische Grenzen gesetzt. Eine Differenzierung der Siegerländer Kommunen bezüglich der Vorgaben in den Gestaltungssatzungen ist kaum möglich, da schon innerhalb der einzelnen Zuständigkeitsbereiche unterschiedliche Satzungen aufgestellt wurden.

Um der Baufreiheit entgegenzukommen, hat beispielsweise die Stadt Netphen im Jahr 2001 – nach Auslage und Begutachtung aller gängigen Dachziegeln im Rathaus – hellere Dachziegel zugelassen. Laut Erwin Rahrbach, Baufachbereichsleiter der Stadt Netphen, sind (im gesamten Stadtgebiet) einzig hochglanzglasierte Dachdeckungen weiterhin ausgeschlossen. Die ursprüngliche Satzung, die »brau, grau oder dunkler« vorsah, ist seitdem Geschichte.

Rahrbach betont: »Die jetzige Regelung entspricht nur dem Schutz des Ortsbildes.« Die Verwaltung wolle ein homogenes Ortsbild und keinen Flickenteppich. Im bergigen Bereich müsse man diesen Anspruch höher ansiedeln als im Flachland, da beim Blick auf einen bebauten Hang viel mehr Dächer ins Auge fielen als im Flachland. Über die ersten Dächer könne dort gar nicht hinweggesehen werden.

Die Netpher Verwaltung hat sich laut Rahrbach zum Ziel gesetzt, die bisher eng gefassten Festlegungen der nutzbaren Dachmaterialien durch eine komplette Freigabe zu ersetzen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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