Hund mit Spaten getötet

In Siegen musste sich ein Mann verantworten, der seinen Hund getötet hatte. Symbolfoto: SZ

jule Der Einspruch hatte keine Chance, der Strafbefehl gegen Hans-Dieter M. (Name geändert) lautete am Dienstagmorgen immer noch: „Tötung eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund“. Der Frührentner habe seinem Schäferhund eine Packung Schlaftabletten unter das Futter gemischt, ihn anschließend mit einem Spaten ins Genick geschlagen und das Tier somit getötet, beschrieb Staatsanwalt Stefan Buhl vor dem Siegener Amtsgericht den Tatvorwurf.

Dies sei so nicht zutreffend, äußerte sich hingegen der 48-jährige Wilnsdorfer vor Richter Peter Kolb. Seine Version der Geschichte: „Ich habe das Tier von meiner Ex-Freundin aus Tschechien zu mir geholt.“ Es handele sich um einen Rottweiler-Schäferhund-Mischling und nicht um einen reinen Schäferhund, erklärte er weiter. Schließlich gab er zu, das Tier mit Beruhigungsmitteln getötet zu haben. „Das mit dem Spaten stimmt aber nicht.“ Bei der Polizei habe Hans-Dieter M. hingegen im zweiten Anlauf angegeben, den Hund mit dem Gegenstand erschlagen zu haben, erklärte Staatsanwalt Buhl der Siegener Zeitung. Ein Bewohner des Hauses, in dem der Wilnsdorfer zur Zeit der Tat lebte, meldete den Fall der Polizei. Der Grund für die Tötung seien mehrere „Ausraster“ des Tieres gewesen. Hans-Dieter M. sprach nach eigenen Angaben mit einem Tierarzt über das Verhalten des Hundes. „Er wollte ihn nicht einschläfern, weil er kerngesund sei“, räumte der Wilnsdorfer ein. Darüber hinaus fragte er beim Tierheim an. „Die wollten den Hund auch nicht aufnehmen“, so der Angeklagte.

Die SZ sprach mit Tierheimleiter Tobias Neumann über den Fall. Ihm sei eine solche Anfrage nicht bekannt. „Wenn der Herr bei uns angerufen haben sollte, haben wir ihm erklärt, dass er das Tier bei uns vorstellen muss“, so Neumann. Für verhaltensauffällige Hunde gebe es bestimmte Tierheime. Der Tierschutzverein Altenkirchen u. a. hat sich auf Problem-Hunde spezialisiert. „Natürlich kostet sowas dann Geld“, betonte Neumann.

Besonders absurd auch dies: Hans-Dieter M. bat schließlich einen Jagdaufseher, das Tier im Wald zu erschießen. Dennoch, trotz des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, betonte er immer wieder: „Ich bin tierlieb.“ Diese Aussage empörte Amtsrichter Peter Kolb besonders: Es mache ihn fassungslos, dass der 48-Jährige sich als „tierlieb“ bezeichne. Bevor man sich ein Tier anschaffe, solle man sich über die damit verbundene Arbeit und Verantwortung im Klaren seien. Kolb: „Ich höre hier jeden Tag viele Geschichten, aber wenige bringen mich auf wie diese.“ Seine Version des Tathergangs ändere nichts an dem Vorwurf. „Ungeachtet, dass ich es für schäbig halte, ist es strafrechtlich“ relevant. Hans-Dieter M. nahm den Einspruch zurück. Er zahlt nun eine Strafe von 2500 Euro und muss zusätzlich die weiteren Verfahrenskosten tragen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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