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Einst verschwundene Tierarten zurück in der Region
Ich bin wieder hier...

Im Sommer 2018 tauchte eine Fähe aus dem Rudel „Göhrde“ in Niedersachsen auf dem Stegskopf bei Daaden auf und sorgte für mächtig Wirbel.
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  • Im Sommer 2018 tauchte eine Fähe aus dem Rudel „Göhrde“ in Niedersachsen auf dem Stegskopf bei Daaden auf und sorgte für mächtig Wirbel.
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tile Siegen/Bad Berleburg. Seit einigen Jahren weisen Umweltverbände immer wieder auf das Artensterben in Nordrhein-Westfalen hin. Laut NRW-Umweltministerium leben hier über 43 000 unterschiedliche Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in rund 70 verschiedenen Lebensräumen. Allerdings stehen 45 Prozent auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Auch aus der heimischen Region verschwinden Tierarten. Weniger bekannt, aber auch viel weniger zahlreich sind die Arten, die den Weg zurückgefunden haben und wieder heimisch geworden sind.

Uhu brütet seit Mitte der 90er wieder im Kreis
Etwa 90 Jahre lang galt etwa der Uhu aus dem Gebiet des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein als verschwunden. Die letzte Brut wurde zunächst um 1900 bei Ditzrod-Hesselbach (Bad Laasphe) dokumentiert.

tile Siegen/Bad Berleburg. Seit einigen Jahren weisen Umweltverbände immer wieder auf das Artensterben in Nordrhein-Westfalen hin. Laut NRW-Umweltministerium leben hier über 43 000 unterschiedliche Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in rund 70 verschiedenen Lebensräumen. Allerdings stehen 45 Prozent auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Auch aus der heimischen Region verschwinden Tierarten. Weniger bekannt, aber auch viel weniger zahlreich sind die Arten, die den Weg zurückgefunden haben und wieder heimisch geworden sind.

Uhu brütet seit Mitte der 90er wieder im Kreis

Etwa 90 Jahre lang galt etwa der Uhu aus dem Gebiet des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein als verschwunden. Die letzte Brut wurde zunächst um 1900 bei Ditzrod-Hesselbach (Bad Laasphe) dokumentiert. „Die Gründe für das zwischenzeitliche Aussterben waren menschengemacht“, sagt Michael Frede von der Biologischen Station des Kreises. Zum einen wurden sie direkt bejagt, zum anderen als Lockmittel für andere Greifvögel und Krähen auf einen Pflock gesetzt, aus Erdhütten heraus wurde auf die Attackierer geschossen (Hüttenjagd). Darüber hinaus wurden Uhu-Eier aus den Horsten entnommen (Aushorstung). Auch der vermehrte Einsatz von Umweltgiften, insbesondere des Insektizids DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), war für das lange Ausbleiben der größten Eulenart der Welt ursächlich. Anfang der 1990er-Jahre gab es die ersten Bestrebungen der Neuansiedlung in Bad Berleburg. Mittlerweile werden fünf Brutpaare in Siegerland und Wittgenstein vermutet.

Zwischenzeitlich zwölf Schwarzstorchpaare

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte auch der Schwarzstorch die hiesigen Reviere verlassen. Einen letzten Brutverdacht hatte es 1910 im Rothaarkammbereich zwischen Lahnhof und Zinse gegeben. Erneut war es die Bejagung durch den Menschen, der „Adebar im schwarzen Rock“ vertrieb. Er galt als Unglücksvogel, wegen seines Hungers auf Bachforellen überdies als fischereischädlich. „In den 1980er-Jahren tauchte er wieder im Wittgensteiner Land auf“, stellt Michael Frede anhand von Aufzeichnungen fest. Schließlich siedelte sich der Schwarzstorch auch jenseits der Siegquelle wieder an. Zwischenzeitlich waren bis zu zwölf Revierpaare im Kreisgebiet bekannt. Im Vogelschutzbericht 2019 des Bundesamtes für Naturschutz werden deutschlandweit zwischen 800 und 900 Brutpaare geschätzt. Die nordrhein-westfälische Ornithologengesellschaft ging 2009 von 90 Brutpaaren in NRW aus. Heute bedrohen ihn die Forstwirtschaft durch Holzeinschlag im Bereich der Horste und Windkraftanlagen.

Kolkrabe siedelt flächendeckend

Der intelligenteste Rabenvogel überhaupt, der Kolkrabe, ist 1905 zuletzt in Hilchenbach gesehen worden, bevor es 1984/85 durch die Wittgenstein Berleburg’sche Rentkammer erste Wiederansiedlungsversuche gab. Bereits 1985 wurde ein erstes Paar in Berghausen (Bad Berleburg) erfasst. Heute sind die Vögel wieder flächendeckend im gesamten Kreisgebiet zu finden.

In den 1950er-Jahren gab es in Westfalen nur im Sauerland noch fünf Wanderfalkenpaare. Dann verschwanden sie aus den schon genannten Gründen für ein paar Jahrzehnte. 2004 in Eiserfeld wurden sie neu angesiedelt. Aktuell sind der Biologischen Station sieben Reviere im Kreis bekannt, 2019 wurden fünf erfolgreiche Brutpaare gezählt.

Wolf klopft an

Nicht auf Schwingen, sondern auf leisen Pfoten hat zuletzt der Wolf seinen Weg zurück nach NRW und auch ins Dreiländereck auf den Stegskopf nahe Daaden gefunden – und hat damit für mächtig Wirbel gesorgt. Nach übereinstimmenden Medienberichten wurde die 2018 dort erstmals gesichtete Fähe (Wölfin) aber schon seit über einem Jahr nicht mehr gesehen.

Bienenfresser könnte heimisch werden

Abhängig von der Klimaentwicklung könnten sich in Siegerland und Wittgenstein weitere (neue) Tierarten niederlassen. So gibt es laut Michael Frede Indizien dafür, dass in den nächsten Jahren der Weißstorch hier heimisch werden könnte, auch wenn er es eigentlich etwas feuchter mag und sein „Tisch“ hier schon lange nicht mehr so üppig mit Grasfröschen, Heuschrecken und Mäusen gedeckt ist wie noch vor wenigen Jahrzehnten – ein weiteres Indiz für den Artenschwund. Das Auftauchen des Bienenfressers ist ebenfalls nicht ganz unwahrscheinlich; deutschlandweit werden bereits mehrere hundert Paare gezählt.

Im Sommer 2018 tauchte eine Fähe aus dem Rudel „Göhrde“ in Niedersachsen auf dem Stegskopf bei Daaden auf und sorgte für mächtig Wirbel.
Im Sommer 2018 tauchte eine Fähe aus dem Rudel „Göhrde“ in Niedersachsen auf dem Stegskopf bei Daaden auf und sorgte für mächtig Wirbel.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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