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Baumärkte haben in NRW noch geöffnet
„Ich möchte die Corona-Ferien nutzen“

Ein neues Lebensgefühl: Männer stehen auf Abstand und warten, bis sie in den Baumarkt eintreten dürfen. Gesehen in Freudenberg auf der Wilhelmshöhe.
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  • Ein neues Lebensgefühl: Männer stehen auf Abstand und warten, bis sie in den Baumarkt eintreten dürfen. Gesehen in Freudenberg auf der Wilhelmshöhe.
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sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Restaurants sind dicht, jedenfalls in NRW, die Baumärkte haben geöffnet: Wie passt das zusammen in der Coronavirus-Krise? Eigentlich gar nicht. Weil: Die wenigsten Kunden waren gestern professionelle Handwerker, die selbstverständlich Materialien aller Art benötigen.

Im Weidenauer Obi-Markt ist die Lage anders als sonst. Am Eingang sorgt ein Türsteher mit weißen Handschuhen für Ordnung: Nur einzeln und im Zehn-Sekunden-Abstand dürfen Kunden eintreten. Vorbei an der Brötchen- und Kuchentheke, der Backshop hat geöffnet, es wird fleißig gekauft.

Vor der Schranke ist Stopp: Der Türsteher hat den Marktleiter gerufen. Und der ist überhaupt nicht amüsiert, dass die SZ gekommen ist. Wild entschlossen stürmt der Mann los. „Niemand sagt hier etwas.

sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Die Restaurants sind dicht, jedenfalls in NRW, die Baumärkte haben geöffnet: Wie passt das zusammen in der Coronavirus-Krise? Eigentlich gar nicht. Weil: Die wenigsten Kunden waren gestern professionelle Handwerker, die selbstverständlich Materialien aller Art benötigen.

Im Weidenauer Obi-Markt ist die Lage anders als sonst. Am Eingang sorgt ein Türsteher mit weißen Handschuhen für Ordnung: Nur einzeln und im Zehn-Sekunden-Abstand dürfen Kunden eintreten. Vorbei an der Brötchen- und Kuchentheke, der Backshop hat geöffnet, es wird fleißig gekauft.

Vor der Schranke ist Stopp: Der Türsteher hat den Marktleiter gerufen. Und der ist überhaupt nicht amüsiert, dass die SZ gekommen ist. Wild entschlossen stürmt der Mann los. „Niemand sagt hier etwas. Sie dürfen mit keinem Mitarbeiter sprechen. Wenden Sie sich an die Presseabteilung.“ Nur der mit einer Plastikscheibe dekorierte Sichtschutz trennt Marktleiter und SZ-Redakteur. Und das in virusverseuchten Corona-Zeiten.

Keine Kontrolle in Buschhütten

Szenenwechsel zum Hellweg-Baumarkt in Buschhütten. Die Kunden schlendern sorglos zum Eingang. Jemand hat sich dort niedergelassen und verzehrt sein Brötchen. Ein Mann in Handwerkerkluft steht locker dabei: „Sie können ruhig reingehen, es wird nicht kontrolliert.“ Die Zahl der Kunden ist nicht überschäumend groß. Trotzdem stauen sich die Käufer an den Kassen. Man plaudert, als gäbe es keine Krise. Ein besonderer Satz bleibt haften: „Ich möchte die Corona-Ferien nutzen.“

Beim Gang zum Parkplatz kommt mehr Konversation auf: „Hey Chef, ganz schlecht hier, die machen Aufstand wegen Virus oder so.“ Telefonierend lässt sich dieser sympathische Mensch auf dem Beifahrersitz nieder, sein Fahrer hat zuvor zwei große Pakete Grillbriketts in den Kofferraum geladen. Von Krise keine Spur.

Ein paar Autos weiter steht ein normaler Pkw mit Anhänger: Ein Mitarbeiter des Marktes lädt ihn voll mit Estrich und anderem Baumaterial. Nebenan ist ein Rentner mit seiner Enkelin befasst: Auf dem Anhänger liegt Material für eine komplette Deckenvertäfelung. Noch Fragen?

Viele Menschen der Risikogruppe im Markt

Zumindest der Bad Berleburger Hagebau-Markt hat mit der Beantwortung von Fragen überhaupt kein Problem. Natürlich sei der Umsatz gut, sagt Marktleiter René Schachtschneider, das liege sicherlich an den frühlingshaften Temperaturen, aber auch daran, dass Kunden die Corona-Krise mit entsprechenden Regeln dazu nutzten, um Haus und Garten auf Vordermann zu bringen.

An diesem Donnerstagvormittag ist der Markt an der Sählingstraße ordentlich frequentiert, dennoch gibt es freie Parkplätze. Die Menschen sind guter Dinge, man tauscht sich aus.

Allerdings habe die Medaille immer zwei Seiten, meint der Marktverantwortliche: „Ich beobachte auch viele Menschen im Markt, die unzweifelhaft zu den Risikogruppen gehören. Ich kann da nur für eine gewisse Sensibilität werben.“

Die sei vor allem im Umgang miteinander im Markt dringend geboten. Es könne nicht sein, so René Schachtschneider, dass seine Mitarbeiter einen Schritt zurück machten, um den Sicherheitsabstand herzustellen und die Kunden dann den Schritt nach vorne setzten, um die Lücke wieder zu schließen.

Sicherheitsabstand im Kassenbereich

Komplett auf Nummer sicher geht der Hagebau-Markt im Kassenbereich. Der Kassenbereich ist im Zwei-Meter-Abstand in gelb und schwarz auf dem Fußboden markiert, die optische Erläuterung gibt es in rot auf weiß dazu. „Das Ganze funktioniert nur, wenn sich alle daran halten. Schwierig wird es, wenn Kunden drängeln. Das ist nicht Sinn der Sache.“

Im Olper Obi-Markt müssen immer wieder Kunden vor den automatischen Türen warten. Mitarbeiter steuern den Einlass, eine Maximalzahl darf nicht überschritten werden. Auch im Wartebereich vor den Kassen sollen nie mehr als fünf Personen stehen. Ein 62-jähriger Olper weiß das zu schätzen. „Wenn drinnen viel los gewesen wäre, dann wäre ich nicht reingegangen.“ Ihn beunruhige die ganze Situation schon sehr, letztlich sei die Arbeit im Garten eine willkommene Ablenkung und Beschäftigung in dieser krisengeschüttelten Zeit.

Noch etwas ist dem Mann besonders wichtig zu sagen: „Ich achte penibel auf Hygiene und Distanz zu anderen.“ Eben jene soll an den Kassen mit den Plexiglasscheiben in Rahmen aus Dachlatten erreicht werden. Kassiererin und Kunden werden so wenigstens etwas voneinander abgeschirmt. Ein 51-jähriger Handwerker aus Lennestadt hat für die Vorsichtsmaßnahmen nur begrenzt Verständnis. Sein Kommentar: „Manches ist schon echt ein Witz. Erst waren alle Veranstaltungen mit 1000 Leuten noch völlig in Ordnung. Als ob sich bei nur 999 Teilnehmern keiner mit Corona anstecken kann.“

Eine 40-jährige Kundin ficht das nicht an. Endlich habe man Zeit für Projekte, die sonst liegenblieben. In ihrem Fall ist das der Sandkasten für die Kinder.

mir/soph/vö

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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