„Ich war ein Rechtsradikaler“

 Manuel Bauer hat eine Menge erlebt – einige Horrorszenen lassen ihn bis heute nicht mehr los. Foto: ihm

ihm Zeitweise ist es so still im Alten Feuerwehrhaus in Netphen, dass die Lehrer ihre Zehntklässler kaum wiedererkennen. Die Unterrichtseinheit des Vormittags heißt: „Ein Aussteiger aus der rechten Szene berichtet“. Der Aussteiger ist Manuel Bauer (35), Gründer des „Bundes der arischen Kämpfer“, Straftäter, ehemaliger Neonazi in Sachsen.

Bauer war 13 Jahre lang fest verwurzelt in der rechten Szene. Aufgewachsen im DDR-Sozialismus, aktiv bei den Pionieren, mit christlichem Elternhaus, verlor er nach der Wende den Boden unter den Füßen. Als plötzlich alles anders wurde, als die Eltern keine Arbeit mehr hatten, als die heile Kinderwelt verschwand, brauchten Manuel und seine Kumpels eine Perspektive, ein neues Weltbild.

Wie er in die rechte Szene abdriftete, welche Tricks und Strategien die NPD anwendete, um die Jugend zu ködern, schilderte Bauer überaus plastisch – und drastisch. Ganz konkret illustrierte er seine Warnungen anhand von Beispielen aus dem Internet. Die Netphener Realschüler schwankten zwischen Schock und Kopfschütteln. Manuel Bauer spült seine Vergangenheit nicht weich. Er beschreibt den Sumpf, in dem er watete, ohne Beschönigung. Berichtet, wie er eine schwangere Frau in den Bauch trat, wie er mit Kumpels eine türkische Hochzeit stürmte, wie er auf Unschuldige einprügelte. Nicht auf Menschen, „denn das waren für uns keine Menschen!“

Manuel Bauer tourt durch die Republik mit seiner Geschichte, berichtet in Schulen, macht Lehrerseminare. Er hat sich mit Hilfe der Aussteiger-Organisation „Exit“ von der Szene gelöst. Carolin Müller, Geschichtslehrerin an der Realschule Am Kreuzberg, hat ihn nach Netphen geholt.

Der Mann hat nach seiner Haftentlassung Jahre gebraucht, um sich aus der Szene zu lösen. Er lebt heute in Süddeutschland, aber die Angst vor den Kumpels von damals, die ihn, den Aussteiger, als Verräter ansehen, ist immer noch gegenwärtig.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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